Gutenfürst: Mieter müssen aus ihren Wohnungen raus

Aus einem Wohnblock in Gutenfürst sollen bis Jahresende 14 Mietparteien ausziehen. Der Vermieter kann sich den Erhalt des Blocks nicht mehr leisten. Der ländliche Raum blutet damit weiter aus.

Gutenfürst.

Nicole Stiller ist fassungslos. "Wieso hat man uns nicht eher Bescheid gesagt?", fragt die 27-jährige Mutter von zwei Söhnen. Seit neun Jahren wohnt die vierköpfige Familie im Wohnblock Am Pöhl 2-4 in Gutenfürst. Bis Ende Dezember müssen sie raus. So viel wissen sie seit einer Woche. Doch wohin, das wissen sie noch nicht.

Achim Pfeifer (65) sucht ebenfalls nach Worten. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, woanders hinzuziehen. Man hat hier doch was geschaffen. Das muss man jetzt aufgeben." Pfeifer dürfte einer der letzten Mieter gewesen sein, die 2014 noch eine Wohnung in dem Block aus den 1980er-Jahren bekommen haben. Wie Ortsvorsteher Ramon Bauer erzählt, sei das Haus seit Jahren unterbelegt. Ursprünglich hätten in dem Block im ehemaligen DDR-Sperrgebiet Soldaten gewohnt. Bürger mussten Seit der Wende schleiche sich die Entwicklung dahin, in den letzten Jahren sei dort immer weniger repariert worden. "28 Leute sind betroffen", so Bauer. "Die Leute sagen zu mir, Ramon, mach mal was. Aber ich weiß nicht, wie ich helfen soll." Er fährt in Nachbarorte und sucht freie Wohnungen, denn in Gutenfürst gibt es keine. "Ich will die Leute nicht im Stich lassen", sagt Bauer.

Denn im Stich gelassen fühlen sich Betroffene bereits von ihrem Vermieter, der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) mbH Plauen Land. Das kommunale Unternehmen - Gesellschafter sind die Gemeinde Weischlitz, die Wohnungsbaugesellschaft Plauen mbH und die Gemeinde Rosenbach - vermietet und verwaltet nach eigenen Angaben rund 740 Wohnungen. WBG-Geschäftsführer Frank Thiele informierte die Mieter vor einer Woche auf einer Versammlung in Weischlitz über die anstehende Umsiedelung.

"Wir haben in dem Block fast 60 Prozent Leerstand", sagt Thiele. Geld verliere die Gesellschaft dort schon seit Jahren. Nun spitzte sich die Lage zu: Bis Ende des Jahres muss der Wohnblock eine Bio-Kläranlage bekommen. Kosten: etwa 60.000 Euro. "Verdammt viel Geld", sagt Thiele. Eine Fristverlängerung habe der Zweckverband Wasser/ Abwasser Vogtland abgelehnt.

Selbst wenn - das Geldproblem hätte das für die Gesellschaft nicht gelöst. Ein Viertel ihrer Wohnungen steht nach Thieles Angaben leer. "Die Gesellschaft im Ganzen muss gesichert werden." Von zwei unwirtschaftlichen Objekten habe sie in den vergangenen Jahren deshalb bereits getrennt, in Weischlitz und in Pirk.

In Gutenfürst sei die WBG Plauen Land bereits vor mehr als zwei Jahren auf die Notbremse getreten - und vergab in dem Haus keine weiteren Wohnungen mehr. Thiele räumt ein: "Man hätte vor zwei Jahren schon deutlicher sagen können, warum wir nicht mehr dort vermieten. Die Kritik muss ich auf mich nehmen." Nun soll in Einzelgesprächen geklärt werden, wie es für Betroffene weitergeht und inwiefern die Gesellschaft sie bei Wohnungssuche und Umzugskosten unterstützt. "Keiner der Mieter wird allein mit der Situation gelassen", versichert auch der Weischlitzer Bürgermeister Steffen Raab (Freie Wähler).

Für Thiele bleibt der ländliche Raum ein schwieriges Vermieterpflaster. "Die Leute wollen eher vom Land in die Städte", erläutert er. Im Gutenfürster Block wollen dagegen einige unbedingt bleiben. Doch die müssen bald gehen. Für den Ortsvorsteher ist das bitter. "Das ist eben der Wandel auf dem Land", sagt Ramon Bauer. "In Gutenfürst gibt es auch keine Feuerwehr mehr, kein Gasthaus. Der Block ist nur eine Geschichte von hunderten."

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