Elstertal bietet Lebensraum für viele Arten

Die Weiße Elster ist Flusslandschaft des Jahres 2020/2021. Vom Uhu bis zum Biber, von der Haselmaus bis zum Eisvogel - das Gewässer und seine Landschaft bieten und brauchen Schutz. Hellmut Naderer setzt sich besonders dafür ein.

Plauen/Pöhl.

Keiner muss auf etwas verzichten: Die Wanderer können weiterhin wandern, die Kletterer weiter klettern, auch nach Schaffung des neuen Naturschutzgebietes (NSG) Elstersteilhänge. Das hat Hellmut Naderer vom Naturschutzbund (Nabu) jetzt klargestellt. Das bereits Mitte der 1990er-Jahre ins Auge gefasste zusammenhängende Schutzgebiet würde von Alt-Chrieschwitz bis Noßwitz reichen und drei bestehende Schutzgebiete, darunter das NSG Elsterhang bei Röttis, Triebtal und Steinicht einbeziehen. Das geplante Areal umfasst eine Größe von etwa 688 Hektar.

"Wir wollen keine Käseglocke draufsetzen", erklärt das Mitglied des Nabu-Landesvorstandes Sachsen. Alle bisherigen Nutzungen bleiben erhalten. Das Elstertal stelle aber einen einheitlichen Naturraum dar und es mache keinen Sinn, da einzelne Stücke herauszuschneiden. Der Schutz müsse für das ganze Tal gelten.

"Eine so interessante Natur ist selten", sagt der Vogtländer. Eine solche Landschaft finde man in dieser Form kaum irgendwo anders. Zahlreiche Arten kommen vor, deren Lebensraum es zu bewahren gelte. In den Kletterfelsen des Steinicht lebt beispielsweise der Uhu. "Er wechselt gern seine Brutplätze", weiß der Naturschützer. Der Vogel brütet in Felsen und auch Steinbrüchen. Ein (ehemaliger) Steinbruch befindet sich bei der Rentzschmühle. "Der Uhu ist nachtaktiv", verweist Hellmut Naderer darauf, dass die Tiere tagsüber ihre Ruhe brauchen. Wenn sie die nicht bekommen, könnten sie das Gebiet verlassen.

Zu den Eulen gehört auch der Rauhfußkauz, den man im Entwurf der Schutzgebietsverordnung neben einer Vielzahl weiterer Vögel findet. In dem Papier stehen auch Baumfalke, Eisvogel, Neuntöter, Rotmilan, Schwarzstorch, Wachtelkönig, Wespenbussard und andere Vogelarten, deren Lebensraum im Elstertal bewahrt werden soll.

Artenvielfalt findet sich aber nicht nur in den Bäumen am Flussufer und den Hängen, sondern auch am Boden. Ute Lange von der Regionalgruppe Vogtland des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erinnert an die Wildkatze, deren Haare man vor einiger Zeit an Lockstöcken gefunden hat. Das seltene und scheue Tier habe das Elstertal damals vermutlich durchstreift. Die Wildkatze steht in der Schutzverordnung, genauso wie das Große Mausohr, eine Fledermaus. "Fledermäuse kommen im gesamten Tal vor", so Naderer.

Schützenswertes Leben existiert mit der Westgroppe, einem Fisch, aber auch in der Elster. Vor vier Jahren machte Frieder Strobel von der Pirkmühle auf Biberspuren an Gehölzen auf seinem Grundstück am Elsterufer neben der Pirker Autobahnbrücke aufmerksam. Er hat den Nager mittels Videotechnik auch bei seinem nächtlichen Treiben gefilmt. Die Behörden bestätigten damals, dass es sich um Fraßspuren des Bibers handelt. Auf Nachfrage hat der Bewohner jetzt nochmal bestätigt, dass derlei Spuren zwar nicht mehr auf seinem Grund und Boden, aber in Richtung Weischlitz noch zu sehen sind.

Das Gebiet bei Pirk gehört allerdings nicht zum jetzt auszuweisenden Schutzgebiet nördlich von Plauen. Dieses sieht Ute Lange auf der Zielgeraden. "Es dürften keine Konflikte mehr bestehen", meint sie und rechnet noch in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr mit der Unterschutzstellung. Diese stand immer wieder in Frage, weil es in den Kommunen aufgrund möglicher Auflagen Bedenken gab. Im Naturschutzgebiet ansässige Menschen sollten in ihrem Privateigentum und Wohnumfeld nicht einschränkt werden. Das forderte die Pöhler Ortschefin Daniela Hommel-Kreißl (FDP) beispielsweise für die betroffenen Ortsteile Barthmühle, Rentzschmühle und Liebau. "Die Entwicklung des Tourismus in dem Bereich, vor allem des Natur- und Geschichtsparks Liebau rund um Burgruine und einstiges Herrenhaus, muss weiter auflagenfrei möglich sein", meinte sie. Das gelte auch für den Straßen-, Wege- und Leitungsbau sowie die Verkehrssicherheit durch Schnitt von Straßenbegleitgrün. Bedenken kamen auch aus Elsterberg. So hatte der dortige Bürgermeister Sandro Bauroth (FDP) wiederholt seine Sorge bei der Belegung der Flächen im Technologie- und Industriepark (ehemals Enka) ins Gespräch gebracht. Da das Schutzgebiet um das Areal herum führen würde, sah er die bisher eingesetzten sieben Millionen Euro an Steuergeldern für eine Firmenansiedlung als "in den Sand gesetzt" an.

11 Kommentare

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    3
    ZukunftHeimat
    24.10.2020

    Danke, Herr Naderer!
    Das Vogtland hat da einen solchen Schatz.

    Und ja - es sollen Viele, soweit möglich, zu ihrem Recht kommen. Dafür brauchen wir kluge und fantasievolle Lösungen.

    Und den jungen Leuten kann man gar nicht oft genug erzählen, was wir im Vogtland für eine wunderbare Natur haben. Man schützt nur, was man kennt und liebt.