"Jeder Sterbefall ist der erste"

Ines Schneider, die wohl dienstälteste Bestatterin im oberen Vogtland, feiert heute 60. Geburtstag. Ihre Nachfolgerin steht bereit.

Oelsnitz.

Um den heißen Brei herumreden kommt für Ines Schneider, die Geschäftsführerin der Trauerhilfe Heimkehr Oelsnitz, nicht in die Tüte. "Ich bin ja doch bekannt", sagt die in Tirpersdorf wohnende Firmenchefin, die heute ihren 60. Geburtstag feiert. Mit 37 Jahren Berufserfahrung ist sie die wohl dienstälteste Bestatterin im oberen Vogtland. Und bei aller Geradlinigkeit will sie das Gespür für ihre Arbeit nicht verlieren. "Für mich ist das eine Berufung. Ein Entsorger wollte ich nicht sein, und das wollen wir nie werden. Ich mache es nach wie vor mit Leidenschaft. Jeder Sterbefall ist für mich der erste", will die langjährige Firmenchefin schon den Anschein von Routine und Abstumpfen nicht aufkommen lassen.

Gar nichts aufkommen lassen - das gilt auch für die Zukunft. "Die nächste Generation steht in den Startlöchern", sagt Ines Schneider. Ihre Tochter Jessica Schilbach wird ihr als Geschäftsführerin nachfolgen. "Es wird ein fließender Übergang sein - innerhalb der nächsten vier Jahre ist er vorgesehen", sagt die Vogtländerin, die am 11. Januar 1959 als Hausgeburt im Oelsnitzer Gaswerk das Licht der Welt erblickte. Sie führt Regie, in der Firma wie bei Sterbefällen. Denn viele wollen die Fragen um eine Beerdigung heute als Paket vom Bestattungsinstitut beantworten lassen. Eine Angebot, das die am 1. September 1990 gegründete Trauerhilfe Heimkehr bewusst ausgebaut hat. Ausführliche Gespräche, gern auch im von Ines Schneider gegründeten Trauerkreis, sind eine zentrale Säule. Über den Tod reden - Frauen fällt es oft leichter, so Ines Schneiders Erfahrung. "Männer sind schwerer zu knacken. Aber wenn du sie einmal hast, hast du sie ganz", erzählt sie davon, dass auch der, der gern den starken Kerl gibt, mal ein Wort, eine Schulter zum Anlehnen braucht.

Obwohl lange dabei, kam Ines Schneider als Quereinsteigerin 1982 zur damaligen Stadtwirtschaft. Doch ihre Ausbildung als Fachverkäuferin und die Arbeit im Kraftverkehr zuvor haben der Chefin das Wissen auch in solchen Fragen verschafft. Das Institut selbst hat sie allein aufgebaut. "Es ist mein drittes Kind - und mein wichtigstes", betont Ines Schneider. Dazu kam Hilfe von Wolfgang Kreil, damals Bestatter in Selb, CSU-Stadtchef und früherer Oberbürgermeister der Porzellinerstadt. Er gehört heute Vormittag bei Ines Schneider zu den vielen Geburtstagsgästen.

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