Gülle auf Feldern weckt Angst um Brunnenwasser

Urheberschaft für "bestialischen Gestank" bleibt unklar - Wasserschutzgebiete nur für öffentliche Versorgung

Kottengrün.

Über "bestialischen Gülle-Gestank" hat sich jetzt ein 77-jähriger Kottengrüner beschwert. Selbst gesehen hatte er die Gülle-Fahrzeuge zwar nicht, doch Nachbarn berichteten ihm, dass Gülle in die Felder neben dem privaten Brunnen eingebracht worden sei, aus dem er sein Wasser bezieht.

Der Kottengrüner versteht erstens nicht, dass bei der extremen Hitze Gülle gefahren wird, und hat zweitens Angst um sein Brunnenwasser. Zu DDR-Zeiten habe er da selbst Schilder aufstellen lassen, um für Schutzabstände zu sorgen - doch da schere sich schon lange keiner mehr drum.

Die meisten Felder in Kottengrün bewirtschaftet die Aproha GmbH mit Sitz in Tirpersdorf. Doch zur fraglichen Zeit habe man in Kottengrün gar keine Gülle eingearbeitet, sondern nur im benachbarten Brotenfeld, sagt Janek Kubitzki. Allerdings dürfe man dies durchaus auch bei hohen Temperaturen. "Es gibt durch die neue Düngeverordnung sehr viele Festlegungen, und danach müssen wir sogar genau jetzt Gülle ausbringen", sagt Kubitzki - nämlich bevor Raps ausgesät wird. Verboten ist das Güllen unter anderem auf gefrorenem Boden.

Doch wie steht es mit den Schutzabständen für private Brunnen? "Gesetzlich geregelte Abstände zu privaten Brunnen für die Düngung gibt es nicht", teilt dazu Christoph Großer, zuständiger Sachgebietsleiter im Landratsamt, klipp und klar mit. "Lediglich für die Errichtung von Anlagen zur Lagerung von Mist, Jauche, Gülle und Silosickersaft werden im technischen Regelwerk Abstände zu Brunnen angeführt." Wasserschutzgebiete seien nur für die öffentliche Wasserversorgung zulässig. Eigentümern von Brunnen bleibe lediglich die Chance, eine privatrechtliche Vereinbarung mit den Eigentümern beziehungsweise Nutzern der Flächen im Bereich seines Brunnens abzuschließen - und diesem dafür einen entsprechenden "Ausgleich" zu zahlen. (bap)

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