Früher Erntestart im Vogtland: Ergebnisse sind durchwachsen

Die Region kommt trotz teils unterdurchschnittlicher Erntemengen bei der Wintergerste vergleichsweise gut weg. Dass es so zeitig losgeht, ist der Trockenheit geschuldet.

Plauen/Waldkirchen.

Für einige landwirtschaftliche Betriebe beginnt in diesem Jahr die Ernte der Wintergerste deutlich früher als in den Vorjahren. Auch wenn es noch keine konkreten Zahlen gibt, zeichnet sich ab, dass Menge und Qualität in der Region stark schwanken. Letztendlich sind die vogtländischen Bauern froh, dass sie überhaupt etwas ernten können.

"Im Vergleich zu Nordsachsen sind wir im Vogtland gut weggekommen", schätzt Jana Brückner ein. Sie ist Pflanzenbauberaterin in der Plauener Informations- und Servicestelle des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie. Wassermangel habe der Wintergerste hier nicht so stark zugesetzt wie anderenorts. Weiter nördlich habe es teilweise so wenig geregnet, dass von Missernten und Ernteausfällen die Rede ist.

Jana Brückner zufolge ernten die vogtländischen Bauern ihre Wintergerste 14 Tage eher als üblich. Die Agrargenossenschaft Großzöbern, ein Bio-Betrieb, ist als einer der ersten mit dem Mähdrescher rausgefahren. "Wir bauen auch Gras zur Vermehrung an. Das wird mit gedroschen. Damit haben wir Sonntag begonnen. Von der Wintergerste haben wir ungefähr die Hälfte geerntet", sagt Geschäftsführer Dirk Rudert. Die Landwirte aus Großzöbern vermarkten Wintergerste als sogenannte Schälgerste für den Lebensmittelhandel. "Das ist die Gerste, die es dann als Gräupchen zu kaufen gibt", erklärt Rudert. Außerdem nutzt der Betrieb einen Teil seiner Wintergerste-Flächen zur Saatgutvermehrung. Ein weiterer Teil bleibt als Tierfutter im Betrieb.

Auch die Marienhöher Milchproduktion Agro Waldkirchen GmbH hat am Dienstag ihre beiden Mähdrescher startklar gemacht und zum Probedrusch rausgeschickt. Normalerweise reicht es, vorher mit dem Feuchtemessgerät raus aufs Feld zu gehen, ein paar Körner zu zerreiben und die Feuchtigkeit des Getreides zu messen, beschreibt Geschäftsführer Heiko Hölzel die Vorgehensweise. Liegt die Feuchte im Getreide bei 15 Prozent oder darunter, kann es losgehen. Aber so einfach ist das dieses Jahr nicht. "Selbst innerhalb einer Fläche ist die Feuchtigkeit sehr unterschiedlich. Wir haben deshalb einen Hänger voll gedroschen, um eine Mischprobe zu nehmen", berichtet Hölzel. Die Fläche bei Schönbrunn sei ausreichend reif und trocken gewesen. "Abe am Pilz in Lengenfeld müssen wir noch ein paar Tage warten", so Hölzel.

Für die insgesamt 90 Hektar Wintergerste braucht der Betrieb mit zwei Mähdreschern etwa drei Tage. "Danach ist kurz Pause. Der Raps ist noch nicht so weit." Inzwischen wird das Stroh geborgen und auf abgeernteten Flächen eine Zwischenfrucht eingesät. Das Gerstenstroh will der Betrieb komplett ernten. "Es gibt dieses Jahr nicht viel Stroh, die Vorräte vom Vorjahr sind fast aufgebraucht", sagt Hölzel. Die Erntemenge sei standortabhängig. In der Marienhöhe schwankt sie zwischen 5000 und 8000 Tonnen pro Hektar.

Auch in der Agrargenossenschaft Reichenbach rückten am Dienstag die Mähdrescher aus. "Da wir die Wintergerste verfüttern, spielt die Qualität nicht die große Rolle", sagt Geschäftsführer Lars Bittermann. Kühe fressen auch kleine Körner, aber: "Trotzdem haben wir den Anspruch, hohe Erträge zu erzielen."

Nicht so richtig zufriedenstellend war für Steffen Luderer, Geschäftsführer der Milchgut Triebtal GmbH, der erste Druschtag am Dienstag. "30 Prozent weniger als üblich haben wir geerntet. Es war einfach zu trocken." Er hofft nun, wenigstens auf den anderen Standorten höhere Erträge einzufahren.

Einige Betriebe melden ihre Ernteergebnisse dem Regionalbauernverband Vogtland. Der dürfte in etwa drei Wochen erste Zahlen zur diesjährigen Ernte vorlegen können.

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