Erlbach vier Tage in Feierstimmung

Trotz Wetterkapriolen: Die 309. Kirwe machte ihrem Ruf einmal mehr alle Ehre und lockte massenhaft Besucher.

Erlbach.

Der Himmel weinte am Samstagvormittag bitterlich. Pessimisten schwante Arges zumindest für den Rest des Tages, was sich aber zum Glück nicht bewahrheitete. Optimisten deuteten das anfängliche Nass als Freudentränen, sahen sich gestern durch das herbstliche Prachtwetter bestätigt: Endlich wieder Kirwe nach 361 Tagen Durststrecke, was auch in der Kirwe-Hymne entsprechend besungen wird.

Aus nah und fern strömten Menschenmassen nach Erlbach zum selbst ernannten weltweit größten Volksspektakel nach dem Karneval in Rio de Janeiro und dem Oktoberfest in München. Das befürchtete Verkehrschaos wegen der Baustelle B 283 blieb aus, auch weil die Firma VSTR diese zumindest für Busse freigab. Einzig die Parkplatzsituation war das Wochenende über etwas angespannt. Nichtsdestotrotz wurde die Kirwe ihrem Ruf wieder gerecht.

Vieles wie die Stellplätze der Händler glich denen in Vorjahren. Auch das Anzapfen des Freibierfasses Kirwe-Bock zum Auftakt ist eine beliebte Zeremonie, zumal Ortsvorsteher André Worbs (Freie Wähler) unter Beifall nur einen Hammerschlag brauchte, bevor er mit dem Braumeister Stefan Weiske den 7,5-prozentigen, zum Teil mit Erlbacher Hopfen gebrauten Goldtropfen ausschenkte.

Manches aber war diesmal anders. So wurde nach Jahren der Ruhe das magische Dreieck Wintersportverein-Feuerwehr-Brauhaus wiederbelebt - die witzigen Spielbälle flogen hin und her. Neu als Leihgabe von der Vogtland-Kultur GmbH auch die Bühne, auf der Sänger und Bands für Stimmung pur sorgten.

Zum Gelingen der Erlbacher Kirwe tragen viele Helfer bei. Stellvertretend für die große Schar seien einige hier vorgestellt:

Kathrin Hoyer, Organisatorin: Jene vielen Helfer, die an den Versorgungsständen stehen oder ein Mikrofon in der Hand halten, sind bei der Kirwe nicht zu übersehen oder zu überhören. Ganz anders Katrin Hoyer. Für sie als Leiterin des Tourismusbüros war die 2019er Kirwe eine Premiere und sie eine Heinzelfrau, die am liebsten im Hintergrund arbeitet und selbst davon kein großes Aufheben macht. Bei ihr liefen die Fäden der Vorbereitung und das schon seit Monaten. "Ich hatte vor allem mit der Bindung von Händlern und Schaustellern zu tun, mit der Standortplanung und dass am Wochenende alle zufrieden sind." Wie sehr sie das waren, bestätigten der einhellige Tenor und das Lob: Das Mädel ist Gold wert.

Frank Weiske, T-Shirt-Sprücheklopfer: Was nach der Wende nur als Marketinggag gedacht war, ist zum Sammel- und Kultobjekt geworden. Nicht zuletzt dank Frank Weiske, der sich "irgendwann, bei allen möglichen Gelegenheiten" einen Spruch für die T-Shirt-Rückseite einfallen lässt. Die kreativen Slogans reichen beispielsweise von "Oktoberfest in Erlboch - is es dou e Wunner, wenn alle schreie: Die Kirwe ist unner!" und "Vier Doch im Oktober, ihr wisst ja Bescheid, dou wird ned gärwert, dou ist Kirwezeit" bis hin zu "Oktoberfest München ... wos is'n des? Karneval in Rio ... wos is'n des? Erlbacher Kirwe ... des is a wos!". In diesem Jahr genügte ein Wort in puncto Wetter, Umsatz und Stimmung: "Läuft!".

Eckhard Künzel, Korso-Traktorist: Als vor acht Jahren Klaus Herold noch Bürgermeister von Erlbach war, hatte Eckhard Künzel bei einer Versammlung des Tourismusvereins die Idee, mit seinem Traktor das Freibierfass zum Lindenplatz zu fahren. Gedacht, getan. Seitdem hat er schon Tage zuvor zu tun, um seinen Deutz Baujahr 1964 zur Kirwe auf Vordermann zu bringen, weil: "Ich komme aus der aus der Nummer nicht mehr raus." Seit drei Jahren kutschiert er nicht mehr nur das Fass, sondern auch den Markneukirchener Bürgermeister Andreas Rubner und Vertreter von Vereinen. 2018 wäre das fast in die Hose gegangen: Kurz vor der Abfahrt musste noch ein Rad gewechselt werden.

Heike Hammerschmidt, Schaustellerin: Der Familienclan aus Plauen ist seit gut 70 Jahren eine Institution auf der Erlbacher Kirwe. Heike Hammerschmidt gehört zu jenen, die die Fahne hochhalten und die Tradition ihres Vaters Karl fortsetzen. Im vergangenen Jahr wurde die Reitschule auf dem Lindenplatz von den Kindern schmerzlich vermisst, am Wochenende dreht sie sich wieder und war ständig umlagert. "Die Kirwe ist für uns ein Muss, sie gehört in unseren Jahreskalender. Wir haben hier schon alles erlebt: Regen, Spätsommerwetter, auch Frost und ein paar Zentimeter Schnee. Aber trotzdem kommen wir immer wieder gerne her, weil die Stimmung und der Umsatz stimmen, egal wie das Wetter ist."

Heiko Martin, Flammkuchenbäcker: Der Ofen heißt Egon und ist in die Jahre gekommen, denn das "n" ist abgeschubbert. Trotzdem ist das Ego zutreffend, weil der Ofen auf der Kirwe etwas Besonderes ist, seit er 1998 das erste Mal angeschürt wurde. Ofenmeister ist Heiko "Backsau" Martin. Er sorgt für richtige Temperatur, damit der Flammkuchen gelingt, der auf Egon gebacken wird. Die aus dem Elsass stammende Spezialität hat durch Verwandte von Hans Geilert den Weg nach Erlbach gefunden. Das Rezept für den Kirwe-Renner: Sauerteig dünn ausgerollt, mit Schmand, Schinkenspeckwürfeln und Zwiebelstückchen belegt. Variante für süße Leckermäuler: Apfelmus, Zimt, Zucker, ein Schuss Calvados.

Am heutigen Montag steigt der finale Gipfelpunkt der vier harten Tage im Alten Schloss beim Frühschoppen mit den Original Schwarzbachmusikanten.

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