Elsteraner plant in Plauen barrierefreien Wohnpark

An der Gneisenaustraße sollen für siebenMillionen Euro rollstuhlgerechte Häuser entstehen. Natürlich will der Ideengeber damit Geld verdienen. Aber eigentlich geht es ihm um etwas ganz anderes.

Plauen/Bad Elster.

Noch steht kein einziges Gebäude. Aber die Hausnummern sind schon vergeben. "Es wird die Gneisenaustraße 2a, 2b und 2c geben", sagt Andreas Ruderisch und betrachtet von seinem Baucontainer aus die daneben liegende geschotterte Fläche. Container und Fläche sind das Einzige, was an der Wiese im Stadtteil Westend auf ein Bauprojekt hindeutet. Das soll sich kommendes Frühjahr ändern. Dann wollen Ruderisch und seine Familie dort auf einem 6000Quadratmeter großen Grundstück einen Wohnpark errichten.

Allerdings keinen gewöhnlichen. "Alle 23 Wohnungen werden komplett barrierefrei sein", kündigt Ruderisch an. Auch für Pflegebedürftige seien sie konzipiert. So werden die Türen beispielsweise so breit, dass man mit einem Bett durchfahren kann. "Aber ein Pflegeheim planen wir ausdrücklich nicht", so der Mann aus Bad Elster. "Es werden Wohnungen, in denen Gehbehinderte und Pflegebedürftige alleine oder mit ihren Angehörigen zusammenleben können, ohne ständig Kompromisse machen zu müssen."

Wohnen ohne Kompromisse - das soll schon vor der Haustür anfangen. "Die rund 80 Meter lange Straße zu unseren Häusern wollte eigentlich die Stadt bauen", sagt Ruderischs Geschäftspartner Bernd Zimmermann von der Top Wohnprojekt GmbH. Doch diese sei an zu viele Vorgaben gebunden. Zum Beispiel bei den Straßenbegrenzungen. Als privater Investor sei man unabhängiger. "Ein Bordstein von fünf Zentimetern Höhe stellt beispielsweise für Rollatorfahrer durchaus ein ernstes Hindernis dar", so Zimmermann. Deswegen bauen die Investoren die Straße nun selbst ohne solche Bordsteine.

Die Wohnungen sind ebenfalls für Gehbehinderte konzipiert. Und dies, so Andreas Ruderisch, sei durchaus nicht selbstverständlich. "Natürlich werden seit Jahren schon existierende Wohnungen barrierefrei umgebaut", so der Vogtländer. Aber da seien selbst den pfiffigsten Handwerkern enge Grenzen gesetzt. Wobei "eng" durchaus wörtlich genommen werden kann. Der Wendekreis eines Elektrorollstuhls beträgt nun einmal 2,1Meter. Bei einem kleinen Badezimmer kann das gar nicht funktionieren.

Deswegen sind die Wohnungen recht großzügig geschnitten. Die kleinsten haben 70, die größte 190 Quadratmeter. "Die wäre ziemlich gut für eine Behinderten-WG geeignet", so Ruderisch. Wer Interesse hat, kann einfach mal beim Baucontainer an der Gneisenaustraße 2 vorbeischauen.

Rund sieben Millionen Euro soll das Großprojekt im Westend kosten. Ganz in trockenen Tüchern ist die Finanzierung noch nicht, räumt Ruderisch ein. Doch gebaut wird in jedem Fall. Denn ums Geld verdienen geht es ihm im Westend erst in zweiter Linie. "Mein Sohn hatte vor einigen Jahren einen Motorradunfall und sitzt seither im Rollstuhl", so Ruderisch. "Ein Haus für mich und meine Familie baue ich in jedem Fall."

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