Halbmond-Abriss verschlingt mehr als acht Millionen Euro

Die größte Industriebrache der Region soll ab dem nächsten Jahr verschwinden. Die Kosten für Abbruch und Neuerschließung sind jetzt ermittelt. Und sie haben es in sich.

Oelsnitz.

Der Abriss der Halbmond-Industriebrache wird für die Stadt Oelsnitz ein finanzieller Kraftakt. Das ist nach der Kostenschätzung klar, die die Stadtverwaltung jetzt auf den Tisch gelegt hat. Demnach rechnet die Kämmerei mit einem Betrag von acht Millionen Euro, der für den Abbruch des einstigen Werkes und der anschließenden Neuerschließung des Geländes als Gewerbeareal notwendig wird. Damit muss erheblich mehr Geld in die Hand genommen werden als gedacht. Noch vor drei Jahren war von zwei Millionen Euro die Rede.

Die Arbeiten und damit auch die Kosten verteilen sich auf die Jahre 2019 (zwei Millionen Euro), 2020 (vier Millionen Euro) und 2021 (zwei Millionen Euro). Die Stadt setzt dabei auf einen hohen Zuschuss vom Freistaat. 85 Prozent der Kosten sollen durch Zuweisungen aus Dresden gedeckt werden. Mit 1,2 Millionen Euro muss Kämmerer Torsten Stengel aber auch einen erheblichen Betrag aus seinem Haushalt aufbringen.

Der Abriss der alten Industrieanlagen nahe dem Oelsnitzer Bahnhof gestaltet sich dabei als Mammutaufgabe. 19 Gebäudeteile, davon viele mehrgeschossig, verteilen sich auf 45.000 Quadratmeter Fläche. Keine Informationen gibt es bislang, mit welchen Altlasten die Planer auf dem Gelände rechnen.

Wenn die alten Mauern gefallen sind, soll auf dem Gelände neues Gewerbe angesiedelt werden. Was Gewerbegrundstücke betrifft, ist Oelsnitz derzeit blank. Auf der letzten größeren Fläche im Industriegebiet Taltitz entsteht gerade das Logistikzentrum der Böllhoff-Gruppe. Rund eine Million Euro will die Stadt mit den Verkauf der neu erschlossenen Grundstücke auf dem Halbmond-Areal wieder einspielen.

Das Projekt Halbmond ist wichtigster Part in der mittelfristigen Planung des Oelsnitzer Kämmerers. Stengel hat in der jüngsten Sitzung des Stadtrates die Zahlen bis zum Jahr 2021 vorgestellt und für die Präsentation fraktionsübergreifend Lob geerntet. "Wir wollten, dass alle Zahlen auf den Tisch kommen, das haben wir jetzt", sagte Waltraud Klarner (Linke). Das Zahlenwerk berücksichtigt, dass die Stadt einen Berg von kleinen Baustellen als Instandhaltungsrückstau vor sich her schiebt. "Wir haben alles drin", versicherte Stengel. Dabei handele es sich nicht um Wünsche, sondern um dringend Notwendiges.

Damit alles abgearbeitet werden kann, will die Stadt an ihre finanziellen Grenzen gehen und auch ihre Rücklagen in Höhe von 6,8 Millionen Euro in die Waagschale werfen. Weil die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, entsteht ein sogenanntes strukturelles Defizit. Ulrich Lupart (AfD) regte deshalb an, sich freiwillig einem strikten Sparkurs zu verordnen. Der Beschluss des Haushaltes 2018 ist für Juni geplant.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    Tauchsieder
    24.05.2018

    Somit ist auch das sogenannte "Halbmondwehr" der Weißen Elster entbehrlich und könnte bei dieser Gelegenheit gleich mit geschliffen werden. Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Elster wäre dort durchgängig und man käme den Forderungen der europ. WRRL nach.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...