Klingenthal: Polen sorgen für Weihnachtsstimmung

Der Weltcup der Skispringer sorgt für 3000 Übernachtungen in der Region. Auch zahlreiche polnische Fans haben den Weg ins Vogtland gefunden. Zum Weltcup-Teamspringen am Samstag hatten sie besonders gut lachen.

Klingenthal.

Sie feierten lange und ausgelassen. Die Vogtland-Arena war schon leer, als immer noch rund 300 polnische Fans ihr Team hochleben ließen. Das polnische Team hatte am Samstag souverän das Mannschaftsspringen gewonnen und damit den vielen angereisten Polen einen unvergesslichen Tag beschert. Bereits während des Wettkampfs hatten sie für ordentlich Stimmung gesorgt. Jörg Ungethüm musste deshalb besonders lang auf die polnischen Athleten waren. Denn an ihm kommt keiner vorbei - und das gleich doppelt.

Jörg Ungethüm ist Weitenrichter beim VSC Klingenthal. Unterhalb des Schanzentischs hat er seinen Platz. "An mir segeln sie alle vorbei", sagt er schmunzelnd. Deshalb läuft er nach dem letzten Springer schnell nach unten. Dort, wo die Springer am Ausgang ihr Startnummern-Leibchen abgeben, ist nach dem Wettkampf sein zweiter Platz. Diesmal mit Notizbuch und Stift. Nach der Siegerehrung müssen die Sportler alle hier vorbei - genial für einen Autogrammjäger. Autogramme zu sammeln, das ist die Leidenschaft des Rempesgrüners. Über 1000 Schriftzüge hat er schon zusammengetragen. Auch an diesem Samstag kommen welche hinzu. Kamil Stoch und Dawid Kubacki belohnen sein geduldiges Warten. Zwischendurch huscht noch Adam Malysz vorbei. Der frühere polnische Superstar ist mittlerweile Skisprung-Sportdirektor seines Landes.

Dass am Wochenende in Klingenthal der Weltcup überhaupt über die Bühne gehen konnte, glich angesichts diverser Sturmwarnungen fast schon einem kleinen Wunder. Renndirektor Walter Hofer und sein Team hatten im Vorfeld wie immer mehrere Wetterberichte genau studiert. "Wir hatten Anlass zur Hoffnung, dass es bei einer der Vorhersagen passen könnte", sagte Hofer am Samstagabend. "Ab 15 Uhr sollte der Wind in Richtung Süd, Südwest drehen", erklärte er. Dann wäre es fürs Springen okay gewesen. Und so kam es. Die Bedingungen schwierig, aber machbar. Was Zuschauer spürten: Dass es am Mittag geschneit hatte, sorgte vor allem auf Parkplätzen für reichlich Schneematsch und ausgerechnet vor dem Eingang zum Zelt der Ehrengäste für einen regelrechten See. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Die Arena präsentierte sich weihnachtlich geschmückt. Christbaum, Lichterkette und Schwibbögen im Rund, Sterne im Festzelt. Auch kulinarisch hatten sich die Versorger mit Lebkuchen und gebrannten Mandeln aufs Fest eingestellt.

Gesichtet wurden auch Gäste aus China. Olympia-Organisatoren aus Peking verfolgen das Skispringen. Fünf Mitglieder des Organisationskomitees der Winterspiele 2022 schauten sich in der Arena um. Nicht nur mit den Offiziellen des Internationalen Skiverbandes wurden Gespräche geführt, sondern auch mit den Veranstaltern. Unter anderem waren sie auf dem Schanzenturm und im Medienzentrum, interessierten sich für die Eisspur oder die Zahl der Journalisten.


Weltcup-Zirkus sorgt für 3000 Übernachtungen

Das Sportereignis in Klingenthal füllt die Betten im gesamten Vogtland. Für die Beherbergungsbetriebe ist der Weltcup aber viel mehr als nur ein gutes Geschäft.

Wenn es gewünscht wird, dann serviert er auch spätabends noch eine Roulade: Steffen Manthey vom Bayerischen Hof in Grünbach weiß, wie er seine Gäste am Weltcupwochenende glücklich macht. "Es sind Menschen, die andauernd unterwegs sind und jede Woche in einem anderen Hotel übernachten. Deshalb schätzen sie es familiär." Manthey und sein Team haben deshalb bei ihren Stammgästen im Weltcup-Tross einen dicken Stein im Brett. Die MDR/ARD-Journalisten und Techniker der TV-Übertragung - allen voran Co-Moderator Dieter Thoma - waren am Wochenende wiederholt Gäste im Bayerischen Hof. Insgesamt 25 Betten belegten die Fernsehleute, die seit drei Jahren in Grünbach absteigen. "Ganz normale Menschen, die einfach cool drauf sind", sagt Steffen Manthey und freut sich, dass er Teil dieses Ereignisses sein darf: Hintergründe erfährt, Zwischentöne mitbekommt oder mit interessanten Persönlichkeiten per Du ist.

Weltcups in Klingenthal sind nicht nur für Fans Festtage. Auch die Hoteliers im Vogtland genießen das Flair, wenn Athleten und Offizielle in ihren Häusern zu Gast sind. Dieses Gefühl, so zeigt der kleine Rundruf der "Freien Presse", werten manche sogar höher als den wirtschaftlichen Nutzen. Aber auch der ist fürs Vogtland gewaltig. Allein am vergangenen Weltcupwochenende sorgte der Tross der Sportler für 3000 Übernachtungen. Medienvertreter kamen noch obendrauf. Vom VSC Klingenthal als Veranstalter wurden rund 600 Betten gebucht. " Hotels im ganzen Vogtland waren belegt, von Bad Brambach über Bad Elster, Markneukirchen, Zwota, Klingenthal, Falkenstein", zählt Alexander Ziron, Geschäftsführer des VSC Klingenthal, auf. Er beziffert den Wert der Übernachtungen auf knapp 250.000 Euro.

"Es ist in jedem Fall ein gutes Geschäft", sagt Mark Labbow vom Waldhotel Mühlleithen, in dem rund 100 Weltcup-Teilnehmer untergebracht waren. Traditionell wohnte im Haus des VSC auch die deutsche Mannschaft. "Für uns ist ein Weltcupwochenende aber auf jeden Fall auch etwas Besonderes", sagt Labbow. Und auch im Waldhotel kennt man sich. Nein, aufdringlich sei man selbstverständlich nicht. Aber es würden sich natürlich immer wieder Gelegenheiten für einen Plausch ergeben, sagt der Hotelchef. Einen guten Draht hatte er über all die Jahre zum ausgeschiedenen Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster. "Aber auch die anderen sind alle sehr aufgeschlossen."

Eine feste Adresse für Weltcup-Übernachtungen ist auch das Hotel König Albert in Bad Elster. 60 Gäste aus dem Tross, darunter viele Funktionäre, hatten Hoteldirektor Marc Cantauw und sein Team zu Gast. Sie mischten sich im Hotel unter die Urlauber. "Extras gibt es keine", sagt Cantauw. "Das wollen die Sportler auch gar nicht. Das sind Menschen wie du und ich." Doch vor allem für die anderen Gäste sei es schon etwas Besonderes, wenn die norwegische Skisprungmannschaft oder wie am Wochenende die slowenische am Nachbartisch frühstückt. "Da gibt es natürlich auch mal Autogrammwünsche", berichtet Cantauw - ohne, dass es für irgendjemanden dabei unangenehm würde. Cantauw selbst hat sich auch schon in Klingenthal unters Publikum gemischt und die Atmosphäre genossen. Über eines staunt er dabei immer wieder: das von so einer Schanze jemand runterspringt. "Ich würde da niemals runterspringen", sagt er - und lacht herzlich.

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