Ein sagenhafter Abend rund um den Heimatdichter

Der Heimatverein Zwota trotzt Corona: Einen literarischen Abend erlebten am Samstag über 50 Besucher im Gasthof Walfisch. Im Mittelpunkt stand der Heimatdichter Max Schmerler - und im Publikum saß dabei auch sein Enkel Roland.

Zwota.

Langsam füllt sich der Saal, bis alle Tische besetzt sind. Längst nicht so, wie es der Normalfall ist, wenn der Heimatverein Zwota zu einer Veranstaltung einlädt. Aus gutem Grund, denn Corona schiebt einem größeren Andrang einen Riegel vor. Alle Tische stehen in gebührendem Abstand zueinander und die Besucher haben sich nach weiteren Maßnahmen zu richten: ohne Schwätzchen im Foyer gleich in den Saal kommen, die Garderobe mit zum Platz nehmen, am Tisch wird der Eintritt kassiert, gleichzeitig zum Toilettengang dürfen maximal zwei Gäste.

Das alles wird wohl oder übel in Kauf genommen, denn als Walfisch-Wirt und Vorsitzender des Heimatvereins bringt es René Goram etwas pathetisch, aber doch treffend auf den Punkt: "Wir freuen uns über die Wiederauferstehung der Kultur im Tal." Dass das Hammerspektakel nebst Theaterstück Anfang Mai am Walfisch-Teich, die Zwoticher Körbe Mitte August und andere Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, wird nur als eine schmerzhafte Erinnerung an das Jahr 2020 bleiben.

Der Sagenabend des Heimat- vereins ist deshalb für alle wie eine innere Befreiung, die zaghaft den Durst nach Kultur und Gemeinschaft löscht. Im Saal sitzen auch Roland Schmerler aus Dresden und seine Frau Barbara. Er, Jahrgang 1941, ist ein Enkel von Max Schmerler, der als Heimatdichter und Schriftsteller eine prägende Persönlichkeit für die Geschichte von Zwota bis in unsere Tage ist.

Der Schmerler-Max steht im Mittelpunkt des Sagenabends, weil sich am 26. Juni sein Todestag zum 60. Male jährt. Roland Schmerler hat die Wurzeln nie gekappt, er ist seit Jahren ein gern gesehener Gast in Zwota: "Ich kannte meinen Opa als liebenswerten, freundlichen und sehr belesenen Menschen. Zwota hat ihm immer viel bedeutet. Deshalb habe ich einen großen Teil seines Nachlasses übergeben."

Einen kleinen Teil des Materials "zaubert" Thorald Meisel aus einem abgeschabten alten Koffer, der auf der Bühne steht: Bilder, Dokumente und Bücher. Sie bilden die Grund- lage für den Weg voller literarischer Spuren entlang von Stationen, die mit Max Schmerler in Verbindung stehen - ergänzt mit Begebenheiten aus der Freundschaft zu Richard Grimm-Sachsenberg und Paul Apitzsch, die ebenfalls einst das Lehrerseminar in Auerbach besuchten, aber auch an Julius Mosen und dessen Großvater, der einst einer der ersten Lehrer in Zwota war.

Andrea Meisel, Karla Dunger und Mario Knoth nehmen die Zuhörer mit auf eine Wanderung durch Sagen, die sich einst zwischen Aschberg, Hoher Stein, Schöneck und Oelsnitz zugetragen haben oder zugetragen haben sollen, dank des Volkes Mund von Generation zu Generation überliefert sind: "Das rote Schlössel in Zwota", "Dr Stelzenbaam", "Von den Pechkratzern", "Wie die Schönecker zu einem neuen Bürgermeister kamen und die Rats- herren zu einem Ochsen", "Der Huckauf", "Die Voigtsberger Laterne", Geschichten über einen Klingenthaler Viehhändler, ein magisches Wollknäuel und das Schrackagerl, einem Wesen, das angeblich in Häusern am Aschberg wohnte, und den Bewohnern Unglück brachte.

Akkordeonist Richard Wunderlich legt dazu einen bunten musikalischen Teppich. Eine Veranstaltung mit Club-Atmosphäre. Die mehr als 50 Gäste sind sich darin einig: "Ein schöner Abend. Das Programm hat wieder Spaß gemacht." Und Appetit auf mehr.

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