Erinnerung an einen Meister

Mit einem Konzert gedachten am Samstag Musiker, Freunde und Kollegen des im November vergangenen Jahres verstorbenen Erlbacher Gitarrenbaumeisters Eberhard Kreul.

Markneukirchen.

Dass ein berühmter Komponisten oder Musiker anlässlich seines Geburts- oder Todesjahres geehrt und sich seiner erinnert wird, das ist nichts Ungewöhnliches. Bei jenen, die zumeist im Hintergrund stehen und standen, den Meistern ihrer Instrumente, ist das eher selten der Fall.

Wie sehr der Erlbacher Eberhard Kreul (1937-2018) mehr wirkte und tiefere Spuren hinterlassen - nicht nur als ein Gitarrenbauer, das war am Samstag in der Merzvilla Markneukirchen zu erleben. Ihm zu Ehren und zum Gedenken versammelten sich langjährige Weggefährten, Musiker, Freunde, Studenten zu einem besonderen Konzert.


"Das war uns ein Bedürfnis, es zu organisieren", sagte Professor Joachim Villwock aus Berlin. "Wer Eberhard Kreul kannte, der schätzte ihn nicht nur wegen seines fachlichen Könnens, sondern vor allem auch wegen der Herzlichkeit, die er ausstrahlte. Die Stunden mit ihm in seiner Werkstatt, die Gespräche werden mir für immer im Gedächtnis bleiben. Es waren wunderbare Momente. Eberhard war mir ein guter Freund."

Viele Worte fielen nicht bei dem Konzert, sie hätten zu dem zurückhaltenden Eberhard Kreul auch nicht gepasst. Der Österreicher Janez Gregorič, der Schotte Ian Melrose und der Ungar Pál Paulikovics ließen seine Instrumente sprechen. Instrumente, gebaut vom Meister nach ihren Wünschen, mit all seinem Wissen, seinen Erfahrungen, mit seinem handwerklichen Geschick. Werke von Komponisten erklangen, die auch Eberhard Kreul als Musikfreund sehr am Herzen lagen: Johann Sebastian Bach, Isaac Albéniz und Abel Carlevaro.

Letzteren, Gitarrenlegende aus Uruguay, verband mit Eberhard Kreul eine besondere Freundschaft. Beide waren die Begründer des Festivals "Gitarre und Natur", das Erlbach und den Musikwinkel deutschlandweit und auch international zu einem Begriff gemacht hat.

"Ich habe noch nie einen Gitarrenbauer kennengelernt, der so sehr seinen Gitarren entspricht. Er ist ein Original", sagte Eduardo Fernandez, der von 2003 bis 2017 das internationale Gitarrenfestival "Gitarre und Natur - Abel Carlevaro" leitete.

Janez Gregorič, Ian Melrose und Pál Paulikovics gehörten zu jenen renommierten Künstlern, die als Dozenten immer wieder nach Erlbach kamen und hier Konzerte gaben. Gregorič drückte es so aus: "Das Festival, Abel Carlevaro und Eberhard Kreul waren sehr wichtig und haben mich geprägt." (mit tm)


Buch über Eberhard Kreul

2007, zum 70. Geburtstag von Eberhard Kreul, hatte der Berliner Professor Joachim Villwock die Idee für ein Buch. 2012 lag "Ein Meilenstein im Gitarrenbau - Berichte zu Eberhard Kreul" vor. Darin kommen drei Dutzend Freunde und Bekannte zu Wort - von Ron Kempees und Leon Frijns aus Niederlanden, über Aldo Lagrutta (Venezuela), Sandro Bagazzini (Italien) bis hin zu Peter Finger oder Axel Reitel. Ihre Geschichten zeichnen dasBild eines Mannes aus Erlbach, auf den die internationale Gitarrenszene geschaut hat. Dass Eberhard Kreul außerdem Fußballfan war und ein Anhänger des Wintersport, darüber erzählen der Erlbacher Eberhard Schleinitz und "Freie Presse"-Redakteur Thorald Meisel. (eso)

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