Grenzenloses Projekt bringt Vergessenes ans Licht

Der Kulturweg der Vögte rückt als grenzüberschreitendes Projekt das historische Vogtland neu ins Blickfeld. Dabei geht es nicht nur um große Schlösser oder Museen.

Schöneck.

Am Alten Söll in Schöneck können Besucher noch historische Mauerreste der Burg sehen, die wahrscheinlich um 1180 errichtet wurde und als deren Burgherr 1225 ein Albertuts de Schoenegge erwähnt wurde.

Der "Kulturweg der Vögte", der als grenzüberschreitendes Tourismusprojekt von Thüringen bis nach Westböhmen führt, will nicht nur die namhaften Schlösser, Burgen und Museen in Greiz, Plauen, Gera, Mylau, Voigtsberg oder Burgk gemeinsam in den Fokus rücken. In der gesamten Region gibt es historische Stätten, die mit den Vögten in Verbindung stehen. Am östlichen Rand ihres Herrschaftsbereiches verfügten diese mit Schöneck, Falkenstein, Auerbach und Treuen über einen Ring von Befestigungsanlagen, von denen einzig der Auerbacher Bergfried noch erhalten ist.

Im Zentrum von Markneukirchen, zwischen der Plauenschen Straße und dem ehemaligen Bahndamm, erinnert heute eine Tafel an einem symbolisierten Holzturm an die Ringwallanlage, deren Ursprung der Markneukirchner Historiker Erich Wild auf die Zeit vor 1180 datiert. Etwa 200 Jahre lang könnte sie ein Vorposten der Burg im heutigen böhmischen Wildstein/Skalná gewesen sein - die auch zum Kulturweg der Vögte gehört.

"Wir wollen auch den böhmischen Teil um die Stadt Graslitz noch mehr in den Kulturweg einbinden", sagte Projektleiter Ulrich Jugel bei der jüngsten Exkursion. Auch Graslitz/Kraslice, das - wie Schöneck - in diesem Jahr auf 650 Jahre Stadtrecht blicken kann, besaß einst eine Burg auf dem 716 Meter hohen Hausberg. Diese sollte wahrscheinlich einst den sogenannten Königsweg von Prag nach Erfurt schützen. Zu dieser Kette von Befestigungsanlagen gehörte auch die wenige Kilometer weiter talabwärts liegende Burg Hartenberg, 1214 erstmals erwähnt. Talaufwärts soll es zwischen Klingenthal, Zwota und Kottenheide das sagenumwobene Klausenbachschloss gegeben haben, dessen Ruine bis 1870 stand. Nächste Station auf dem Weg gen Erfurt war die Burg in Schöneck.

Über das Ende für die Burg auf dem Graslitzer Hausberg gibt es widersprüchliche Informationen. Sie soll als Raubritternest 1412 erobert und zerstört worden sein, während andere davon sprechen, dass die Burg ein Jahrhundert länger genutzt wurde. Grundmauern des Bergfrieds sowie Reste eines Brunnens wurden bei Ausgrabungen 1933/34 gefunden, dazu Keramikscherben sowie Pfeilspitzen und Armbrustbolzen.

Die touristische Erschließung des Hausbergs ist mit Richard Ritter von Dotzauer (1816-1887) verbunden. Der Sohn eines Graslitzers war als Großkaufmann in Prag zu einem Vermögen gekommen, das er in Graslitz und in anderen Orten des Erzgebirges investierte.

Um den Hausberg führt ein rund vier Kilometer langer Wanderweg, der 2009 von der Stadt Graslitz/Kraslice und dem Verein "Freunde der Stadt Graslitz" erneuert wurde. Knapp zehn Jahre zuvor hatte es mit dem Lehrpfad "Auf den Spuren des Bergbaus" das erste deutsch-tschechische Projekt gegeben, damals initiiert von der Beschäftigungsgesellschaft Klingenthal. Der rund 16 Kilometer lange Lehrpfad verband Klingenthal, Kraslice und die Aschberggemeinde Schwaderbach/Bublava. Eine der inzwischen verwitterten Tafeln ist am Hausberg nach wie vor zu finden.

Vor nunmehr zehn Jahren wurde durch den inzwischen aufgelösten Handel-, Gewerbe- und Tourismusverein Klingenthal/Zwota in Zusammenarbeit mit den Städten Klingenthal und Graslitz/Kraslice das Projekt "Grenzenloses Wandern" mit 30 Informationstafeln gestartet, das die Euregio Egrensis mit 15.000 Euro unterstützte.

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