"Ich bin dankbar für diese Zeit"

Eva Stübiger aus Bad Brambach hat ein Jahr als Lehrerin im afrikanischen Land Benin gearbeitet. Im August kehrt sie zurück nach Deutschland.

Bad Brambach.

Sie ist angekommen. Das verrät ihr Foto. Mit Rastas, farbenfrohem Kleid und freundlichem Lächeln sitzt Eva Stübiger auf einem Baumstamm. Sie ruht in sich, blickt offen und ein bisschen stolz nach vorn. Sie hat eine Reise hinter sich, die sie nicht nur nach Westafrika führte, sondern auch ein Stück weit zu sich selbst. Ihr Jahr in Benin neigt sich dem Ende. Als Lehrerin an einer christlichen Privatschule hat die 19-Jährige dort über die Kinderhilfe Westafrika gearbeitet. Deutsch und Informatik waren ihre Fächer. Gelebt hat sie in einer Gastfamilie, wodurch ihr ein tiefer Einblick in das Leben der Einheimischen ermöglicht wurde.

"Im August werde ich zurück nach Deutschland fliegen. Der Abschied wird sicher schwer, aber ich freue mich auch schon auf mein Zuhause und meine duales Studium, das im Herbst beginnt", schreibt Eva Stübiger der "Freien Presse". Doch zuvor schickt sie noch einen Gruß aus Afrika ins Vogtland, lässt das Jahr Revue passieren und blickt auf ein Projekt, für das auch viele Menschen aus ihrem Heimatort Bad Brambach gespendet haben.

Denn ein fehlendes viertes Klassenzimmer ihrer Schule wird mit finanzieller Hilfe aus dem Vogtland gebaut. Vor allem über die evangelische Kirchgemeinde Bad Brambach wurde Geld gesammelt. "Dank eines weiteren Klassenzimmers wird den Schülern die Möglichkeit gegeben, ihrem Traum eines Schulabschlusses näher zu kommen. Durch die Unterstützung konnten schon der Zement und Sand gekauft, die Ziegel für den Bau der Schule gegossen und die Grundmauer errichtet werden", berichtet die 19-Jährige. "Leider fehlen noch die Mittel für den Bau des Dachstuhls und des Daches."

Das Projekt wird weitergehen, Eva Stübiger es aus der Ferne verfolgen. Ein Jahr in Afrika, was bleibt noch? Die Bad Brambacherin zieht Bilanz, spricht vor allem von Dankbarkeit. "In diesem Jahr verbesserte ich nicht nur meine Sprachkenntnisse - in Benin wird vor allem Französisch gesprochen - , sondern lernte auch einige Dinge die man in der Schule nie vermittelt bekommt. Man gewinnt Charakterstärke, setzt sich durch, ist das erste Mal allein unterwegs und muss sich irgendwie durchbeißen. Zum anderen reflektiert man die deutsche Kultur mit einem gewissen Abstand, schätzt den Wert von Wasser ganz neu oder erlebt, wie man Weihnachten ohne Geschenke feiern und trotzdem dankbar sein kann." Auch Fragen von Klimawandel und Umweltschutz seien in Benin viel spürbarer als in Deutschland. Die Zeit dort habe ihr gezeigt, wie gut es Deutschland geht und wie enorm das hiesige Konsumverhalten ist. "In unserem Einkaufsmarkt gibt es zwei Sorten Joghurt, in Deutschland vielleicht 50. Viele Freiwillige, die nach ihrem Aufenthalt zurückkommen, sind zunächst mit der Produktauswahl schlicht überfordert. Ich bin dankbar für die Zeit und die Unterstützung, die ich von der Heimat bekam und dass ich in so einem guten Umfeld aufwachsen konnte."

Dabei war der Anfang für sie nicht leicht. Nach dem Abitur am Gymnasium Markneukirchen brach sie auf. "Ich bin als Fremde in dieses Land gekommen und hatte sehr viel zu kämpfen. Ich habe selbst miterlebt wie schwierig es ist, sich in eine neue Kultur einzufinden. Man versucht freundlich zu sein, sich an alles zu halten, was man in den Seminaren gelernt bekommt, und wird dann doch hin und wieder komisch angesehen oder ausgeschimpft", berichtet sie. "Man versucht alles richtig zu machen und tritt doch in Fettnäpfchen, denkt man macht alles falsch. Die Einheimischen sprechen Sprachen, die man nicht versteht und man selbst kann sich nicht gut genug ausdrücken, weil einem die Vokabeln fehlen. Das kann oft sehr ermüdend sein."

Doch Eva Stübiger biss sich durch. "Ich lernte mich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Durch die Kirche setzte ich mich mehr mit meinem eigenen Glauben auseinander und lernte mit Grenzerfahrungen umzugehen. Man lernte hier Stärke zu zeigen und barmherzig zu sein." Eva zog vor allem aus ihrer Arbeit viel Kraft, erlebte Kinder, die hungrig sind auf Bildung, vor allen wenn ihnen der Zugang bisher verwehrt blieb. "Ich sehe die Fortschritte der Mädchen und bin sehr dankbar für diese Aufgabe, die mich so sehr erfüllt."

Spenden an: Kinderhilfe Westafrika, IBAN: DE03830500000000652164, BIC: HELADEF1IGER, Sparkasse Gera-Greiz, Verwendungszweck: Freiwilligendienst Eva, College Sion, Name Spender + Adresse (wichtig für Spendenquittung)

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