Kirche zieht sich zurück: Runder Tisch löst sich auf

Wille zur Gemeinsamkeit fehlt - Neues Bündnis will Arbeit fortsetzen

Plauen.

Die evangelisch-lutherische Kirche hat ihre Arbeit und moderierende Rolle am Runden Tisch für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtlandkreis zum Ende des Jahres 2020 eingestellt. In einer von Superintendentin Ulrike Weyer und Pfarrer Hans-Jörg Rummel unterzeichneten Mitteilung heißt es: "Wir sind dankbar für die aktive, kooperative und engagierte Zusammenarbeit, die wir an vielen Stellen erlebt haben, auch für den Rückhalt, den wir von verschiedener Seite bekommen haben."

Es sei jedoch "immer schwieriger geworden, die breite Zivilgesellschaft sowie den Großteil der Parteien an einem Tisch zu versammeln. Es fehlte bei einigen wiederholt ein erkennbarer Wille zur Gemeinsamkeit." Schmerzhaft habe man erleben müssen, "dass verschiedene Akteure ihre Mitarbeit aufkündigten und der Runde Tisch zunehmend in Misskredit gebracht wurde". Das habe nicht dem gemeinsamen Anliegen und auch nicht dem gesellschaftlichen Zusammenhalt gedient. So sei man zur Einschätzung gelangt, "dass wir als Kirche unsere Aufgabe als Moderatorin nicht mehr erfüllen können". Aktiv begleitet habe sie den Prozess hin zu einer neuen Organisationsform, um Herausforderungen aufnehmen zu können. Weyer und Rummel versichern: "Unabhängig von all dem, werden wir uns als Kirche ... weiterhin für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte einsetzen."

Zugleich informiert die bisherige Koordinatorin am Runden Tisch, Ulrike Liebscher, dass sich am 7. Januar nun ein Bündnis für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtlandkreis gegründet habe. In der konstituierenden Online-Sitzung wurden als Sprecher Felix Bräunlich und Ulrike Liebscher gewählt. Liebscher: "Wir sind überzeugt, dass eine Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure möglich ist, wenn bei Differenzen das gemeinsame Ziel im Vordergrund steht sowie bei Diskussionen das Vertrauen zu den Mitstreitern und der Wille zum Kompromiss spürbar vorhanden sind."

Der Runde Tisch hatte sich 2012 auf Initiative des damaligen Superintendenten Matthias Bartsch gebildet, um rechtsextremistischer Propaganda und Aufmärschen sowie Gruppen entgegenzuwirken, die den Rechtsstaat diskreditieren. Nach wiederholten Zerwürfnissen ließ im vorigen Jahr die CDU ihre Mitgliedschaft am Runden Tisch ruhen, der Colorido-Verein verließ ihn ganz. (us)

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