Kein Nachfolger: Kinderarzt-Stelle weg

Plauen verliert einen Kinderarzt - obwohl es wieder mehr Kinder gibt. Die Kassenärztliche Vereinigung streicht eine Stelle für die Stadt. Denn für eine alteingesessene Praxis findet sich kein Nachfolger.

Plauen.

Es lief schon schlechter für Plauen und seinen Nachwuchs. Das merkt man daran, wie die Stadtverwaltung agiert. Sie baut neue Kindergärten und hat Spielgeräte in die Innenstadt gestellt, denn es gibt wieder mehr Kinder. Und die müssen in den Wartezimmern der Kinderärzte jetzt noch ein bisschen enger zusammenrücken.

Ab sofort gibt es einen Kinderarzt weniger in der Stadt. Es bleiben sechs Praxen. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KV), die den Bedarf an Ärzten plant, streicht eine Stelle: die der verstorbenen Ärztin Gabriela von Gebhardi. Seit Jahresbeginn darf in ihrer Praxis im Chrieschwitzer Hang kein Pädiater mehr arbeiten. Auch den Vertretungsarzt, der seit Monaten den Betrieb dort aufrecht erhält, dürfen die Erben der Praxis im Chrieschwitzer Hang nicht weiter beschäftigen.

Der Telefonanschluss ist abgeklemmt. Rosi Löchner und Gabi Nendel, die beiden Schwestern, räumen dieses Mal nicht nur die Weihnachtsdeko weg: die lila Riesen-Bommelmützen, die sie über die Bürostühle gestülpt haben, und den Weihnachtsmann. Alles packen sie in Kisten, bevor sie nach 26 Jahren den Schlüssel herumdrehen. Die Praxis ihrer langjährigen Chefin wollte keiner übernehmen. Das hat Folgen für das Vogtland.

Die Kinderarzt-Stelle fällt nicht nur weg, bis sich doch noch jemand niederlassen möchte. Sie fliegt aus der Statistik. Eine Neuzulassung ist nicht möglich. In den nächsten Tagen trifft sich der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, sagt KV-Mitarbeiterin Patrice Fischer. Er werde das Ende der Praxis besiegeln und damit die Stelle Nummer 7 für Plauen streichen. Der Grund ist, dass Plauen und der Vogtlandkreis zusammen als überversorgt gelten. Die Region ist im Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung mit 11,5 Stellen angegeben. Tatsächlich praktizieren 16 Kinderärzte. Ein neuer Mediziner kann nur nachrücken, wenn er eine bestehende Praxis übernimmt.

Nun bemüht sich Deutschland darum, kinderfreundlich zu sein, und das fruchtet. Zumindest gebären Frauen im Durchschnitt wieder mehr Kinder. Jeder zehnte Vogtländer ist jünger als 14. Rund 24.000 sind es im Landkreis. Eltern erzählen von langen Wartezeiten, besonders auf den Termin für Vorsorgeuntersuchungen ihres Nachwuchses.

Rainer Gebhardt hat seine Praxis in Plauen. Auf ihn und seine Kollegen werden sich die kleinen Patienten der geschlossenen Praxis nun wohl verteilen. "Wir machen in den Mittagspausen Vorsorgeuntersuchungen, um alles zu schaffen", sagt er. Seit etwa drei Jahren gebe es für Kinder zwischen 5 und 13 drei zusätzliche Vorsorgen. Damit sei das Pensum an solchen Untersuchungen etwa um ein Drittel gestiegen.

Bis zuletzt haben Schwester Rosi und Schwester Gabi gehofft. Sie hatten die Idee, jemand Branchenfremdes könnte die Praxis kaufen und Vertretungsärzte beschäftigen. Aber dieses Modell ist nicht erlaubt. Nach dem Tod eine niedergelassenen Kassenarztes haben die Eigentümer ein halbes Jahr Zeit, einen Käufer zu finden. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen gab den Gebhardis drei Monate zusätzlich.

Die letzte junge Ärztin, der Schwester Rosi die Hand schüttelte, stammt aus Bayern. Wegen der fehlenden ICE-Anbindung habe sie sich gegen Plauen entschieden als den Ort, in dem sie leben möchte. Bis Ende des Monats werden die beiden Arzthelferinnen noch vor Ort sein und Akten aushändigen, dann gehen sie zum Arbeitsamt. "Wir sind flexibel und eingespielt. Vielleicht übernimmt uns jemand zusammen", sagt Rosi Löchner.

Für Fragen zu Patientenakten ist die Praxis unter Ruf 0151 52273579 erreichbar.

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