Enttäuschte Liebe: Vogtländer wird zu Brandstifter

In Neustadt geht 2015 eine Beziehung zu Ende und eine Garage in Flammen auf. Gestern stand der Angeklagte vor Gericht.

Auerbach/Neustadt.

Als in der Nacht zum 15. Dezember 2015 in Neustadt eine Garage an einem Wohnhaus brannte, war das der vorläufige Tiefpunkt einer rund drei Jahre dauernden Beziehung zweier Vogtländer. Das Urteil, das gestern am Amtsgericht Auerbach gegen den 59 Jahre alten Angeklagten gesprochen wurde, setzt den Schlusspunkt hinter diese Beziehung, die in Liebe begann, zur Freundschaft abkühlte und aus Eifersucht und Rache in der Brandstiftung eskalierte. Das Strafgericht sprach den Angeklagten der schweren Brandstiftung schuldig und verurteilte ihn zu einem Gesamtstrafmaß von drei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Damit folgte es der Forderung des Staatsanwaltes und berücksichtigte eine offene Strafe gegen den mehrfach Vorbestraften.

Der 59-Jährige hatte den Brand in der Nacht zum 15. Dezember 2015 gelegt, was er später bei der Vernehmung durch die Polizei und auch gestern einräumte. In der Beweisaufnahme wurde dargestellt, dass der Mann sich über eine offene Tür Zutritt zur Garage am Wohnhaus der Geschädigten verschafft und ihr Auto mit Benzin in Brand gesetzt hatte. Dass Feuer griff auf die Garage und einen Carport über und beschädigte das Haus. Das ist über ein Küchenfenster im Erdgeschoss mit der Garage verbunden. Infolge der Hitze zerbarst das Fensterglas und Rauch zog über einen Heizungskanal ins Obergeschoss, wo die Geschädigte schlief. Eine Nachbarin alarmierte die Frau und die Feuerwehr, die Geschädigte konnte sich unbeschadet in Sicherheit bringen, musste aber eine Nacht ins Krankenhaus. Die Feuerwehr konnte das Übergreifen des Brandes auf das Wohnhaus verhindern, doch das Haus war nicht mehr bewohnbar. Die Geschädigte verkaufte es und zog um.

Offene Garage, Vorhandensein von Benzin in Kanistern, Bauweise der Heizung - die Kenntnisse über die Gegebenheiten in Neustadt waren dem Angeklagten laut Zeugen aus der rund drei Jahre dauernden Beziehung mit der Frau bekannt. Für beide hatte es in Zuneigung begonnen, später aber stellte sich heraus, dass man doch nicht so gut zueinander passte - der Gutachter sprach von "unterschiedlichen Lebensentwürfen": Sie die attraktive, reiselustige und vielseitig interessierte Mit-Sechzigerin, er der arbeitslose Vorbestrafte, der die Kurve kriegen möchte. Hilfsbereit und handwerklich begabt, arbeitete er viel am Grundstück der Geschädigten und war ein guter Gesprächspartner.

Als es in der Beziehung nicht mehr so lief wie zu Beginn, einigte man sich nach übereinstimmender Darstellung auf das Modell "Freundschaft plus": gegenseitige Unterstützung und das Gewähren von Freiheit auf der Suche nach einem neuen Partner.

Der Angeklagte kam mit diesem Arrangement offenbar weniger gut zurecht. Er suchte das Gespräch, aber er rächte sich auch durch Sachbeschädigungen an Kläranlage und Fahrrad für das neue Leben der Frau. Ein letzter Kontakt am Geburtstag der Geschädigten, eine Woche vor der Tat, könnte den Ausschlag gegeben haben, dass der Vogtländer das Gefühl der Kränkung nicht mehr los wurde und schließlich aus Enttäuschung, Eifersucht und Rache den Entschluss zur Tat fasste.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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