Geplante Stromtrasse umstritten

2022 soll die Stromautobahn vom Norden in den Süden gebaut werden. Davon betroffen ist auch das Plauener Umland.

Pausa.

Wohlfühlatmosphäre im Pausaer Bürgerhaus "Alte Turnhalle": Mandarinen auf dem Empfangstresen, ein Maltisch für Kinder, eine freundliche Begrüßung für jeden einzelnen Besucher. Und doch spürte so mancher Besucher ein Unbehagen, als der Stromnetzbetreiber 50 Hertz über den Planungsstand zur neuen Stromautobahn, auch Süd-Ost-Link genannt, informierte.

Ein Teil der Trasse soll durch das Vogtland führen - die Resonanz war groß. "Wir freuen uns, dass so viele Leute da sind", sagte Christoph Arnold vom Netzbetreiber. An mehreren Stationen wurde per Tafeln über das Bauvorhaben informiert. Bürger versammelten sich um ein Modell, welches die vom Unternehmen derzeit favorisierte Strecke zeigte: Sie tangiert mehrere Ortsteile der Gemeinde Rosenbach sowie Reuth, Grobau und Straßenreuth.

Das Projekt ist umstritten. Es gibt Befürworter, aber auch Gegner. "Ich halte das ganze Projekt für sinnfrei", sprach Frank Hauenschild aus Oberpirk klare Worte. "Die Energie sollte dort erzeugt werden, wo sie gebraucht wird." Gemeint ist damit, dass die in den Windparks im Norden erzeugte Energie per unterirdischer Leitung über Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Bayern in den Süden des Landes transportiert werden soll. Es sei egal, welche Variante gewählt werde, das sei der zweite Schritt, sagte der Reuther Ortsvorsteher Friedhold Morgner. "Die Frage ist, welchen Sinn macht es überhaupt, solch eine Trasse zu bauen." Das sei der erste Schritt.

Warum nicht in Bayern, wohin der Strom fließen soll, der nötige Strom erzeugt wird, sodass ein Transport unnötig wäre? "Im Norden sind die Windkrafträder erheblich effektiver", sagte Bernhard Segbers, Projektleiter bei 50 Hertz. Dass die Bürger im Vogtland von dem Bauvorhaben nichts haben und es deshalb freilich nicht befürworten, wollte Bernhard Segbers nicht so stehen lassen. "Wir haben ein funktionierendes Energiesystem." Von dessen Sicherheit würden alle profitieren - und dazu solle auch die Trasse beitragen. Und: "Ich glaube, die Belastungen wird überbetont." Es handele sich um Erdkabel.

Doch was ist mit dem Wildkatzenkorridor, an welchem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit Partnern arbeitet? "Das ist bekannt. Es gibt einen klaren Befund von Biologen, dass die Trasse keine Relevanz für die Wildkatzen hat", so Segbers. Man habe unabhängige Biologen beauftragt. "Der Begriff Wildkatzenpfad ist vermenschlicht. Wildkatzen kennen keine Pfade. Dass sie ein Gespür für magnetische Felder haben, halte ich für eine Behauptung." Sei es aber gerade deshalb, wo das Unternehmen dies nicht als erwiesen betrachten könne, sinnvoller, gleich eine andere Variante zu bevorzugen? Etwa an der Autobahn A 9 entlang? Genau dies kritisierten einige Bürger. "Die Trasse könnte dort kerzengerade verlaufen, es wäre der kürzeste Weg", sagte Grünen-Kreisrat Thomas Hohl. "Für meine Begriffe ist das ganze Projekt infrage zu stellen." Warum die Autobahn-Variante gestrichen wurde? "Sie hat sich als unvorteilhaft erwiesen", so Segbers. Wegen eines Gewerbegebietes in Hermsdorf, Wasserschutzgebieten und anderen Komplikationen. Auch wegen Bürgerwiderstandes? "Der Bürgerwiderstand kann keine Rolle spielen." Man habe einen gesetzlichen Auftrag.

Der Rosenbacher Bürgermeister Michael Frisch war indes schon vorher aktiv gewesen. "Ich habe alle Rosenbacher Grundstücksbesitzer an den möglichen Trassenverläufen angeschrieben." Das seien rund 100 gewesen. Das sei brandaktuell. "Bis jetzt habe ich 70 Briefe zurückbekommen." Die Briefe der Grundstücksbesitzer, die den Trassenverlauf der Erdkabel über ihre Fluren ablehnen, will Frisch an die Bundesnetzagentur als zuständige Genehmigungsbehörde geben. "Es ist ein Versuch. Vielleicht hilft es doch."

Der Netzbetreiber würde die Grundstücke nicht kaufen oder pachten, sondern es geht um eine Dienstbarkeit im Grundbuch. "Dafür gibt es eine Entschädigung", so der Projektleiter. Und wer das nicht will? "Der kann den verwaltungsrechtlichen Weg gehen." Aber es handle sich um eine zwangbare Dienstbarkeit. "Es ist ein Bauvorhaben im übergeordneten Interesse, eben ein gesetzlicher Auftrag."

Der Langenbacher Ortsvorsteher und Elektromeister Andreas Schreiber (CDU) brachte einen anderen Punkt an: "Die Verkabelung ist übertrieben. Am Ende bezahlen wir es, die Bürger." Was das gesamte Bauvorhaben kostet? "Etwa fünf Milliarden Euro für alle drei Bauabschnitte", so Bernhard Segbers. Wie hoch sind die Fördermittel? "Die Planungsarbeiten wurden gesponsert von der EU. Für die Bauinvestition gibt es bisher keine Fördermittel." Die Bauzeit wäre von 2022 bis 2025.

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