Kabarettist Florian Schroeder - bitterböse und messerscharf

In einen "Ausnahmezustand" versetzte der Kabarettist am Sonntag das Publikum in Bad Elster.

Bad Elster.

Es war für Florian Schroeder recht verwunderlich, dass er von seinem Auftritt in Jena tags zuvor per Navi über Tschechien nach Bad Elster geführt wurde. Beeindruckt zeigte er sich von den Wäldern ringsum, den vielen Rollatoren und den frühen Schließzeiten der Gaststätten. Was er sich erhoffte und darin nicht enttäuscht wurde: ein gutes und schlaues Publikum.

Der Wahlberliner gilt als ein intellektueller Kabarettist, der auf mimischen Schnickschnack, Perücken und billigen Witzchen verzichten kann. Er punktete auch in Bad Elster mit geschliffenen Worten und tiefgehenden Gedanken, die sich scherzhaft ins Hirn bohrten wie ein Holzsplitter in die Hand. Kaum etwas, das er in seinem Programm "Ausnahmezustand" aussparte, es bitterböse und messerscharf sezierte: nicht die Weltpolitik und politische Widersinnigkeiten im eigenen Land. Er stellte Fragen, die jeden angehen und über die es sich nachzudenken lohnt: wie das Böse in die Welt kommt oder ob es schon immer da war und wie man ihm entgegen treten kann, ob ein selbstfahrendes Auto auch moralische Entscheidungen treffen kann, ob Psychopathen und Millionäre sich nicht voneinander unterscheiden, warum Kontrolle besser ist als Vertrauen. Florian Schroeders Botschaft: Der Ausnahmezustand, wie wir ihn derzeit erleben, ist der Normalzustand.


Sprüche aus dem Programm

Kabarett ist die einzige Kunstform, bei der sich der Kabarettist und das Publikum einig sind. Deshalb mache ich Kabarett.

Gut sein heißt heute links sein.

Vergleiche zwischen Linken und AfD verharmlosen den Faschismus.

Rot-Schwarz würde gut funktionieren. Die CDU müsste sich allerdings auf eine Partei einstellen, die eine eigene Meinung hat.

Ich bin für eine Frauenquote mit Obergrenze - sagen wir 2.

Irgendwann wird die CDU den Dammbruch wagen und mit der AfD koalieren oder sich von ihr tolerieren lassen.

Lassen wir doch die AfD links liegen und kümmern uns um die anderen 75 Prozent.

Viele Prominente halten Greta für eine Insel im Mittelmeer.

Warum freitags was über den Widerstand im Dritten Reich lernen, wenn es doch an der Zeit ist, selbst Widerstand zu leisten?

Ist Trump ein Rassist? Nein, selbst dafür ist er zu blöd.

Seit es im Supermarkt keine Negerküsse mehr gibt, gibt es auch keinen Rassismus mehr.

Der Mensch ist böse. Deshalb muss er ständig kontrolliert und dazu gebracht werden, dass er Gutes tut. Smartphone, Klamotten, Auto - jeder von uns hat weltweit 60 Sklaven.

Woran erkennt man einen schwäbischen Macho? Er nennt seine Frau Spätzle.

Alle meine Erwartungen von Bad Elster haben sich erfüllt. Meine Erwartungen waren niedrig. (eso)

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