Einst logierte hier der Adel, heute kann jeder her

Die Schau zu 620 Jahre derer von Trützschler im Falkensteiner Museum ist dieses Wochenende zum letzten Mal geöffnet.

Falkenstein.

Rustikal - der Raum im Erdgeschoss des Anwesens, das hölzerne Mobiliar wirkt schwer. Die Barone hatten offenbar einen Faible fürs Waidmännische, wie an Trophäen behangener Wand und Decke zu erkennen ist. So sah die Empfangshalle der von Trützschlers in ihrem Falkensteiner Schloss einst aus. So ist sie auf einer Tafel im Museum dokumentiert, anlässlich der Schau zur 620-jährigen Geschichte des vogtländischen Adelsgeschlechtes. Das Museum hat in dem Fall seine Bestimmung im doppelten Sinn: Ist es doch schon seit Jahrzehnten dort untergebracht, wo die Falkensteiner Barone früher wohnten.

Etwa um 1930 herum sei das erste Kreditinstitut in die ehemals herrschaftlichen Räume eingezogen, berichten Andreas Rößler und Ulrich Wolf vom Falkensteiner Museums- und Heimatverein. Etwa gleichzeitig fand das Museum Räume in dem Gebäude. Die alte Empfangshalle - heute Teil der Sparkasse Vogtland, in dem Geldautomaten und Kontoauszugdrucker stehen. Faktisch für jedermann Tag und Nacht zugänglich. Rößler und Wolf wissen aus Überlieferungen, dass dies zu den Zeiten der Trützschlers ganz anders war. Nicht jeder durfte bei den Baronen - auch in Dorfstadt gab es bis zuletzt einen Herrensitze der Familie - einfach so vorsprechen. Wer etwas wollte, musste sich zunächst an den jeweiligen Verwalter wenden.

1926 hatten die von Trützschlers ihr Schloss in Falkenstein an die Stadt verkauft - zwei Jahre nachdem Franz Oswald von Trützschler gestorben war. Witwe Louise Wolcot von Trützschler zog ins Waldschlösschen Hanneloh und Sohn Hans Erik von Trützschler, der letzte der Falkensteiner Barone, in die von dort unweit gelegene Oberförsterei nahe der Talsperre. Andreas Rößler und Ulrich Wolf sind sich sicher, dass der Verkauf in den 20ern das Schloss am Ende gerettet hat. Die Dorfstädter Linie der Adelsfamilie verlor ihren Besitz 1945 im Zuge der Bodenreform, heute sei das ehemals herrschaftliche Anwesen verfallen.

620 Jahre derer von Trützschler: Die Schau im Falkensteiner Museum ist am 24. und 25. Oktober letztmals von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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