Grundschulen im Kreis wieder zu: "Was sie Kindern antun"

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Mit der Corona-Politik von Landrat Keil sind etliche Vogtländer keineswegs einverstanden. Das wurde auch im Kreistag deutlich.

Oelsnitz/Klingenthal.

Die Corona-Politik des Vogtlandkreises wird kontrovers diskutiert und gibt auch manches Rätsel auf. Trotz harter Einschränkungen hat sich der Inzidenzwert oberhalb von 200 festgesetzt. Sind die bisherigen und die ab Montag in Kraft tretenden neuen Maßnahmen der Kreisbehörde die richtigen? Der Alleingang, als einziger Landkreis Sachsens kurzfristig Kindertagesstätten, Grund- und Förderschulen zu schließen, bringt Familien in Bedrängnis: Erneut müssen berufstätige Eltern Lösungen finden, um ihre Kinder unterzubringen. Die wie aus heiterem Himmel kommende Maßnahme wird in Internet-Foren und Gesprächen kritisiert. Viele äußern Unverständnis.

Auf www.freiepresse.de berichtet ein Schulbusfahrer von leuchtenden Kinderaugen, als er nach den zwangsweisen Schulschließungen am 7. Februar erstmals wieder seine Passagiere abholen durfte. Seine Aussage steht exemplarisch für die Sichtweise vieler: "Da war Freude, da war Erleichterung und jetzt soll schon wieder alles vorbei sein?" Für die Dauer-Homeschooling-Verfechter hat er kein Verständnis: "Diese Siebengescheiten wissen gar nicht, was sie den Kindern antun."

Kitas und Schulen haben im Infektionsgeschehen bisher eine nachgeordnete Rolle gespielt. Nur in Einzelfällen haben sich Kinder, Erzieher und Lehrer angesteckt. Das bestätigte auch Amtsarzt Andreas Lonitz am Donnerstag im Kreistag.

Doch Lonitz' Chef, Landrat Rolf Keil (CDU), argumentierte keine 24 Stunden später: "In den Kindertagesstätten haben wir in den letzten Tagen einen verstärkten Eintrag von Infektionen beobachten müssen." Keil schrieb in einem Elternbrief, den er Freitagnachmittag zeitgleich mit der neuen Corona-Allgemeinverfügung herausgab, in den Grundschulen sei die Infektionsentwicklung "noch nicht überdurchschnittlich". Man müsse bei den Kindern aber beachten, dass sie auch ohne Symptome infiziert sein könnten und so das Virus verbreiten. Zahlen oder andere Fakten zur Untermauerung nennt der Landrat nicht.

Amtsarzt Lonitz hatte tags zuvor Covid-19 anderswo verortet. "Die Firmen sind der Schwerpunkt", berichtete er dem Kreistag. In den Unternehmen gibt es die meisten Kontakte, allerdings werde dort - oftmals im guten Einvernehmen - zunehmend systematisch getestet.

Klare Kritik und Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der erneuten Schulschließungen äußerte im Kreistag nur Die Linke. Die AfD forderte im Nachgang per Pressemitteilung, Keil solle die Entscheidung zurücknehmen. Die anderthalbstündige Corona-Diskussion in der Festhalle förderte Fragen und Probleme zutage, für deren Beantwortung Kreistagssitzungen alle zwei oder drei Monate nicht reichen dürften.

"Ist eine Nachverfolgung bei Inzidenzwerten über 200 gewährleistet?" fragte CDU-Fraktionschef Dieter Kießling. Die Probleme der Nachverfolgung, die das Vogtland im Dezember bundesweit zum Hotspot werden ließen, sind laut Lonitz überwunden. Das Corona-Team umfasse inzwischen 130 Personen. Die von Gerhard Liebscher (Grüne) gestellte Frage, ob der Zeitraum von 48 Stunden beim Nachverfolgen im wesentlichen eingehalten wird, bejahte Lonitz. Selbst bei einer Inzidenz von 300 sei das gewährleistet.

Die 50.000 zusätzlich vom Freistaat finanzierten Corona-Tests für den Vogtlandkreis werden zu einem weiteren Anstieg der Inzidenz führen: mehr Tests, mehr Positiv- Meldungen. "Bald hat hier nichts mehr auf", kritisierte AfD-Kreisrat Ulrich Lupart. Der Beigeordnete Uwe Drechsel verteidigte dies. Eine höhere Inzidenz und die Brechung der Infektionsketten seien besser als überfüllte Intensivstationen.

Eine am Freitag vom Falkensteiner Robert Herold gestartete Online-Petition "Kindereinrichtungen im Vogtlandkreis öffnen" auf der Plattform openpetition.de fand aus dem Stand bis zum Nachmittag mehr als 1200 Unterstützer, eine bereits laufende Petition der Adorferin Claudia Tümmler zählte am Freitagabend 482 Unterstützer. (mit us/hagr)

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33 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Lia
    28.02.2021

    https://www.openpetition.de/petition/online/kindereinrichtungen-im-vogtlandkreis-oeffnen

  • 3
    0
    Kiki
    27.02.2021

    "in der Vergangenheit" soll es natürlich heißen

  • 8
    0
    Kiki
    27.02.2021

    Dass Herr Keil nicht gerade Kinder bzw. familienfreundlich agiert, hat er ja auch in Zukunft schon eindrucksvoll bewiesen, 120€ für sie Schülerbeförderung, die Regelung, dass der Geschwisterbonus bei Patchworkfamilien wegfällt, weil sie ja nur Halbgeschwister sind und nun diese super Leistung, weil es für ihn das Einfachste war, Kinder können sich ja nicht wehren. An die Öffnung der Friseure hat er sich scheinbar nicht ran getraut.

    Auch hier wieder wie im Dezember: es wird nichts kommuniziert, denn Herr Keil weiss ganz sicher, wo die hohen Zahlen herkommen, aber er hält es nicht für nötig mit offenen Karten zu spielen. Die Leidtragenden sind die Kinder, die ja nachweislich (mittlerweile sogar durch das RKI) nichts dafür können.

    Die Hoffnung liegt nun auf der neuen Schutzverordnung Sachsens, dass unsere Kinder am 08.03. wieder ein etwas normaleses Leben haben dürfen, lernen dürfen. Es ist so wichtig für sie!!