Hammerspektakel am Walfischteich

1847 gab es in Klingenthal einen Großbrand. Am Montag brannte in Zwota die Luft: Fast 400 Besucher wollten das neue Stück sehen, das vom Theaterdorf-Ensemble aufgeführt wurde.

Zwota.

Die Erweiterung brachte nur wenig: Obwohl das Festzelt am Zwotaer Walfischteich am Montag um etliche Quadratmeter größer war als in den Vorjahren, reichte der Platz nicht aus. Dicht gedrängt saßen die Besucher auf den Bänken. Wer im Zelt keinen Platz mehr fand, erlebten die Aufführung von draußen als Hörstück.

Auch das 6. Zwoticher Hammerspektakel wurde seinem Namen wieder voll gerecht: Es war ein Hammer. Was in erster Linie am Ensemble vom Theaterdorf Zwota lag, das diesmal "Dr Brand in Klengethol 1847" auf die Bühne brachte.

Das Stück entsprang der Feder von Thorald Meisel, normalerweise Redakteur der "Freien Presse". Bestens vertraut mit der Geschichte von Zwota und Klingenthal, wählte er einen Stoff aus, der bisher nur Kennern vertraut gewesen sein dürfte. Aber das ist ja auch ein Anliegen des Theaterdorfes: Vertrautmachen und Erinnern an die eigene Geschichte. Wie der Autor verriet, stützte er sich auf die Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers Karl August Wolf, und rankte um die Fakten humorvolle und griffige Dialoge in Mundart, gespickt mit Lokalgeschichte und dem Zeitgeist kurz vor der Revolution von 1848.

Kurz zur Handlung: Nach dem Brand vom 19. Dezember 1847 warten die Klingenthaler auf einen Vertreter der Brandkasse, der die Entschädigungszahlungen regeln soll. Das Problem: die einzige Augenzeugin, die das Feuer hat ausbrechen sehen, war ein 14-jähriges Mädchen. Ehe dieses in der Männerrunde des Wirtshauses auftreten konnte, und den Klingenthalern letztlich zu ihrem Geld verhalf, war viel Überzeugungskunst nötig.

Dass Thorald Meisel im Stück eine Brücke von vor 170 Jahren ins Heute schlug, was die Schlitzohrigkeit und Knauserigkeit in Geld- fragen, die Beziehungen der Klingenthaler zu den Nachbarorten und die Geschäftstüchtigkeit des Wirtes betrifft, kam bei den Besuchern ausgesprochen gut an.

Die Darsteller - René Goram (Wirt), Esther Meinel (Wirtin), Jochen Tittmann (Vertreter der Brandkasse), Mario Knoth (Fuhrmann), Danilo Kaune (Schuhmacher), Rico Stübert (Saitenmacher), Sophia Sünderhauf (seine Tochter), Thorald Meisel (Postbote) - spielten mit viel Witz, Judith Sandner wirkte im Hintergrund als Souffleuse. Das Stadt- orchester Klingenthal unter der Leitung von Rico Schneider sorgte einmal mehr für den stimmungsvollen musikalischen Rahmen.

Bemerkenswert und vielleicht ein Wink in die Zukunft in puncto Ensembleerweiterung: Sven Rieger, Rainer Keller und Daniel Herold traten diesmal noch "nur" als Statisten auf, und der kleine Sepp Sonntag machte seine Sache als Nummern-Boy ebenfalls sehr gut. Die Zuschauer waren jedenfalls vom Hammerspektakel wieder begeistert.

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