Oberes Vogtland
Geld soll im Vogtland bleiben: Bürgerstiftungen nehmen Fahrt auf

Immer mehr Kommunen im Vogtland gründen eine Bürgerstiftung. Am Jahresende soll es 22 Stiftungen unter dem Dach der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Vogtland geben. In Oelsnitz wurde jetzt die Urkunde überreicht.

Oelsnitz.

Ist es der Weg aus einem Dilemma? Im Vogtland werden Bürgerstiftungen populär. In einer Zeit, in der viele Hochbetagte ohne Verwandte in der Region leben. Jeder Zehnte hat keine Erben. Zugleich sind die Kassen der Städte und Gemeinden leer. „Wir haben das Ziel, dass das Geld im Vogtland bleibt“, sagt Kai Lederer, Leiter Private Finance Center der Sparkasse Vogtland. Das Stiftungsmodell für gemeinnützige Projekte hat inzwischen 14 Kommunen im Landkreis überzeugt. „Jößnitz ist drüber, Weischlitz will im Herbst starten“, sagte Lederer, als er die Stiftungsurkunde für die Oelsnitzer Bürgerstiftung an OB Mario Horn (CDU) überreichte. Inklusive fünf Privatstiftungen soll es am Jahresende 22 Stiftungen unter dem Dach der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Vogtland geben. Eine Stiftung ist auf Langfristigkeit ausgelegt. Lederer nennt Beispiele aus dem Nürnberger Land: Hier hat sich mancherorts das Stiftungskapital in 20, 30 Jahren auf zehn Millionen Euro summiert. „Bei einer Verzinsung von drei Prozent macht es natürlich als Stiftungsrat Spaß, 300.000 Euro zu verteilen. Da kann man Sachen umsetzen, die man sonst nicht so einfach kann.“

Vogtländer, die etwas vererben, können das mit dem Modell der Bürgerstiftung direkt für gemeinnützige Zwecke in ihrer Heimatstadt einsetzen. Diese reichen von Umwelt- und Tierschutz über Sport und Kultur bis zu Senioren- und Jugendarbeit.
Vogtländer, die etwas vererben, können das mit dem Modell der Bürgerstiftung direkt für gemeinnützige Zwecke in ihrer Heimatstadt einsetzen. Diese reichen von Umwelt- und Tierschutz über Sport und Kultur bis zu Senioren- und Jugendarbeit. Bild: Imago/Blickwinkel

Oelsnitz: Ratsfraktion schiebt Stiftungsidee an

Soweit ist es im Vogtland noch nicht. Erste Ausschüttungen starten, in ersten Testamenten steht die Bürgerstiftung als Begünstigte. Dabei ist zentral, dass immer Bürger entscheiden, was mit ihrem Geld geschieht, betont Buchhändlerin Kathrin Jakob, Vizechefin des Oelsnitzer Stiftungsrates. Ist es eine zweckgebundene Spende oder eine Zustiftung ins Grundkapital? Das startet oft mit 10.000 Euro. Pro Einwohner gibt die Sparkasse 1 Euro. Mancherorts hat sich die Summe schon auf 30.000, 40.000 Euro summiert: Kommunen brachten mehr ein, Elsterberg profitierte von einer Vereinsauflösung. In Oelsnitz kam die Stiftung durch die Ratsfraktion Freie Oelsnitzer Bürgerschaft (FOB) ins Rollen. „Vor einigen Monaten habe ich mit FOB-Chef Björn Fläschendräger überlegt, dass das etwas für Oelsnitz wäre“, so Lederer. Vorteil: Das Modell Bürgerstiftung nimmt Akteuren vor Ort Bürokratie und Rechtsfragen ab. Die waren nicht ohne, weiß Fläschendräger, als er auf Vereinsbasis ein Benefizkonzert für Hochwasseropfer organisierte. Eine Einnahme von mehr als 20.000 Euro: Wie erklärt ein gemeinnütziger Verein das dem Finanzamt? Damals gab es die Stiftung noch nicht. Fläschendräger war froh, dass damals die Aktion „Leser helfen“ der „Freien Presse“ half. Die FOB brachte die Stiftungsidee in den Stadtrat ein, der zustimmte.

In Oelsnitz wurde die Stiftungsurkunde für die Bürgerstiftung übergeben. Ganz links Stadtrat Björn Fläschendräger, der die Stiftung maßgeblich angestoßen hat. Daneben von links die Stiftungsräte Kathrin Jakob, Constanze Süßdorf-Schönstein, Mario Horn, Klaus Schumann und Thomas Lehniger mit Kai Lederer (3. von rechts), Direktor Private Finance Center der Sparkasse Vogtland. Ebenfalls im Stiftungsrat ist Sparkassen-Regionaldirektorin Annett Wunderlich, die zur Übergabe der Urkunde nicht anwesend sein konnte.
In Oelsnitz wurde die Stiftungsurkunde für die Bürgerstiftung übergeben. Ganz links Stadtrat Björn Fläschendräger, der die Stiftung maßgeblich angestoßen hat. Daneben von links die Stiftungsräte Kathrin Jakob, Constanze Süßdorf-Schönstein, Mario Horn, Klaus Schumann und Thomas Lehniger mit Kai Lederer (3. von rechts), Direktor Private Finance Center der Sparkasse Vogtland. Ebenfalls im Stiftungsrat ist Sparkassen-Regionaldirektorin Annett Wunderlich, die zur Übergabe der Urkunde nicht anwesend sein konnte. Bild: Ronny Hager

Traum: Eine Stiftung auch für die Jakobikirche

Nun steht der Stiftungsrat in Oelsnitz. „Es tut Not, dass viele, die sich in Oelsnitz engagieren, an einem Strang ziehen“, sagt Apothekerin Constanze Süßdorf-Schönstein, die Stiftungsratsvorsitzende. Bislang gingen 3825 Euro ein. Die Stiftung ließ 5000 Flyer drucken, finanziert vom Gewerbeverband. Gestartet ist die Aktion 100 Leute, die je 100 Euro spenden und einen Fan generieren. Als Dankeschön gibt es Karten mit Tonherzen, gestaltet von Kindern der Grundschule am Stadion. Hier will die Apothekerin ein erstes Projekt ansiedeln. Gesunde Ernährung, viel Bewegung für die Klassenstufen 1 bis 4 - für 250 Euro pro Klasse im Schuljahr. Im Stadtrat am 17. September will Süßdorf-Schönstein sprechen, die Stiftungsidee per Brief an die Abgeordneten tragen. „Die Stadträte müssen wissen, wo die Säge klemmt.“ Die Träume gehen weiter, verriet Lederer. „Vielleicht kriegen wir ja eine Stiftung für die Jakobikirche oder die Jumi Kinderhilfe hin“, sagte er. Entscheidend sei der Bürgermeister, so der Sparkassen-Mann. Dieser sei in der Position, etwa bei Neujahrsempfängen viel Geld einzusammeln.

Klingenthal und Markneukirchen werden aktiv

Auch andernorts nehmen Bürgerstiftungen Fahrt auf: Schöneck trommelt mit der Aktion, sich bei einer Gabe von 300 Euro namentlich auf der Stiftungsurkunde verewigen zu können. In Klingenthal soll in Kürze die Stiftung in die Spur gebracht werden. Bad Elster läuft. Markneukirchens Bürgerstiftung präsentiert sich ebenfalls am heutigen Dienstag ab 18.30 Uhr zur Marktmusik dem Publikum. (hagr)

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