Flößer-Nachwuchs steht bereit

Mit Schauvorführungen und vielen Gästen haben die Muldenberger am Samstag den 425. Jahrestag der Ersterwähnung ihres Dorfes gefeiert.

Muldenberg.

Das Himmelfahrtswochenende stand für Muldenberg dieses Jahr im Zeichen zweier Feierlichkeiten: Auf das obligatorische Flößerfest am Donnerstag folgte zwei Tage später die 425-Jahr-Feier. In beiden Fällen wurde an die Geschichte erinnert und Tradition gepflegt. Flößer, Pechsieder, Köhler, Stellmacher, Spinner, ein Schmied und andere Handwerker ließen sich über die Schulter schauen. Daneben kamen Freunde des Schnitzens mit Kettensägen auf ihre Kosten. Am Samstag übte sich die Jugendfeuerwehr im Löschen einer kleinen Pappschule. Musik, Tanz, Infostände und ein Feuerwerk machten die Geburtstagsfeier rund.

In den von der Gemeinde Grünbach, Vereinen und Privatleuten organisierten Jubiläumstag stieg der staatlich anerkannte Erholungsort mit einer Flößerwanderung ein. Dem alten Gewerke kommt mit Abstand die meiste Bedeutung zu, und der Scheitholztransport auf Gewässern hat wie kein anderes Handwerk den Ort geprägt.

Mit der Geschichte des Flößens hatten sich die Muldenberger im Hinblick auf die 400 Jahr-Feier besonders intensiv beschäftigt. 1992 gab es das erste Schauflößen, das ein Voller Erfolg wurde. 1993 gründet sich unter Vorsitz von Bernd Kramer der Vogtländische Flößerverein.

Muldenberg trägt den Titel "1. Deutsches Flößerdorf", hat einen Flößerverein, außerdem optimale Bedingungen für die heute hobbymäßige Ausübung jener Tradition. "Die ersten Siedler waren Flößer, und die Gräben sind noch original von damals", berichtete Vizevereinschef Jürgen Görner. "Im Wald haben sie das Holz geschlagen und zwischendurch Holzkohlemeiler gebaut. Deshalb pflegen wir auch diese Tradition."

Eine Woche lang rauchte der vom Verein angelegte Meiler. Pünktlich zu Festbeginn war die frische Holzkohle in geschätzte 170 Säcke verpackt und verkaufsfertig.

Obwohl dem Muldenberger verein auch Frauen angehören, war Schauflößen wie üblich Männersache. "Das ist eine ziemliche körperliche Anstrengung", erklärte Jürgen Görner. Und es war sicherlich auch Tradition. Auf diese Weise reiste Holz aus vogtländischen Wäldern im 16. und 17. Jahrhundert die Mulde und Weiße Elster hinauf bis in die Leipziger Tiefebene. Als Hauptabnehmer sind die Städte Leipzig und Halle überliefert. Geflößt wurde laut Görner zufolge vor allem im Frühjahr. "Weil der Wasserstand nach der Schneeschmelze am höchsten war." Nach dem Anschluss der Region 1875 an das Eisenbahnnetz erfolgte der Umstieg auf Schiene.

Mit seinen knapp 200 Einwohnern hat Muldenberg zwei Bahnstationen, eine ist noch in Betrieb. Außerdem eine Talsperre und vier Gaststätten. "Das ist schon erstaunlich", sagte Görner. "Weil wir viele Dinge haben, mit denen wir punkten können: die Natur, eine Talsperre, Wanderwege und die Anbindung an die Kammloipe." (mit tm)

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