Katzensprung statt Weltreise: Freie Fahrt über die Grenze

Fast 75 Jahre war die uralte Straßenverbindung von Bad Brambach nach Fleißen/Plesná gekappt. Warum die Eröffnung der wiederhergestellten Straße erst der Anfang sein soll.

Bad Brambach/Fleißen.

Dass eine Grenze trennt, brauchte den Menschen in Bad Brambach und Fleißen/Plesná keiner zu erzählen. Sie sahen es, spürten es, erlebten es, was es bedeutet, wenn jahrhundertealte enge Verbindungen in Vereinen, Arbeit und im Glauben zwischen drei Kilometer nahen Orten abgeschnitten sind. Für das Miteinander markiert der 21. November 2019 einen ganz großen Schritt. Es ist die Öffnung der wiederbelebten Verbindungsstraße. "Es war die letzte Straßenverbindung über die Grenze, die noch nicht gebaut war. 30 Jahre hat es gedauert - eigentlich aber schon seit Kriegsende", umriss Landrat Rolf Keil (CDU) die Dimension, wie lange diese Trasse unpassierbar war.

Jahrzehntelang war der Weg vom Kurort ins Nachbarstädtchen eher eine Weltreise, erinnerte Bad Brambachs Bürgermeister Maik Schüller (parteilos): Über den Berg Richtung Franzensbad, auf tschechischer Seite zurück (siehe Grafik). Nun ist es ein Katzensprung, der auch Radfahrern ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Das probierten am Donnerstag viele per Drahtesel aus. Denn straßenbegleitend entstand für 196.000 Euro ein gut 750 Meter langer Radweg, anknüpfend an die neue weiterführende Trasse in Tschechien.

Die Straße über die Grenze ist seit 2015 konkret Thema. Start: eine Kooperationsvereinbarung zwischen Bad Brambach, Fleißen, Vogtlandkreis und Bezirk Karlsbad. Der Bau auf Fleißner Seite ist seit 2018 fertig, auf deutscher wurde seit Ende März gebaut. "Ein Dreivierteljahr Bauzeit ist eine hervorragende Leistung", lobte Keil die Planer von Projekta und die Bauleute von VSTR. Von 9,015 Millionen Euro Kosten entfallen 3,55 Millionen auf den Vogtlandkreis. Die EU fördert mit 85 Prozent.

Entscheidend sei nicht die Größe der Straße, sondern ihre Bedeutung, unterstrich Martin Hurajčik, Vizechef der Regionalverwaltung Karlsbad. Selbst für einen Nicht-Autofahrer wie Bad Brambachs Chronist Erhard Adler erfüllt sich mit der neuen Verbindung eine Hoffnung: Mit dem neuen Fuß- und Radweg haben es auch Fußgänger zwischen den Orten jetzt viel leichter. Die Idee eines gemeinsamen Rundweges für Fußgänger und Radler zwischen den Orten brachte Maik Schüller ins Gespräch. Dass die neue Straße im Kurort auf Zustimmung stößt, liege auch daran, dass sich Behörden bei Trassenverlauf und Einwänden Bad Brambachs Wünschen nicht verschlossen, meint CDU-Gemeinderat Otto Fischer. Bevor Pfarrer Dieter Zimmer und sein für Fleißen zuständiger Amtskollege Petr Tomasek der Straße ihren Segen erteilten, beschwor Fleißens Bürgermeister Petr Schaller die historische Dimension: Auf einer Straße, auf der 1968 sowjetische Panzer zur Niederschlagung des Prager Frühlings rollten, werde nun im 30. Jahr der Samtenen Revolution Gutes vollendet.

Am Donnerstag war auch Thema, wie es mit dem Bau der Verbindung Bad Brambach-Asch/Aš weitergeht. Aschs Bürgermeister Dalibor Blažek: "Neid ist überhaupt nicht schön. Aber ich muss ehrlich zugeben, heute beneide ich die beiden Orte. Wir stehen am Anfang einer sehr wichtigen Verkehrsverbindung. Asch weiß genau, wie wichtig sie ist. Uns hat die Verbindung nach Bad Elster und Selb sehr nach vorn gebracht." Bislang sei es aber nicht gelungen, Mittel zu finden, Asch mit Bad Brambach zu verbinden. Wahr sei auch, dass das komplizierter sei als die Trasse von Fleißen her. Asch werde alles daran setzen, dies hinzubekommen - erst dann könne die Straße ab Fleißen die Bedeutung erlangen, die ihr zugesagt wurde, sagt Blažek. Genau das liege auch in Fleißens Interesse, so Petr Schaller.

Dass es den zweiten Schritt geben muss, davon ist auch Wolfgang Newald überzeugt. "Wir haben fest dran geglaubt, dass die Straße nach Fleißen kommt", betont Bad Brambachs langjähriger Bauhofchef. Die Straße seit top geworden, und sie führt nicht direkt an der Bad Brambacher Grundschule vorbei, sagt er erleichtert - aber auch: "Mit Asch muss sich eine Lösung finden. Sonst ist es nur eine halbe Lösung."

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