Idee von der Möbius-Oberschule

Die Bürgermeister-Erinnerungsstätte auf dem Friedhof Oelsnitz wächst. Aber es gibt Stimmen, die sich über eine Würdigung andernorts freuen würden.

Oelsnitz.

Am Mittwochnachmittag hat Rolf Möbius den roten Samt von der neuen Gedenktafel gezogen, die den Namen seiner vor sieben Jahren verstorbenen Frau trägt. Der Witwer der fast 20 Jahre als Oelsnitzer Stadtchefin amtierenden Eva-Maria Möbius ließ gegenüber "Freie Presse" durchblicken, dass er sich über eine Ehrung direkt im Stadtbild gefreut hätte. Auch andere Teilnehmer der Gedenkfeier hegten solche Gedanken. Ein möglicher Ort, der immer wieder genannt wurde, ist eine Namensgebung für die Oberschule Oelsnitz. Die Generalsanierung des Hauses am Karl- Marx-Platzes war der OB ein ganz persönlich wichtiges Anliegen ihrer Amtszeit gewesen - in der Schule wird sich ihrer bis heute dankbar erinnert.

Doch die Bürgermeistergedenkstätte auf dem Oelsnitzer Friedhof wirft noch mehr Fragen auf. Vizebürgermeister Ulrich Lupart (AfD) kann keine klare Linie der Stadt bei der Auswahl der hier Geehrten erkennen. "Ich werde im Stadtrat eine Tafel für Kurt Reichel beantragen", kündigte er eine Initiative zur Erinnerung an den 1990/91 amtierenden Bürgermeister nach der politischen Wende an. Reichel war 2010 tödlich verunglückt. "Zu kurz im Amt", beschied OB Mario Horn (CDU) Lupart auf dessen Frage, warum es bisher für Reichel keine Tafel gab.

Indes sind die jetzt enthüllten Tafeln für Möbius und Bürgermeister Otto Riedel (im Amt 1945 bis 1950) die ersten, für die sich die Stadt den Hut mit aufsetzte. 2003 war es der Oelsnitzer Ehrenbürger Peter-Emil Rupp gewesen, der die Ehrung für Otto Risse anregte. Grund: Risse habe im Nationalsozialismus die schützende Hand über die Familie Rupp - die Mutter war Jüdin - gehalten. Freunde und Schulkameraden Rupps griffen die Initiative auf und setzten sich für eine Ehrung von Carl Burckhardt und Ernst Heppe ein. 2005 folgte auch auf Privatinitiative die Tafel für Otto Bachmann, der 1927 in Oelsnitz zum ersten kommunistischen Bürgermeister einer deutschen Stadt gewählt wurde. Die Fehler auf der Risse-Gedenktafel sollen korrigiert werden, sagte Horn auf Nachfrage. Die Tafel trägt 1947 und Mühlberg als Sterbeeintrag - eine Namensverwechslung. Risse wurde, wie der Oelsnitzer Gottfried Bretschneider (1929-2011) 2010 nach jahrelangen Recherchen herausfand, 1945 als "faschistischer Übeltäter" bei Moskau erschossen.


Kommentar: Ein Ort des Lebens

Die Rolle des missgelaunten Opas spielte am Mittwochnachmittag Ulrich Lupart (AfD) auf dem Oelsnitzer Friedhof. Da sei gar keine Strategie der Stadt erkennbar, kritisierte er zur Enthüllung zweier neuer Gedenktafeln. So weit, so falsch. Lupart ist offensichtlich entgangen, dass es sich bei den zuvor angebrachten vier Tafeln um private Initiativen handelt, die die Stadt dankend annahm. Viel mehr stellt sich doch hier die Frage, ob die gut gemeinte Tafel für Eva-Maria Möbius wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. Wir hätten da eine Idee: Warum nicht die Oberschule Oelsnitz nach ihr benennen? Sie an einem Ort des Lebens zu würdigen, würde ihr am besten gerecht.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    olesniza
    21.03.2019

    1.Oberschule II oder Karl-Marx-Oberschule; das war und bleibt die Bismarckschule....
    2.es ist die Pflicht eines BM/OBM die Sanierung von Schulen und KiTa's voranzutreiben, denn die Kinder sind unsere Zukunft.Dazu ist eine "Ehrung" als Namensgeber(in) einer Schule nicht erforderlich.
    3.Die Schulleiter/Direktoren werden für Ihre sehr gute und aufwendige Arbeit auch nicht "geehrt" und geraten schnell in Vergessenheit, oder wer kennt sie alle noch und was sie leisten bzw. geleistet haben?
    4.mein Vorschlag: Anbringen einer "Gedenktafel" mit den Dienstzeiten der Schulleiter/Direktoren an der Schule



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