Imker im Oberland von Bienensterben bisher verschont

Summende Wunderwelt: Der 24. Imkertag im Freilichtmuseum Landwüst lockte am Sonntag rund 800 Besucher an.

Landwüst.

Frischer und natürlicher geht es nicht. Die Waben aus der Beute genommen, vor Ort entdeckelt und geschleudert - wie flüssiges Gold rann der Honig in Gläser und ging bei vielen Besuchern weg wie warme Semmeln.

Obwohl der Imkertag bereits zum 24. Mal stattfand, ist das Interesse an ihm ungebrochen. Aus Zwickau, Chemnitz, Auerbach oder Plauen, natürlich auch aus der näheren Umgebung, strömten zum Imkertag. Ein Grund dafür: So nahe ist man der Wunderwelt der Bienen sonst nie, kann nicht an einer Schaubeute das wimmelnde Bienenvolk beobachten oder zusehen, wie die Waben geschleudert werden. Das vermittelt einen kleinen Eindruck und schärft das Bewusstsein dafür, wie wertvoll das Naturgut Honig und die Vielzahl an Produkten daraus ist. Und es lässt erahnen, wie viel Arbeit, Mühe und Geduld, gepaart mit Erfahrung und Kenntnis, ein - sei es nun professioneller oder hobbymäßiger Imker - seinen Bienen widmet, widmen muss. Bei einem Rundgang übers Museumsgelände gab es jede Menge zu entdecken und für Kinder Gelegenheiten zum Mitmachen. Beim Kerzengießen aus Bienenwachs oder bei Rollen von Wachsplatten. Währenddessen hatten die Eltern die Qual der Wahl unter anderem am Kuchenstand. Favorit: Bienenstich.

Auch zwei Vorträge gab es. Zu "Vitalität im Beruf und im Alltag mit Naturprodukten" sprach Jürgen Schmiedgen. Ralf Gruber widmete sich "Schönheit, Bedeutung und Schutz von Insekten. Warum uns das Insektensterben betrifft".


Was sagen Imker der Region zum Verschwinden der Insekten und zum Bienensterben?

Frank Heckers, Oelsnitz: Ich finde es gut, dass das Bienensterben zurzeit so in den Medien thematisiert wird, obwohl es das Problem des Einsatzes von Neonicotinoiden schon seit Jahren gibt. Fakt ist, dass die Landwirte darauf nicht verzichten können, um entsprechende Erträge zu erzielen. Die Frage ist doch nur, ob sie sich dabei an die Vorschriften halten und nicht in Massen spritzen. Ich finde: je weniger desto besser. Persönlich habe ich noch keine Verluste bei den Völkern erlitten. Das kann man aber nicht pauschalisieren und jeder Imker sollte sich auch fragen, ob er nicht selbst Fehler gemacht hat.

Gudrun Ludwig, Rohrbach: Toi, toi, toi - bisher sind wir verschont geblieben. Wichtig ist, dass man sich mit den Bauern in der Umgebung abspricht. Wir laden sie im Februar zu einer Veranstaltung ein und sprechen mit ihnen darüber, geben Hinweise. Zum Beispiel, wann sie gegen den Rapsglanzkäfer spritzen sollten. Nämlich abends, wenn die Bienen zu Hause sind, und nicht in der Mittagszeit. Dann nehmen sie die schädlichen Stoffe auf, kommen nervlich durcheinander, finden nicht mehr zurück und sterben. Trotzdem muss auch ein Imker darauf achten, dass er seine Völker richtig pflegt.

Knut Schiller, Bad Brambach: Ich bin froh, dass es ein EU-Verbot für Neonicotinoide gibt. Gefährlich ist auch, dass Raps vor der Aussaat gebeizt wird. Dadurch sind die Stoffe schon im Saatgut.

Mikrobestandteile, die von den Bienen aufgenommen werden, reichen aus, um bei ihnen Schäden zu hinterlassen. Ich habe bisher keine schlechte Erfahrungen gemacht. Das liegt an den Standorten der Völker, weil dort keine professionelle Landwirtschaft betrieben wird. Ein anderes Problem ist der Anbau von Monokulturen wie Raps, weil sich die Bienen dadurch nur einseitig ernähren können. (eso)

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