Glücksbringer von Beruf

MEIN TRAUMBERUF: Mit einem Büro hat Fritz-Felix Glaß aus Zwota nichts am Zylinder. Er ist lieber an der frischen Luft und steigt seinen Kunden fast täglich aufs Dach. In einer neuen Serie stellt die "Freie Presse" junge Vogtländer mit bodenständigen Tätigkeiten vor, die man in der Region erlernen und ausüben kann. Heute: Schornsteinfeger.

Zwota.

Fritz-Felix Glaß ist begehrt. "Es kommt nicht selten vor, dass mir jemand auf die Schulter fasst und mich freundlich anlächelt, weil sie oder er glaubt, es bringt Glück", berichtet der 24-Jährige. Glaß ist Schornsteinfeger - ein Beruf, den viele mit dem großen Glück verbinden. Aus dem Mittelalter rührt es her, dass dem Schwarzen Mann kein Pech zugeschrieben wird. Schließlich war er es, der zu den Menschen kam, um die Essen ihrer Häuser zu kehren, damit einen Rußbrand im Kamin verhinderte und Leib und Besitz der Bewohner bewahrte. Seine schwarze Kleidung und das rußverschmierte Gesicht regten die Fantasie an, ein Schornsteinfeger könne böse Geister vertreiben. Wer ihm auf die Schulter fasst, auf den überträgt sich das Glück - oder zumindest das Gefühl, es zu haben.

Das alles waren allerdings nicht die Gründe dafür, dass sich Fritz-Felix Glaß aus Zwota dafür entschied, ein Schornsteinfeger zu werden. "Ich bin kein Typ, der den ganzen Tag im Büro sitzt oder in einer Halle arbeitet. Ich muss an der frischen Luft sein, komme viel herum und habe auch gerne Kontakt zu anderen Menschen", berichtet der junge Vogtländer. Kein Tag sei wie der andere. "Dreck im Gesicht stört mich nicht und ich bin schwindelfrei. Außerdem hat man als Schornsteinfeger prima Aufstiegsmöglichkeiten", verrät er vielsagend - und muss selbst grinsen über die Doppeldeutigkeit von "Aufstiegsmöglichkeit". Letztere gibt's tatsächlich: Wem der Job als Schornsteinfegergeselle zu wenig ist, der kann die Meisterprüfung anpacken und sich selbstständig machen oder laut sächsischer Schornsteinfegerinnung Zusatzqualifikationen absolvieren. Etwa zum Energieberater, zum Brandschutz- oder Umwelttechniker. Auch ein Studium ist möglich.


Wenn der 24-Jährige den Kunden zweimal im Jahr aufs Dach ihres Hauses steigt, kommt er im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus. "Gelernt habe ich von 2011 bis 2014 in Markneukirchen beim Schornsteinfegermeister Andreas Müller, die Theorie am Schornsteinfeger-Berufsbildungszentrum bei Eilenburg. Das war ganz schön hart, vor allem wegen Mathe und Physik. Nach der Lehre habe ich als Geselle beim Schornsteinfegermeister Michael Spitzner in Zwota angefangen. Da bin ich immer noch. Es gefällt mir sehr gut. Ich könnte beruflich zwar aufsteigen, wenn ich auch den Meisterabschluss mache. Aber daran denke ich im Moment noch nicht."

Als Schornsteinfeger ist Fritz- Felix Glaß vor allem im Oberland unterwegs - und meist bestens darüber informiert, was im Ort oder der Nachbarschaft vor sicht geht: "Was der Friseur nicht weiß, das weiß der Schornsteinfeger."

Ein Schornsteinfeger - mitunter auch Essenkehrer und Schlotfeger genannt - hat mit seinem Berufskollegen von früher nur bedingt noch etwas zu tun. Was daran liegt, dass heutzutage viele Häuser mit Öl oder Gas beheizt werden. Dann steigt Fritz-Felix Glaß nicht aufs Dach, sondern bleibt auf dem Boden: "Moderne Heizungen müssen einmal im Jahr kontrolliert werden: Sauerstoffnorm, Kohlenmonoxidwert, Abgastemperatur, Druckdifferenz in der Esse - das ist zum Beispiel wichtig, um die Effizienz einer Heizungsanlage zu ermitteln." Wenn die vorgeschriebenen Werte nicht stimmen, dann gibt er Tipps für richtiges Heizen. Nasses Holz beispielsweise ist Gift für einen Schornstein und kann zu Rußbrand führen.

Mitunter passieren auch kuriose Dinge: "Es kommt vor, dass mir aus dem Schornstein Wespen entgegenfliegen, weil sich dort ein Schwarm eingenistet hat. Dann heißt es: Ruhe bewahren. Mir hing auch schon mal ein Hund an der Hose." Ruhe bewahren muss er als Schornsteinfeger auch, wenn sich - was allerdings selten vorkommt - Hausbesitzer weigern, ihn ins Haus zu lassen. Dann weist der Zwotaer auf die Kehrpflicht hin. Im Ernstfall informiert er zuständige Ämter: "Wenn etwas passiert, es zu einem Brand kommt, weil nicht gekehrt wurde, dann kann das für einen großen Schaden in der Nachbarschaft sorgen."

Alle Beiträge der Serie "Mein Traumberuf" finden Sie in unserem Special.


Fakten zum Beruf Schornsteinfeger

Das Schönste an dem Beruf? "Ich bin immer an der frischen Luft und höre die Vögel zwitschern. Meistens arbeite ich zwar allein, aber trotzdem habe ich viel Kontakt zu Menschen", sagt Fritz-Felix Glaß.

Das Schlimmste an dem Beruf?

"Im Winter ist es natürlich ganz schön hart, auf dem Dach zu sein und Essen zu kehren", so der 24-Jährige. Dagegen helfen nur eine warme Jacke, lange Unterhosen und Ohrenschützer.

Ausbildung? Die Lehre dauert drei Jahre. In Sachsen gibt es ein Schornsteinfeger-Berufsbildungszentrum in der Nähe von Eilenburg.

Was verdient man? Gemäß dem Tarifvertrag zur Förderung der beruflichen Ausbildung im Schornsteinfegerhandwerk bekommen Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr 520 Euro je Monat, im zweiten 590 und im dritten Lehrjahr 690 Euro. Je nach Bundesland und Betrieb kann die Vergütung variieren. Nach der Ausbildung verdienen Gesellen laut Bundestarifvertrag monatlich rund 2200 Euro brutto (13,62 Euro pro Stunde), die sich im Laufe der Berufsjahre steigern.

Was muss man können? Ganz wichtig ist, dass man keine Höhenangst hat. Kenntnisse in Mathematik und Physik sind ebenso gefragt. Außerdem muss man kontaktfreudig sein.

Für wen ist das nichts? "Wer nicht schwindelfrei ist, in seinem Beruf im Warmen sitzen möchte oder sich nicht die Hände schmutzig machen will, sollte lieber etwas anderes lernen", so Fritz-Felix Glaß. (eso)

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