Hochschul-Tüv: Bestnoten für Fachhochschule Markneukirchen

Der Studiengang Musikinstrumentenbau hat die Fachjury überzeugt. Zum 30. Geburtstag der Ausbildungsstätte in der Villa Merz gibt es aber Sorgen.

Markneukirchen.

Der Studiengang Musikinstrumentenbau Markneukirchen ist fachlich spitze. Zu diesem Urteil kommt eine Fachjury, die die Ausbildungsstätte im Jugendstil-Kleinod Villa Merz unter die Lupe genommen hat. Konzeption und Qualität der Lehre überzeugten die Experten, die unter Regie der Agentur Acquin aus Bayreuth prüften, ob die Studiengänge hochschultauglich sind. Das erfolgreiche Abschneiden bei der sogenannten Akkreditierung freut Studiengangsleiter Andreas Michel, kommt sie doch gerade recht zum 30. Geburtstag der Einrichtung im schönsten Hochschulgebäude Sachsens, das kommende Woche mit einem Jubiläumskonzert gefeiert wird.

Doch die Villa Merz ist nicht Villa Sorgenfrei: Die Prüfer nannten auch Kritikpunkte. Einer ist die materielle Ausstattung des Studiengangs, der zur Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau zählt. Das Budget der Ausbildungsstätte mit aktuell 38 Studenten ist schmal. "Wir haben richtig zu kämpfen", sagt Andreas Michel, der seit fast 20 Jahren die Professur für Musikinstrumentenkunde in Markneukirchen innehat.

Zweites Problem: Die sehr große Nachfrage aus dem Ausland kann der Studiengang nicht befriedigen. Die Hürden sind vor allem für Bewerber aus Nicht-EU-Staaten sehr hoch, weiß Michel. Die Scharfrichter heißen Bürokratie und vor allem der Nachweis, dass Studenten auch das Geld haben, hier zu studieren. Auf diese Weise konnte etwa ein fachlich bestens geeigneter Bewerber aus Brasilien nicht ins Vogtland reisen, ein Interessent aus dem Iran kämpfte zwei Jahre, bis er alles zusammen hatte, um seine Ausbildung in Markneukirchen zu starten. Einen tschechischen Studenten gibt es am Haus nach wie vor nicht.

Eine weitere Herausforderung erwartet den Studiengang in drei Jahren. Dann gehen Michel und sein Professorenkollege Gunter Ziegenhals in den Ruhestand. Die dritte Professur ist bereits unbesetzt, seit der Gewinner des Deutschen Musikinstrumentenpreises 2012, Robert König, nach Nürnberg gezogen ist. Für potenzielle Nachfolger werden seit längerem die Fühler ausgestreckt - die Kontinuität sei wichtig, genauso Identifikation mit der Hochschule und ihrem Umfeld als Zentrum des deutschen Orchesterinstrumentenbaus, betont Michel.

Generell blickt der Studiengangsleiter optimistisch in die Zukunft der Villa Merz, die sich in Phase 4 nach der Zeit als Musikinstrumentenhändlervilla, Arztpraxis und Kindergarten befindet. "Die Verflechtung von Praxis und wissenschaftlichen Methoden gelingt", sagt Michel. "Man sieht es an der Qualität der Abschlussarbeiten. Gegenüber der Zeit vor 15 Jahren hat die deutlich zugenommen." Die Markneukirchner setzen auf verstärkte Verzahnung mit anderen Instituten der Zwickauer Hochschule - Themen sind zum Beispiel das rechnergestützte Konstruieren, 3D-Drucken, Fräsen und Restaurieren. Die Vertiefung von Forschungen zu Geschichte und zum Bau von Instrumenten trägt ebenso allmählich Früchte - die Nachfrage nach den Arbeiten und in der Bibliothek steigt.

Zu 30 Jahren Studiengang findet am Freitag, 26. Oktober ein Kammerkonzert in der Villa Merz, Adorfer Straße 38 in Markneukirchen statt. Ab 19 Uhr spielen Marianne Rônez (Barockgeige, Violino a cinque corde, Viola d'amore) und Ernst Kubitschek (Cembalo).

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