Frischzellenkur für das Dr. Giers-Haus

2020 begeht Sachsen das Jahr der Industriekultur. Mit dem Blick darauf wird auch das Klingenthaler Musik- und Wintersportmuseum erweitert.

Klingenthal.

Rund 20.000 Objekte, darunter rund 1500 Instrumente, umfasst die Sammlung des 1995 eröffneten Musik- und Wintersportmuseums Dr. Giers-Haus. Drei Werkstätten von Bassmachern, Geigenbauern und Skiherstellern sind in der Ausstellung zu sehen. Das Magazin platzt fast aus den Nähten. Nun soll die Ausstellungsfläche laut Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) um rund 120 Quadratmeter erweitert werden. Außerdem sind Arbeiten zur Wärmedämmung im Gebäude und zur Gestaltung der Fassade vorgesehen.

Mit Blick auf das 2020 in Sachsen anstehende Jahr der Industriekultur unterstützt der Freistaat das Klingenthaler Vorhaben mit fast 82.000 Euro aus dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie mit 20.000 Euro vom Kulturraum Vogtland-Zwickau. Entsprechende Fördermittel-Bescheide übergaben gestern Staatssekretär Uwe Gaul und Landrat Rolf Keil (CDU). Die nötigen Eigenmittel in Höhe von rund 62.000 Euro finanziert Klingenthal aus dem Nachlass von Malermeister Kern (1937-2006). Das hatte der Stadtrat bereits im Oktober vergangenen Jahres beschlossen.

Mit dem Musikinstrumentenbau und dem Skisport, so hob Museumsleiterin Xenia Brunner hervor, werden im Museum zwei Herzen bewahrt, die für den Namen Klingenthal stehen. "Der Stadtrat unterstützt die Erweiterung des Klingenthaler Museums", bekräftigte Peter Vodel (Freie Wähler). "Wir haben für die Zukunft noch viele Ideen", zeigte Manfred Gäbler auf, der Vorsitzende des Museumsvereins.

Landrat Keil als stellvertretender Vorsitzender des Kulturraums Vogtland-Zwickau verwies darauf, dass die Erweiterung des Museums zu den mehr als 50 Projekten gehört, die in diesem Jahr unterstützt werden. Dazu stehen rund 19,8 Millionen Euro zur Verfügung, wobei der größte Posten auf das Theater Plauen-Zwickau entfällt. "Die Kulturraumförderung ist in Deutschland einmalig", betonte Keil.


Kommentar: Debattesteht an

Als 1986 Heinz Eichelberger und Hans Heinig in Zwota mit einer Heimatstube im Ludwig-Haus den Grundstein für eine kleine Ausstellung zur Klingenthaler Harmonikaindustrie legten, kaufte das Land Baden-Württemberg in Trossingen der Firma Hohner für acht Millionen Mark das Archiv, die Instrumentensammlung und eine Immobilie ab - zum einen, um das Unternehmen zu sanieren, zum anderen, um ein Museum aufzubauen. Entstanden ist das Deutsche Harmonikamuseum, das auch viele Exponate aus Klingenthal und Zwota besitzt. Im Vogtland, dem älteren der beiden Harmonika-Standorte, wurden bei der Traditionspflege deutlich kleinere Brötchen gebacken. Trotzdem entwickelte sich die Zwotaer Ausstellung zu einem Museum, das seit 2014 zur sächsischen Route der Industriekultur gehört. In Klingenthal gibt es seit 1995 das Musik- und Wintersportmuseum Dr. Giers-Haus, das nun erweitert wird. Seit der Fusion mit Zwota 2013 kann die Stadt ihren Gästen den Besuch in zwei ähnlichen Museen anbieten. Als es vor zwei Jahren erstmals Gespräche über eine gemeinsame Perspektive gab, endeten diese ergebnislos. Aber man braucht kein Prophet sein, um zu ahnen, dass die die Museen bald wieder Diskussionsthema sein werden.

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