Hat die Jugend noch Bock auf Mundart?

Lesungen, Vorträge, Gespräche und "Dornrösl": Die 7. Vogtländischen Mundarttage haben gezeigt, wie man Jüngere für die Heimatsprache begeistern kann. Die Schulen sollen dabei noch mehr eingebunden werden.

Eubabrunn.

"Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen" - das ist nicht nur ein geflügeltes Wort, sondern auch ein wichtiges Fazit, das Doris Wildgrube nach Abschluss der Veranstaltung am Samstag im Kurhaus Bad Elster ziehen konnte. "Es war nicht das erste Mal, dass wir mit den Mundarttagen in Schulen gegangen sind, und ich muss sagen: Es ist sehr angenommen worden." Einerseits, weil vor allem die jüngeren, aber auch die älteren Schüler in Werda, Oelsnitz und Markneukirchen sich gut auf die Lesungen mit Mundartautoren aus dem Vogtland, Thüringen und Oberfranken vorbereitet hatten, sondern auch interessiert daran waren, etwas über ihre Heimatsprache zu erfahren.

Bevor Doris Wildgrube mit den Schülern sprach, war ihre erste Frage auf Hochdeutsch: Wer spricht denn von euch daheim Vogtländisch? "Ich war überrascht, dass das noch bei vielen der Fall ist, vor allem mit Oma und Opa. Und ich habe festgestellt, dass es im ländlichen Raum noch stärker der Fall ist als in größeren Orten. Viele der Kinder interessieren sich sehr für ihre eigentliche Muttersprache, wollen wissen, was typische Ausdrücke bedeuten. Das halte ich für sehr wichtig." Wünschen würde sich Doris Wildgrube allerdings, dass Angebote für Lesungen in Mundart von Schulen mehr als bisher angenommen würden: "Die kleinen Schüler kriegt man leichter als die großen."

Das kann auch Johannes Melzer bestätigen, Erzieher im Evangelischen Kindergarten "Zum Friedefürsten" in Klingenthal: "Mit der vogtländischen Sprache beschäftigen wir uns häufig. Ich verwende beispielsweise oft das Wörterbuch von Johannes Grimm. Wenn wir darüber reden oder manchmal auch im Seniorenclub mit einem kleinen Programm auftreten, dann ist zu merken, wie viel Spaß das vielen Kindern macht. Darum geht es, daran muss man anknüpfen, denn es wäre doch schade, wenn die Kinder nicht ihre Wurzeln kennen und sie pflegen. Mundart - das hat doch auch sehr viel mit Verbundenheit zur Heimat zu tun."

Am Samstag war im Freilichtmuseum Eubabrunn zu erleben, was Johannes Melzer damit meint: Doris Wildgrube war begeistert, als er den Vorschlag macht, dass Kinder das Grimmsche Märchen "Dornröschen" aufführen, in Mundart selbstverständlich und deshalb als "Dornrösl". Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen: Keine Geringere als die verdienstvolle Inge Jehring (81) übertrug den Urtext ins Vogtländische, und sie ließ es sich auch nicht nehmen, die Rolle der bösen Fee zu spielen. Das Theaterstück und vor allem die Begeisterung, mit der es von den Kindern gespielt wurde, kam bei den Besuchern sehr gut an, weil es eine erfrischende Note in die Mundarttage brachte.

Gleiches in puncto auf Interesse an den 7. Mundarttagen - von den 13 auftretenden Autoren natürlich und den Fachvorträgen abgesehen - kann Doris Wildgrube auch von den anderen Veranstaltungen sagen: "Schon die Eröffnung im Vitalhotel Weiße Elster am Freitag in Bad Elster wurde von den Hausgästen aus ganz Deutschland sehr gut angekommen. Sie verfolgten aufmerksam die Beiträge, auch wenn sie nicht jedes Wort verstanden. In Grünbach wurde mir von ungefähr 30 Besuchern berichtet, in Oelsnitz waren es circa 20. Für die Premieren war das gar nicht schlecht. Gut besucht war auch der Freitagabend im Walfisch Zwota und die Abschlussveranstaltung am Samstag in Bad Elster. Es hat mich persönlich sehr berührt, dass so viele Sängerinnen und Sänger des Chores der Chursächsischen Philharmonie in den Blauen Saal kamen, und wie schön Klaus Goldammer die Veranstaltung musikalisch umrahmt hat. In den kommenden Tagen werden wir uns als Veranstalter zusammensetzen und Schlüsse für die nächsten Mundarttage ziehen.

Vor den 7. Mundarttagen wurde zu einem Mundart-Krimi-Schreibwettbewerb aufgerufen. Den 1. Platz erreichten gemeinsam Beate Werner aus Reichenbach mit ihrer Geschichte "De Schallplatt" und Friedemann Schubert aus Neumark mit "De Orchelohnmacht", Platz 3 ging an Martina Dressel aus Grünbach mit "Angst".

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