Gebürtige Hanseatin taucht in die Geschichte des Musikwinkels ein

Friederike Philipson hat ihre Abschlussarbeit an der Merzvilla über den Markneukirchener Instrumentenmacher Hans-Hennig Jordan geschrieben. Eine spannende Zeitreise für die 36-Jährige.

Markneukirchen.

Oje, eine Prüfung steht bevor: Es gibt Menschen, die allein der Gedanke daran Nächte zuvor nicht schlafen lässt, denen die Stimme zu versagen droht, wenn es darauf ankommt und sie ihre Abschlussarbeit verteidigen müssen. Friederike Philipson sagt von sich selbst: "Ich bin kein Prüfungsmensch." Viel wohler fühlt sich die 36-Jährige, wenn sie in der Werkstatt sitzt und ein Instrument baut: allein, in sich versunken und ganz vertieft in die Arbeit. So wie für den praktischen Abschluss der Ausbildung an der Merzvilla. Sie entschied sich für eine Viola d'amore im Barockstil. Friederike Philipson ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass sie die Prüfung mit Erfolg bestand. Trotzdem dauerte es ein wenig, bis sie nach der Anspannung ihr Lächeln wiederfand.

Diese Gefühle übermannten sie auch nach der erfolgreichen Verteidigung ihrer theoretischen Arbeit zum Thema "Hans-Hennig Jordan (1905-1979) - Biografie eines Markneukirchener Instrumentenmachers". Es ist - wenn man so will - die vorläufige Vollendung ihres Weges aus der Nähe von Hamburg nach Markneukirchen und des Findens ihres Wunschberufes. Obwohl: "Eigentlich begann ich ja mit einem Philosophiestudium in Leipzig. Aber nach einer Weile merkte ich, dass mir das doch nicht liegt. Ich wollte etwas Praktisches machen." Den Kompass dafür fand sie bei einem Geigenbaumeister in der Messestadt. "Dort machte ich ein einjähriges Praktikum und in dieser Zeit wurde mir klar: Instrumentenbau - das ist es." Der Geigenbaumeister André Mähler war es auch, der Friederike Philipson wegen seiner eigenen guten Erfahrungen in der Merzvilla Markneukirchen ermutigte, die Ausbildung hier fortzusetzen. Sie begann 2014 und fand jetzt - wie gesagt - ihren Abschluss.


Neben der Ausbildung arbeitete Friederike Philipson als halbe Stelle im Archiv des Musikinstrumenten-Museums. "Das macht mir Spaß und ich finde es sehr interessant, in die Geschichte einzutauchen." Nicht nur durch die Arbeit im Museum lernte Friederike Philipson Hanna Jordan kennen, die Tochter des Gamben- und Lautenbauers Hans-Hennig Jordan. Er war nicht nur ein Meister seines Fachs, sondern auch von 1949 bis 1954 Leiter des Museums und Begründer der Jugendmusikbewegung in Markneukirchen. Eine überaus interessante und die Musikstadt prägende Person, über die bisher noch nie etwas ausführlich geschrieben und sein Wirken in und für Markneukirchen gewürdigt wurde. Friederike Philipson nahm sich deshalb Hans-Hennig Jordan an, zeichnete sein Leben auf und nach. "Ohne Hanna und die Unterstützung von Enrico Weller wäre das aber nicht möglich gewesen. Ich weiß nicht, wie viele Stunden wir zusammensaßen und Hanna mir von ihrem Vater erzählte. Bei ihr zu Hause gibt es noch die Werkstatt von ihrem Vater. Sie sieht so unverändert aus, als wenn er dort noch immer arbeiten würde. Das finde ich sehr beeindruckend. Ich durfte auch Briefe von ihm lesen und andere persönliche Aufzeichnungen. Je länger ich mich mit Hans-Hennig Jordan beschäftigte, umso mehr habe ich gemerkt, welch ein außergewöhnlicher Mensch er war: handwerklich, fachlich, ruhig, freundlich und immer bescheiden."

Die Abschlussarbeit von Friederike Philipson wird im Archiv der Merzvilla und auch des Musikinstrumenten-Museums aufgenommen. Und wohin führt sie ihr weiterer beruflicher Weg? "Ich bleibe in Markneukirchen, möchte zweigleisig fahren: wie bisher im Museum arbeiten und historische Streichinstrumente bauen und restaurieren."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...