Jubiläum als Anschub für die Zukunft

Am 1. Oktober werden es 100 Jahre, dass Klingenthal Stadtrecht erhielt. Um das Jubiläum drehten sich am gestrigen Sonntag gleich drei Veranstaltungen.

Klingenthal.

Knapp einen Monat, nachdem Klingenthal in den Rang einer Großen Kreisstadt erhoben wurde, tritt die Stadt in die heiße Phase des Jubiläums "100 Jahre Stadtrecht" ein, dessen Höhepunkt die Festveranstaltung am 13. Oktober sein wird. Mit einem Tag der offenen Tür in der Stadtverwaltung, der Eröffnung einer Sonderausstellung und der Einweihung des Tafelweges gab es gestern gleich drei Veranstaltungen. Dazu wurde außerdem der in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren gedruckte Jahreskalender für 2020 vorgestellt.

Rathaus: Fünf Jahre, bevor Klingenthal Stadtrecht erhielt, hatte man bereits ein repräsentatives Rathaus, wie Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU) am Sonntagvormittag bei einer Führung betonte. Rund zwei Dutzend Interessenten waren gekommen, um das Gebäude abseits des Alltagsgeschäfts zu erkunden. Für das Rathaus-Projekt hatte 1911 der Architekt Richard Merz aus Dresden zu Zuschlag erhalten. Dieser beauftragte den Auerbacher Baumeister Max Leheis mit der Ausführung. Die Grundsteinlegung fand am 27. Mai 1913 statt, die Einweihung bereits am 15. Juli 1914.


"Insgesamt weist das Rathaus eine ganz solide Bauweise auf", weiß der Klingenthaler Bauunternehmer Christian Krause, der 2011 die Möglichkeit hatte, bei der Sanierung den auch Unterbau des Gebäudes zu begutachten. "Der Eingang von der Kirchstraße her ruht beispielsweise auf Balken aus Stahlbeton. Das Material war damals erst wenige Jahre in Gebrauch", so der Baufachmann. Zu den ersten Stahlbeton-Hochbauten in Deutschland gehörte das Gebäude der Königlichen Anatomie in München, errichtet von 1905 bis 1907. Die Granitstufen am Rathauseingang auf der Seite zum Marktplatz stammen aus dem Bayerischen Wald. Christian Krause: "Die großen Stufen wiegen etwa 3,5 Tonnen. Aus heutiger Sicht war deren Verlegung 1914 eine Meisterleistung."

Veranschlagt war der Bau des Rathauses mit 110.000 Reichsmark, 27.000 Reichsmark waren bereits für das Grundstück bezahlt worden. Samt Inneneinrichtung kostete das Rathaus letztlich 199.653,14 Reichsmark, wie die Endabrechnung vom 3. Oktober 1917 belegt. Zum Vergleich: Allein in die 2007 begonnene und 2013 abgeschlossene Sanierung flossen mehr als 900.000 Euro.

Ausstellung: Den Titel "100 Jahre und noch mehr" trägt die Sonderausstellung, die nun bis 22. September im Musik- und Wintersportmuseum gezeigt wird. Gestaltetet wurde sie mit zahlreichen Bildern aus dem Fundus der Klingenthalers Hans Hoyer. Ein besonderes Ausstellungsstück ist nach den Worten von Museumsmitarbeiterin Xenia Brunner der Schriftverkehr aus den Jahren 1657 bis 1660, als Klingenthal erstmals um das Stadtrecht nachsuchte - und Moritz- oder Moritz-Freistadt heißen wollte. Die Dokumente befinden sich heute im Staatsarchiv in Chemnitz. Xenina Brunner und Manfred Gäbler als Vorsitzender des Museumsvereins dürften wahrscheinlich seit Kurt Erich Dörfel die ersten gewesen sein, die sie wieder in Augenschein nahmen. Der Klingenthaler Chronist hatte die Akten für sein 1930 erschienenes Buch über die Geschichte der Orte des Amtsgerichtsbezirkes Klingenthal gesichtet.

Nicht minder interessant für Ausstellungsbesucher dürfte Projekte sein, die man in Klingenthal einst plante - von Bad Mittelberg mit radiumhaltigen Quellen über die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 1936 bis zu einer überdachten Kunsteisbahn. Ebenfalls ein Blickfang sind Pläne von 1927 für eine Erweiterung des Rathauses samt einem Turm. Eine solche Erweiterung wäre aus Sicht von Oberbürgermeister Hennig auch jetzt nicht abwegig - dann hätte man auch Bauamt und Archiv mit unter einem Dach.

Tafelweg: Wer als Besucher Interessantes aus der Klingenthaler Vergangenheit erfahren will, kann eine Wanderung auf dem Tafelweg unternehmen. Neun Schautafeln geben dabei Auskunft zu verschiedenen Themen. Es ist ein Projekt, wie Manfred Gäbler betonte, das der Museumsverein ins Leben gerufen hatte. Bereits 2004 war die erste Info-Tafel am ehemaligen Bergwerk in Unterklingenthal aufgestellt, weitere stehen am Platz des ehemaligen Gasthofs Zum grünen Baum im Stadtteil Brunndöbra und am ehemaligen Waldgut Untersachsenberg. Ab 2016 wurde das Vorhaben im Hinblick auf das Stadtrechtsjubiläum mit Unterstützung des Klingenthaler Ortschaftsrates forciert - mit Tafeln am einstigen Grenzbahnhof, am früheren Alten Schloss oder am Marktplatz.

Oberbürgermeister Hennig wünscht sich, dass der Tafelweg künftig von den Schulen für genutzt wird, um auch mehr Wissen über die Region zu vermitteln.

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