Harte Kritik an Schutzgebiet

Mühlentals Gemeinderat lehnt Pläne des Landkreises für das Würschnitz- und Eisenbachtal kategorisch ab. Warum das Nein so harsch ausgefallen ist.

Mühlental.

Eine Abfuhr allererster Güte hat der Gemeinderat Mühlental dem Landratsamt erteilt. Keiner dafür, aber zehn dagegen, lautete das Abstimmungsergebnis zum Plan des Kreises, dauerhaft ein Landschaftsschutzgebiet Würschnitz- und Eisenbachgebiet auszuweisen. Mit geplanten 2214 Hektar würden erhebliche Teile der Gemeinde hier hineinfallen. Geschlossene, bebaute und gärtnerische genutzte Bereiche der Orte sind ausgeklammert.

Die Einschränkungen durch das Schutzgebiet sehen die Räte allerdings als unzumutbar an. Stichwort Nutzungseinschränkung: "Meiner Meinung nach schneidet der Entwurf massiv in die Rechte der Waldbesitzer ein", erklärte Bürgermeister Heiko Spranger (Freie Wähler Marieney-Saalig). Sachkundige Bürger wie Jürgen Schuster oder Michael Schlosser, denen er das Papier zum Lesen gab, seien "nicht begeistert". Als "Einschränkung für jeden Einzelnen und für Gäste in Mühlental" sah Silvio Bröckel (Freie Wähler Marieney-Saalig) die Schutzgebietspläne. "Das können wir nicht zulassen."

Deutlich schärfere Töne schlug Sieghard Pollack, Fraktionskollege von Spranger und Bröckel, an. Würden die Pläne wahr, dürfe er weder auf seiner Wiese im Schutzgebiet parken noch da draußen Kartoffeln anbauen. Und: Das Kernargument, mit dem Schutzgebiet neue Windradriesen zu verhindern, zieht für Pollack nicht. Er verwies auf ohnehin geplante Abstandsregeln auf Bundes- und Landesebene. Dazu brauche es das Schutzgebiet nicht. Pollacks Lesart: Die Umweltbehörde in der Stadt denke sich etwas aus, um sich bedeutender zu machen - was sich aber gegen die Dorfbevölkerung richte. "Ich halte diese Verordnung für ein Verbrechen. Die Aussage, dafür ,an die Wand stellen', kann ich nur unterstützen. Die Verordnung bringt keinen Nutzen, nur Schaden. Ich fordere jeden auf, mit Nachdruck gegen diese Sache zu stimmen", donnerte Pollack los.

Die entscheidende Frage stellte Hans Peter Thurau (Wählervereinigung Tirschendorf): "Welchen Einfluss werden wir mit unserem Nein haben?" Genau das ist Inhalt einer seit 15. November laufenden "Freie Presse"-Anfrage im Landratsamt.


Kommentar: Das Maßverloren

Keine Frage: Kritik an den Plänen des Landratsamtes für Schutzgebiete ist erlaubt, selbstverständlich auch deutliche Worte. Wer aber öffentlich sagt, er könne die Worte "an die Wand stellen" für die Urheber der Pläne "nur unterstützen", der hat das Maß verloren. Hier muss der Bürgermeister einschreiten - falsch, dass es weder im März in Triebel, noch jetzt in Mühlental geschehen ist. Es geht nicht darum, ob einer ein "Grüner" ist. Sondern darum, dass es brand- gefährlich ist, bei der Sprach-Verrohung immer noch eins draufzusetzen. Das gilt nicht nur fürs Internet.

3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Tauchsieder
    24.11.2019

    Und noch eins oben drauf!
    Den guten Ruf der Gemeinde Mühlental wieder herzustellen war ein Wahlversprechen des GR. Was hier Hr. Pollack und Hr. Spranger von sich geben führt eigentlich zum Gegenteil dieses Vorhabens. Vielleicht sind sie ja auch die Ursache allen Übels.
    Es sieht eher danach aus, dass sich der gewählte GR gegen die Interessen der Mühlentaler stellt, gegen eine schützenswerte Landschaft und damit Tür und Tor für wirtschaftliche Interessen öffnet. Ob der GR damit seine Kompetenzen überschreitet, dies mit ihrem Mandat gedeckt ist, mag man zu bezweifeln. Dieser Schuss kann auch nach hinten los gehen.
    Das Wahlversprechen des GR zu einem besseren Ruf wurde hier mit Füßen getreten.
    Na dann, immer heiter so weiter!

  • 1
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    Tauchsieder
    22.11.2019

    Vielleicht liest ja aus dem "Club von Amateuren" einer diese paar Zeilen. Nachstehend, so sieht gängiges Verwaltungshandeln aus.
    Sie wissen scheinbar nicht, dass der Gemeinderat (GR) nur als Träger öffentlicher Belange angehört wird. Der GR kann über eine Stellungnahme zu öffentlichen Belangen die möglichen Einschränkungen und evtl. Befürchtungen gegenüber dem LRA darlegen.
    Das ist aber scheinbar für die meisten Gemeinderäte "Neuland unterm Pflug". Vielleicht waren es auch zu viel an Beratungsunterlagen, was auch mal vor einer Sitzung durchgegangen werden muss. Kommunale Vorhaben und Projekte sind von privaten Vorhaben und Projekten strikt zu trennen. Aber das wissen die meisten gar nicht. Eine Entscheidungsbefugnis hat der GR nicht. Ein bloßes "Nein" interessiert niemand, im LRA nicht und auch nicht in der Landesdirektion Sachsen. Die Land- oder Forst- oder Teichwirtschaft erfährt durch das LSG keine Einschränkungen. Aber daran hat wahrscheinlich in der Sitzung niemand gedacht und davon gesprochen.
    Vermutlich geht es hier um jedermann seine privaten "Kartoffeln", dass Auto hinterm Haus, oder irgendwelche fiktiven Ängste um Einschränkungen, oder sonst etwas.

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    Tauchsieder
    21.11.2019

    Da ist viel Unwissen im Gemeinderat, ein Club von Amateuren.
    Die richtige Frage stellte Hr. Thurau. Auch ohne die Zustimmung der Gemeinde kann dieses Schutzgebiet errichtet werden. Sollte dies an der Zustimmung der Gemeinde scheitern, dann hätte der Freistaat hier im Vogtland eine weitere Fläche für einen Windpark. Ein paar dieser Anlagen stehen ja schon.



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