Holländer singt Lieder fürs Herz und rüttelt auf

Glanzpunkt im König- Albert-Theater: Herman van Veen und sein Ensemble haben mit "Neue Saiten" den Fans einen lange ersehnten Wunsch erfüllt. Nicht deshalb wurde der Songpoet zum Ehrenkünstler geadelt.

Bad Elster.

Wie hätte es in dieser Situation auch anders sein können: Der Schalk saß ihm im Nacken, als Herman van Veen am Donnerstagabend vor dem Konzert den CVG-Marketingdirektor Stephan Seitz mit "Ach, Sie sind also der König Albert?" begrüßte. Zu viel der Hochachtung für ihn und versteckt auch für den Intendanten Florian Merz, als sie den niederländischen Songpoeten ungeachtet seines erst ersten Gastspiels in Bad Elster zum Ehrenkünstler ernannten.

"So schön, wie es früher war, ist es früher nie gewesen" - die Weisheit eines 74-Jährigen, mit der Herman van Veen sentimental, aber nicht traurig, sondern mit nachdenklicher Melancholie zurückblickt auf fast fünf Jahrzehnte Bühnenleben, nahezu 200 Tonträger, mehrere Bücher und vieles mehr. Das Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Theater dachte anders: Es ist immer noch schön, es ist immer noch ein ungetrübtes Erlebnis, den Songpoeten und Wortkünstler hautnah zu erleben. Er, der unnachahmlich in der Lage ist, Gedanken und Gefühle in Texte zu fassen, die ans Herz greifen und die Seele tief berühren.


Herman van Veen "warnte" - mit dem Schalk im Nacken - davor, dass es durchaus nicht ausgeschlossen sei, wenn wegen der von Wissenschaftlern prophezeiten Erderwärmung um zwei Grad und des damit verbundenen Anstiegs des Meeresspiegels möglicherweise 17 Millionen Holländer in Deutschland Zuflucht suchen. Herman van Veen malträtierte den Rönisch-Flügel, um nur Minuten später zärtlich über die Tasten zu streicheln. Nein, seine Hymne "Ich hab' ein zärtliches Gefühl" sang er nicht, von seinen alten Liedern nur "Anne", die berührende Ballade "Ich lieb' dich noch" und "Warum bin ich so fröhlich". Dabei watschelte er wie seine Zeichentrickente Alfred Jodocus Kwak mit dem Po wackelnd über die Bühne, als hätte er einen tiefen Schluck aus einem Jungbrunnen genommen. Herman van Veen mimte zur Begeisterung des Publikums einen Schattenboxer und rockte zu "Tutti frutti" zwischen seinen Musikern.

Seine Musiker: ein erlesenes Quartett von Solisten allererster Güte. Gitarristin Edith Leerkes, Van Veens nicht wegzudenkende Begleiterin seit vielen Jahren, Teufelsgeigerin Jannemien Cnoissen, Perkussionistin Wieke Garcia und Bassist Kees Dijkstra. Sie legten weit mehr als "nur" den Klangteppich für den Meister.

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