Erlbacher brauen Bier mit eigenem Hopfen

Seit 1563 gibt es das Brauhaus in Erlbach. Dessen Bockbier zur Kirwe am dritten Oktober-Wochenende ist inzwischen Kult. Für die diesjährige Ausgabe will Braumeister Stefan Weiske einen besonderen Kick bieten.

Erlbach.

Stefan Weiske ist leider einige Zentimeter zu klein gewachsen. Er muss sich mächtig strecken, um an die knallgrünen Blüten heranzureichen. Sie wachsen nur an den weiblichen Pflanzen. Vorsichtig zupft Stefan Weiske eine Blüte ab, bricht sie auseinander, schnuppert daran und ist zufrieden: "Wunderbar, sehr würzig. Das gibt einen guten Trunk." Damit meint er das Bockbier, das er eigens für die Erlbacher Kirwe am dritten Wochenende im Oktober braut und das zurzeit in einem riesigen Kessel reift. "Das wird der beste Bock im Universum", ist sich Stefan Weiske sicher, aber das ist er in jedem Jahr.

Normalerweise bezieht der Erlbacher Braumeister seinen Hopfen von auswärts, speziell aus der Hallertau in Bayern, dem weltweit größten Anbaugebiet für Hopfen. "Vor ein paar Jahren kam mein Opa Hans Geilert auf die Idee, wir könnten doch auch mal versuchen, bei uns am Haus Hopfen zu ziehen. Als Verzierung, weil es doch zu einem Brauhaus passt." Wie sehr es passt und dem Haus einen besonderen Pfiff gibt, können die Gäste sehen. Er rankt sich über dem Eingang entlang, wächst pro Tag bis zu einem halben Meter. Weil Hopfen nicht sonderlich anspruchsvoll ist, hat ihm die Trockenheit dieses Sommers auch nichts ausgemacht. Doch allein beim Hausschmuck sollte es nicht bleiben: Warum nicht den Hopfen auch zum Brauen des hauseigenen Bieres verwenden? "Für einen Hektoliter Bier braucht man ungefähr 800 Gramm Hopfen. Unsere Ernte reicht für die angesetzten fünf Hektoliter aber nicht aus. Deshalb müssen wir zukaufen." Unbestritten aber - man wird es in vier Wochen schmecken können - ist, dass der Erlbacher Hopfen dem Erlbacher Kirwe-Bock geschmacklich einen zusätzlichen Kick gibt. Schließlich haben die Pflanzen die Kraft der vogtländischen Erde in sich aufgenommen und an die Blüten weitergegeben.

Nicht nur wegen des eigenen Hopfens können Stefan Weiske und sein Erlbacher Brauhaus für sich in Anspruch nehmen, etwas Besonderes zu sein: erstens nämlich, dass es das südlichste in Sachsen ist, und zweitens, dass dort bereits seit 1563 Bier gebraut wird. Eine wechselvolle Geschichte, die vorerst 1974 endete. 1990 kaufte Hans Geilert das Haus, baute es um und aus, 1999 begann ein neues Kapitel in der Geschichte. Heute hat sein Enkel Stefan Weiske die Geschicke in der Hand. "2004 haben wir etwas Neues wieder begonnen, was es im Brauhaus auch schon früher gab. Obergäriges Weizenbier wurde bei uns in der Region auch in der Vergangenheit schon gebraut, aber meistens war das ein Malzbier. Weil der Bedarf und die Nachfrage nach Hefeweizen jedoch gestiegen ist, haben wir uns gedacht: Versuchen wir es doch auch einfach mal. Wir brauen unser Bier selbst, also warum sollte das beim Hefeweizen anders sein", fragt Stefan Weiske.

Hans Geilert und sein Nachfolger Stefan Weiske können nicht nur auf das Erlbräu-Weizen stolz sein. Mit dem Brauhaus haben sie es geschafft, in den Führer "Bierkultur und Gastlichkeit - gern Gast sein im Brauereigasthof & Hotel" aufgenommen zu werden. Dafür wurden notwendige Kriterien als Voraussetzung erfüllt: Besitzer, Brauer und Wirt müssen ein und dieselbe Person sein, außerdem darf keine große Brauerei im Hintergrund aktiv sein.

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