Gefährdete Arten und neue Gäste

Seit 25 Jahren sammeln vogtländische Vogelfreunde Daten und veröffentlichen sie in einem dicken Heft. Der Klimawandel sorgt für Veränderungen.

Klingenthal/Plauen.

Wenn Stephan Ernst aus Klingenthal und Frank Müller aus Plauen Ende Dezember den Jahresbericht vogtländischer Ornithologen in der Hand halten, liegt hinter ihnen wieder ein Mammutprojekt, dem sie sich seit 25 Jahren ehrenamtlich widmen. Der Wälzer ist 168 Seiten dick.

Der Jubiläumsbericht für das Jahr 2019 beinhaltet 8500 Beobachtungen zu 196 Vogelarten, erfasst von 52 Beobachtern. Dabei nehmen die beiden Ornithologen längst nicht jede Beobachtung im Bericht auf. Die Sichtungen zu 53 häufig vorkommenden Vogelarten wie Sperling, Blaumeise, Amsel, Star und Graureiher finden dort keinen Eingang - es sei denn, über eine dieser Arten gibt es Besonderes zu berichten. "Zum Beispiel große Trupps dieser Arten oder Brutkolonien", nennt Ernst Beispiele. Grundsätzlich ist der Jahresbericht seltenen Vogelarten vorbehalten. Bei diesen schauen die Vogelkundler genau hin und schreiben unter anderem die Ankunftsdaten der Zugvögel auf, alle Sichtungen, ihr Brutverhalten und die letzte Beobachtung im Herbst. Über die Jahre haben sich 176.000 Datensätze angesammelt, die alle in digitaler Form vorliegen, aber nicht nur. "Anfangs sammelten die Ornithologen die Daten auf kleinen Karteikarten. Tausende davon habe ich archiviert. Diese Daten reichen bis in die 1950er Jahre zurück", erklärt Ernst, der 1967 die Ornithologie als Hobby entdeckt hat. "Besonders die Falkensteiner Ortsgruppe hatte damals schon eine sehr umfangreiche Datensammlung." Den Datenpool bezeichnet Ernst als "sehr wertvoll".

50 Hefte lassen die Ornithologen mit finanzieller Unterstützung des Landkreises drucken. "Je länger solche Daten gesammelt werden, umso wertvoller sind sie für wissenschaftliche Auswertungen. Rückgänge und Zunahmen einzelner Vogelarten lassen sich so dokumentieren", so Ernst. Zu den wichtigen Erkenntnissen aus 25 Jahren Datensammlung gehören die Folgen des Klimawandels. "24 Zugvogelarten kommen wesentlicher früher hier an, als das noch vor einem viertel Jahrhundert der Fall war. Die Verfrühung der Ankunft beträgt bei einzelnen Vogelarten wie bei die Mönchsgrasmücke oder der Mehlschwalbe bis zu vier Wochen", erklärt Ernst. Viele Publikationen entstanden mit den von den Ornithologen gesammelten Daten, so das 2013 vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie herausgegebene, 625-seitige Buch "Brutvögel in Sachsen".

Dokumentiert haben die Vogelkundler sowohl das Aussterben von Vogelarten als auch Neuansiedlungen. Ernst kann mit Sicherheit sagen, dass sich Rebhuhn, Kiebitz und Bekassine im Vogtland am Rande des Aussterbens befinden. Der Rotmilan dagegen hat sich gut etabliert. 24 Bruten konnten die Ornithologen 2019 nachweisen. Als nicht einheimische Art erregt derzeit die farbenfrohe, aus Afrika stammende, Nilgans die größte Aufmerksamkeit. 17 erfolgreiche Bruten haben die Vogelkundler nachgewiesen. "Wir konnten bisher nicht beobachten, dass die Nilgans einheimische Arten verdrängt. Deshalb sehen wir sie als Bereicherung der heimischen Fauna", erklärt Ernst. Zu bemerkenswerten Beobachtungen gehören vier Bruten des Schwarzstorches, zwei der Schnatterente und vier der Tafelente. Erfolgreich Junge großgezogen haben fünf Paare des Uhus und zwei des Sperlingskauzes.

Um Daten richtig erfassen zu können, ist eine große Artenkenntnis Voraussetzung. So müssen die Ornithologen auch seltene Arten am Gesang identifizieren. "Denn nur gesicherte Daten fließen in den Jahresbericht ein", sagt Ernst.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    0
    Windhose
    02.01.2021

    Meine Hochachtung vor diesen ehrenamtlich tätigen Freizeitforschern!