Florian Merz hält zwei Schulstunden

Premiere gestern Mittag am Julius-Mosen-Gymnasium Oelsnitz: Bad Elsters Generalmusikdirektor hält Unterricht - viele Worte für anderthalb Stunden.

Oelsnitz.

Das Leben schlägt oft krumme Bahnen und bietet unerwartete Abzweigungen: Als Bad Elsters Generalmusikdirektor Florian Merz so alt war wie die Schüler am Julius-Mosen-Gymnasium Oelsnitz, hatte er mit Musik nix am Hut. Vielmehr jagte der Düsseldorfer täglich mit Begeisterung dem Puck nach. Für das Training gab es unterrichtsfrei - mit einer Bedingung: Merz musste in einen Kurs mit Kunst und Musik. Da zündete es. Er hörte Opern, sah, wie sie dirigiert wurden - wollte das auch, aber besser: Merz schnappte sich eine Stricknadel seiner Mutter und Isolierband von seinem Eishockey-Schläger, fertig war der erste Dirigentenstab. Erstes Orchester mit 15 in Düsseldorf, Studium in Wien, mit 24 jüngster Chefdirigent Deutschlands in Bad Elster - so war das, erzählte der heute 51-Jährige über seinen Weg zur Musik.

Erzählt hat das Florian Merz Zwölftklässlern, die in der Mosens Brass Band spielen. Gestern gab es erstmals eine Doppelstunde Unterricht vom Musikpraktiker Merz - genau nach dem Geschmack von Musiklehrer Ralf Fengler. "Es war schon lange mein Ziel, externe Leute herzuholen, damit die erzählen, was der Musikbetrieb für Anforderungen mit sich bringt", betont Fengler.

Merz sah es als eine hübsche Aufgabe, zu erzählen, welche Zutaten zu einem Symphoniekonzert gehören, welches Symbol sich mit welchem Instrument verbindet und was es braucht, um Dirigent, Intendant oder Geschäftsführer zu werden. Für Merz nicht die erste selbst gehaltene Unterrichtsstunde - an die letzten vor Jahrzehnten in Mönchengladbach hat er keine so guten Erinnerungen. Damit es gestern nicht gegen den Baum lief, legte sich Merz ins Zeug, machte viele Worte, ohne in einen Monolog zu verfallen - denn das Gastspiel gestern war zugleich die praktische Einführung in den Abend, den die Musikschüler heute besuchen: das Symphoniekonzert im König-Albert-Theater.

Merz regte an, jeder solle beim Musikhören seinen eigenen Film ablaufen lassen. Und neugierig bleiben. Das ist Merz auch nach 36 Jahren als Dirigent, sagt er. "Und ich bin immer nervös. In der Schule war ich nicht fleißig, als Musiker bin ich ein Streber. Ich schwitze auf der Bühne nicht wegen der Anstrengung, sondern wegen meiner Aufregung, ob auch das gelingt, was ich will."

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