Früherer Top-Turner feiert seinen 80. Geburtstag

Der einstige Klingenthaler Werner Dölling begeht am Sonntag einen runden Geburtstag. Für die Stadt hat er ein Stück Sportgeschichte geschrieben.

Klingenthal/Potsdam.

Seinen 80. Geburtstag kann am Sonntag in Potsdam Werner Dölling feiern. Der Jubilar kann für sich in Anspruch nehmen, der einzige Klingenthaler zu sein, der bislang eine Weltmeisterschaftsmedaille im Turnen gewinnen konnte: 1966 holte er mit der DDR-Mannschaft in der Dortmund Westfalenhalle Bronze.

Die Grundlagen für die erfolgreiche Laufbahn hatte sich Werner Dölling als junger Mann bei Erdmann Röder geholt. Er war 1963 DDR-Meister am Seitenpferd, 1965 am Barren und 1966 am Reck, er holte zudem bei nationalen Titelkämpfen vier Silber- und sieben Bronzemedaillen. Eine Verletzung beim Freizeitfußball brachte den Klingenthaler 1964 um die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio (Japan).

Die "Sachsenberger Turnschule" von Erdmann Röder war über Jahrzehnte legendär, ist aber heute fast vergessen. Zu Unrecht, denn aus ihr hervor gingen unter anderem Werner Pöhland, der Trainer von Karin Janz, der Olympiasiegerin am Stufenbarren 1972 in München, oder Lisa Reich, die als Trainerin in Algerien und Mosambik tätig war.

"Erdmann Röder hat in uns den Grundstein gelegt, er hat uns die Freude am Turnen beigebracht, und er hat uns die Charakterstärke aufgebaut, die bis zum heutigen Tag anhält", schrieb Lisa Reich für das "Kleine Klingenthaler Turnerbuch", das Johannes Grimm 2007 ver- öffentlicht hatte.

Der 80. Geburtstag von Werner Dölling fällt mit einem zweiten Jubiläum zusammen. Als er im Juni 1940 geboren wurden, jährte sich die Gründung des Klingenthaler Turnvereins zum 80. Mal. Dass daraus 1873 die Turner-Feuerwehr als Vorläufer der heutigen Freiwilligen Feuerwehr hervorgehen sollte, ist dabei nur eine der vielen Geschichten, die mit dem nunmehr 160. Turner-Jubiläum verbunden sind. Das kulturelle Leben wurde vom Gesangsverein gepflegt, für die Vereinsmitglieder gab es sogar eine Privatsparkasse.

Es war keine Ausnahme, dass mit Ernst Leiterd ein Fabrikant der Klingenthaler Musikindustrie der erste Vorsitzende des Vereins war. Ihm folgten unter anderem Ernst Hess, Max Gündel oder Carl Wilhelm Meinel. Turnwart war beispielsweise der Kaufmann Ottomar Max Prohaska, dessen Nachkommen noch heute in Klingenthal ein Geschäft an der Ecke Auerbacher Straße/Kreuzstraße führen.

Schon 1863 waren die Klingenthaler mit 12 Mann beim 3. Deutschen Turnfest in Leipzig vertreten, im gleichen Jahr holten August Köhler (Barren), Bernhard Gerbeth (Reck) und Ernst Riedel (Laufen) beim Turn- und Sportfest in der heutigen Partnerstadt Graslitz/Kraslice die ersten Siege. 1898 waren mit Kurt Hirche, Wilhelm Drexler und Ernst Riedel drei Klingenthaler beim Deutschen Turnfest in Hamburg am Start.

Einer der erfolgreichsten Klingenthaler Turner war Moritz Schunk, der in den 1920er Jahren zehn Siege als Sachsenmeister holte, und 1923 beim Deutschen Turnfest in München im 12-Kampf Platz vier belegte. Und nicht vergessen werden darf auch Paul Gebhardt, der 1991 mit 84 Jahren als Altersturner noch einmal den Titel eines Sachsenmeisters gewann. Seither hat es kein Klingenthaler Turner mehr zu großen Ehren geschafft.

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