Erdbeben: Erwacht hier ein Vulkan?

Wissenschaftler starten Bohrungen zu den Schwarmbeben im Dreiländereck. Sie wollen damit eine spannende Frage klären.

Landwüst/Bad Brambach.

Beim jüngsten Erdbebenschwarm war es bei vielen Menschen im oberen Vogtland wieder da, dieses unbestimmte Gefühl und die Frage: Schon wieder?! Wissenschaftler vom Deutschen Geo-Forschungszentrum in Potsdam bestätigen jetzt die Wahrnehmung von Einwohnern. "Wir registrieren eine zunehmende Aktivität", sagt Erdbebenforscher Torsten Dahm. "Die Schwärme werden stärker und auch die Zyklen verkleinern sich." Das heißt, die Erde bebt tatsächlich öfter, zuletzt erst voriges Jahr. Der aktuelle Schwarm vom Frühjahr 2018 umfasste mehr als 1000 Beben, etwa jedes zehnte lag im spürbaren Bereich. Viele erreichten auch das sächsische Vogtland. Dahm, Sektionsleiter der Erdbeben- und Vulkanphysik, leitet mit seinem Team eine These ab, die Wissenschaftler international aufhorchen lässt: "Wir glauben, dass wir einen erwachenden Vulkan beobachten", sagt er. Vieles spreche dafür, dass sich unter dem Eger- becken ein Magmareservoir füllt.

Um den Vorgängen in der Tiefe auf den Grund zu gehen, starten die Wissenschaftler eine neue Forschungsreihe, bei der mehrere Bohrungen im Dreiländereck zwischen Böhmen, Bayern und auch auf sächsischer Seite geplant sind - im Vogtland entweder bei Landwüst oder bei Rohrbach, einem Ortsteil von Bad Brambach. Genehmigungsverfahren und Absprachen laufen. "Wir hoffen, noch dieses Jahr dort zu Gange zu sein", sagt Dahm. Sein Team fasst mehr als ein Dutzend Wissenschaftler - aus Deutschland, Tschechien, den USA und England. Dabei stört es sie nicht, dass inzwischen wieder Ruhe eingekehrt ist. "Wir wollen mehr darüber herausfinden, was sich in der Zeit zwischen zwei Schwärmen abspielt", sagt Dahm.

Die Bohrungen führen bis in 400 Meter Tiefe. Dort werden zusätzliche Sensoren zum vorhandenen Seismografen-Netz gesetzt. "Dadurch haben wir die Chance, schwache Mikrobeben zu registrieren und einfach besser und tiefer lauschen zu können", erklärt Dahm. Das International Continental Scientific Drilling Program, eine Organisation zur Förderung und Unterstützung der Geowissenschaften, bezuschusst ein solches Projekt mit einer Million Euro. Das internationale Interesse am Vogtland auf dem Gebiet ist groß. Das Phänomen besteht darin, dass in der Region regelmäßig Schwarmbeben auftreten - aber ohne aktiven Vulkanismus.

Noch. Die wachsende Intensität beobachten Forscher in einem Zeitfenster von 30 Jahren - für die Geophysik nicht einmal ein Wimpernschlag. "Da es sich eigentlich um sehr langsame Prozesse handelt, ist das wirklich eine relativ kurze Zeit", sagt Dahm. 1985 war das bislang stärkste Beben in der Region gemessen worden, Stärke 4,6. Die Epizentren liegen auf tschechischer Seite, etwa nahe Novy Kostel, kilometertief in der Erde. "Wir registrieren aber auch, dass die Aktivitäten Richtung Klingenthal wachsen", berichtet Dahm. Seit 1997 sei das so. Auch das spreche für seine These. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir nehmen an, dass Schwarmbeben nicht stärker als 5,0 werden können. Einfach aus dem Grund, weil es bislang keine stärkeren gab." Der Geophysiker will keine Ängste schüren, lieber von Geothermie, Mineralbrunnen und Thermalbädern sprechen: "Man sollte unbedingt die Chancen für eine Region sehen."

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