Juchhöh-Wirtsleute sagen Servus

30 Jahre betreiben Ilona und Peter Jahnsmüller die beliebte Gaststätte im Tirpersdorfer Ortsteil. Zum Jubiläum verabschieden sie sich - mit guten Nachrichten.

Tirpersdorf.

155 Jahre hatte es gedauert. Dann begannen Ilona und Peter Jahnsmüller aus der königlichen Konsumgaststätte eine touristische Vogtlandperle zu formen. Jetzt feiert das allseits beliebte Gastronomen-Ehepaar an historischem Platz den 30. Geburtstag. Ihre "Juchhöh" haben Ilona und Peter in drei Jahrzehnten zu einem der bekanntesten Ausflugslokale der Region gemacht. Die Feierlichkeiten mussten wegen der Corona-Einschränkungen verschoben werden. "Wir gehen im Januar in den Ruhestand und haben dann ja im Anschluss genug Zeit, um nachzufeiern", nahmen es die Jubilare gelassen.

Wirtschaftlich noch komplizierter als der gegenwärtige Lockdown gestaltete sich der Start für die "Juchhöh". Das Gebäude war nach 40 Jahren DDR-Misswirtschaft zur Ruine heruntergekommen. Doch "die Kipp" hatte Charme und eben eine königliche Tradition. 1835 genehmigte der sächsische König im kleinen Ort Juchhöh einer Landwirtschaft den Bierausschank. Es war der Beginn einer ewig langen Zeitreise, die um ein Haar mit der Einführung der D-Mark zu Ende gegangen wäre. Denn "die Kipp" - der Name entstand im Volksmund, weil das Lokal oben auf einer geologischen Kippe liegt - schloss am 31. Dezember 1989. Im Tirpersdorfer Ortsteil bereiteten sich die Menschen auf die Wiedervereinigung und die Einführung der harten Währung vor. Alle Blicke waren in jener Zeit gen Westen gerichtet. Nur Ilona Jahnsmüller ließ dieses Gebäude an der Hauptstraße nicht aus dem Auge. Das Objekt wurde gekauft! "Es war für mich der große Traum, in meinem Heimatort trotz aller Schwierigkeiten eine Gaststätte zu eröffnen", denkt Ilona auch heute noch gerne an jenen 6. Dezember 1990 zurück.

Es war eine völlig verrückte Zeit. Viele Neuunternehmer starteten mit Goldgräberstimmung durch, um später in Wildwest-Manier oft auch völlig unverschuldet wieder aus dem Sattel zu steigen. Ilona und Peter Jahnsmüller aber hatten die Zügel fest im Griff. Die Wirtsleute waren aus heutiger Sicht vollkommen überqualifiziert. Denn Ilona konnte beim Rat des Kreises Abschlüsse als Technische Zeichnerin, Textilzeichnerin und Wirtschaftskauffrau vorlegen. "Zudem habe ich im Netzschkauer Schützenhaus bedient. Dort entdeckte ich die Liebe zur Gastronomie", berichtet die spätere Küchenfee. Ihr Peter hängte seinen Job als Bauingenieur an den Nagel, "wobei ich zwischenzeitlich wieder zurück auf die Baustelle gegangen bin, aber nach sechs Monaten von Ilona zurückgepfiffen wurde", lacht der Ehemann.

Heute sind die lebenslustigen Vogtländer bereits 47 Jahre verheiratet. "Zwei Dinge haben sich für uns nicht verändert: Uns kommt kein Fertiggericht ins Haus und zu einem guten Essen gehört ein leckeres Sternquell!" Deshalb ließen es sich Sternquell-Geschäftsführer Jan Gerbeth und Gebietsverkaufsleiter René Hofmann auch nicht nehmen, zum Jubiläum persönlich zu gratulieren, wie die Brauerei informiert.

Für Stammgäste ist es immer wieder ein Hochgenuss, wenn in der "Juchhöh" das berühmte Hirtensteak mit Knoblauchsauce zusammen mit einem Frischgezapften serviert wird. Ebenso zum Renner geworden sind die Käsebällchen a la Jahnsmüller.

Die Geheim-Rezepturen ihrer Speisekarte haben die Wirtsleute übrigens weitergegeben an ihre Nachfolger. (kare)

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