Eine Argentinierin in Klingenthal

Nicht nur Josefine Cresta aus San Jorge hofft, dass sich aus der 2018 geschlossenen Städtefreundschaft eine dauerhafte Verbindung entwickelt.

Klingenthal.

Wenn Josefine Cresta wieder zu Hause in San Jorge ist, will sie in der Stadt einen Vortrag über Klingenthal und das Vogtland halten. "Am nötigen Material fehlt es mir nicht", lachte die junge Frau aus Argentinien nach dem Besuch des Musik- und Wintersportmuseums. Es war nur eine von vielen Stationen, die sie in den vergangenen Tagen besuchte. Am Dienstag hatte sie auch die Sitzung des Stadtrates besucht, die diesmal allerdings sehr kurz war. Klingenthals Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU) überreichte ihr dabei ein kleines Präsent.

Als Josefine Cresta nach Klingenthal kam, kannte sie bereits drei der Einwohner persönlich. Im März 2019 hatten die Stadträte Angela Bräutigam (Pro Klingenthal) und Peter Vodel (Freie Wähler) sowie Günter Bräutigam, der als sachkundiger Bürger im Stadtrats-Ausschuss tätig war, die argentinische Stadt besucht. Die junge Frau, die perfekt deutsch spricht, war eine der beiden Dolmetscher, die sich um die Gäste aus dem Vogtland kümmerten. Die drei Klingenthaler kehrten zudem als Ehrenbürger aus San Jorge zurück.

"Wir wurden in Firmen, landwirtschaftliche Einrichtungen, in Schulen und Sportstätten geführt. Man hatte wirklich das Gefühl, jeder wollte uns sehen. Nach zwei Tagen wurden wir von den Leuten auf der Straße gegrüßt", staunte Angela Bräutigam noch nach der Heimkehr. "An unserem Aufenthalt nahm die ganze Stadt Anteil", erzählte Günter Bräutigam. Grund genug für die Bräutigams, Josefine Cresta auf privater Basis nach Klingenthal einzuladen, und somit den Freundschaftsgedanken mit Leben zu erfüllen.

Knapp 12.000 Kilometer liegen zwischen Klingenthal und San Jorge. Rund 20.000 Einwohner zählt die Stadt in der argentischen Provinz Santa Fe, gelegen etwa 450 Kilo- meter nordwestlich der Hauptstadt Buenos Aires. "Bei uns ist das Land sehr flach. Hier gibt es wunderbare Natur mit vielen Bergen und Tälern", erzählte Josefine Cresta.

Die Idee einer Städtefreundschaft hatte 2018 Edgardo Malaroda entwickelt, damals der Botschafter Argentiniens in Berlin. Verbindendes Element soll die Musik sein. Dass sich die Argentinier ihren Vorschlag gründlich überlegt hatten, belegt ein knapp 20 Seiten umfassendes Papier. Malaroda lud dazu Klingenthals Stadtoberhaupt Thomas Hennig (CDU) nach Berlin ein. Hennig revanchierte sich im September 2018 mit einer Einladung ins Vogtland. Danach ging es sehr schnell, denn schon im November unterzeichneten Hennig und sein argentinischer Amtskollege Enrique Luis Marucci im Klingenthaler Rathaus den Freundschaftsvertrag.

Mit dabei war auch Adelqui Bertotto, Präsident der Marchigiana Association of San Jorge, dem Veranstalter des Nationalen und Südamerikanisches Akkordeon-Festivals. Darüber hat San Jorge wiederum Verbindung nach Castelfidardo, Klingenthals italienischer Partnerstadt. Italienische Auswanderer, die in der Provinz Santa Fe leben, pflegen traditionell sehr enge Kontakte in die alte Heimat.

Was in San Jorge fehlt, sind Fachleute, die Akkordeons reparieren können. Das war eines der Themen, die das Klingenthaler Trio vom Besuch mit ins Vogtland brachten. Stadtrat Peter Vodel betonte schon damals, dass er gute Chancen sehe, dass angehende Instrumentenbauer aus Argentinien an der Berufs- und Berufsfachschule in Klingenthal eine Ausbildung erhalten könnten. Beim Besuch von Josefine Cresta griff er das Thema wieder auf. Vodel ist sich aber bewusst: "Für eine erfolgreiche Umsetzung brauchen wir die Unterstützung der Regierungen in Berlin und Buenos Aires".


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