Klingenthal will alle fünf Wachen erhalten

Der Stadtrat Klingenthal hat den Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre verabschiedet. Alle fünf Feuerwehrstandorte bleiben. Für einige Stadträte ist das eher Wunsch statt Realität.

Klingenthal.

Der Stadtrat Klingenthal hat am Mittwoch mit zehn Stimmen der CDU und der Freien Wähler den von der Firma Sikona erarbeiteten Brandschutzbedarfsplan bestätigt. Sechs Stadträte von Pro Klingenthal - meine Stadt und den Freien Wählern stimmten dagegen. Das Papier sieht den Erhalt der fünf bestehenden Standorte in Klingenthal I und III, Zwota, Oberzwota und Mühlleithen vor. In den nächsten fünf Jahren sind allein im Technikbereich Investitionen von rund 1,5 Millionen Euro nötig, wobei Klingenthal einen Eigenanteil von mindestens 733.000 Euro erbringen müsste. 35 neue Mitglieder müssen gewonnen werden, um die Soll- stärke bei Einsatz- und Führungskräften zu erreichen. Die Wachen im Überblick:

Wache Klingenthal 1: Soll an Einsatz- und Führungskräften: 26, aktuell 21. Das Durchschnittsalter beträgt rund 34 Jahre. Tageseinsatz- bereitschaft zwischen 6 und 18 Uhr ist gewährleistet. Die Wehr fuhr 2016 mit 70 die meisten Einsätze. Im Einsatzbereich befinden sich 82 der 110 im Stadtgebiet vorhandenen sogenannten Risikoobjekte. Diese beziehen sich vor allem auf das Beurteilungsgrundlagemodell "Kritischer Wohnungsbrand" in mehrgeschossigen Gebäuden. Problem bei der Technik ist die 24 Jahre alte Drehleiter, die in den nächsten fünf Jahren ersetzt werden muss.

Wache Klingenthal 3: Soll an Einsatz- und Führungskräften: 28, aktuell 19. Durchschnittsalter 33 Jahre. Tageseinsatzbereitschaft ist gesichert. 2016 wurden 30 Einsätze gefahren. Im Einsatzbereich liegen 14 sogenannte Risikoobjekte. Das Löschgruppenfahrzeug 16/TS mit Schiebeleiter ist 31 Jahre alt, das Tanklöschfahrzeug 16/25 mit einem 2500-Liter-Tank 30 Jahre. Beide müssen ersetzt werden.

Wache Oberzwota: Soll an Einsatz- und Führungskräften: 10, aktuell 13. Durchschnittsalter 42 Jahre. Tageseinsatzbereitschaft gesichert. Die Wehr hatte 2016 drei Einsätze. In Oberzwota gibt es ein sogenanntes Risikoobjekt. Notwendig wäre der Einbau einer Duschmöglichkeit im Feuerwehrgerätehaus.

Wache Zwota: Soll an Einsatz- und Führungskräften 26, aktuell 13. Das Durchschnittsalter beträgt 42 Jahre. Die Tageseinsatzbereitschaft ist gesichert. 2016 hatte die Wehr sechs Einsätze. Im Einsatzbereich liegen neun sogenannte Risikoobjekte. An notwendige Investitionen im Feuerwehrgerätehaus stehen der Einbau einer Duschmöglichkeit und die Nachrüstung der Druckluftanlage an. Das Tanklöschfahrzeug 16/25 mit einem 2500-Liter-Tank ist ein Veteran mit Baujahr 1981.

Wache Mühlleithen: Soll an Einsatz- und Führungskräften: 15, aktuell 6. Durchschnittsalter 51 Jahre. Tageseinsatzbereitschaft nicht gesichert. Die Wehr hatte 2016 keine Einsätze. Im Einsatzbereich liegen fünf sogenannte Risikoobjekte, darunter zwei Hotels. In den Bereichen Feuerwehrgerätehaus, Personal und Einsatzfahrzeugen besteht laut Sikona-Analyse erheblicher finanzieller und personeller Bedarf, um von einer einsatzfähigen Feuerwehr sprechen zu können.


Meinungen aus der Debatte im Stadtrat

Carsten Förster (Pro Klingenthal): Wir haben an den fünf Standorten einen Bestand an 12 Fahrzeugen, die im Durchschnitt 23 Jahre alt sind. Man muss sich dazu den Altersdurchschnitt und die Zahl der noch benötigten Einsatzkräfte anschauen. Drei statt fünf Wehren, und die auf hohem Niveau - das wäre sinnvoll.

Peter Vodel (Freie Wähler): Das Papier zeigt den Ist-Zustand, aber keine Perspektive. Wir können uns fünf Standorte nicht mehr leisten.

Klaus Grimm (Freie Wähler): Die Ortsfeuerwehren sind wichtiger Bestandteil für das gesellschaftliche Leben in den Stadt- und Ortsteilen.

Robert Hutschenreuter (CDU): Das Papier ist eine gute Analyse. Es zeigt, dass aktuell alle fünf Wehren gebraucht werden.

Judith Sandner (Freie Wähler): Ich habe mit vielen Kameraden gesprochen. Sie sind der Meinung, dass sie die Aufgaben bewältigen können.

Hans Schlott (CDU): Wenn wir weitere Standorte schließen, kann das - wie schon im Fall der Wache II - dazu führen, dass wir noch weitere Kameraden verlieren.

Roland Jung (Pro Klingenthal): Schwerpunkt ist die Sicherung der Tageseinsatzbereitschaft. Es fehlen aber 35 aktive Einsatzkräfte. Das Papier lässt zudem völlig außer acht, dass wir auf tschechischer Seite eine Berufsfeuerwehr haben, die im Bedarfsfall in fünf Minuten in Klingenthal ist - und mit mehr Löschwasser, als alle unsere Fahrzeuge zusammen.

Thomas Ungethüm (CDU): Wir müssen beim Brandschutz das gesamte Territorium abdecken und uns Gedanken machen, wie wir junge Leute für die Feuerwehr gewinnen können.

Peter Vodel: Wir brauchen neue Strukturen! Im medizinischen Bereich umfasst der Notfalldienst inzwischen ein Gebiet von Carlsfeld bis Bad Brambach. Das wäre vor einigen Jahren undenkbar gewesen.

Robert Hutschenreuter: Mühlleithen ist das Tourismuszentrum. Dazu bedarf es auch einer Feuerwehr.

Bürgermeister Thomas Hennig (CDU): Alle Stadträte haben hohen Respekt vor den Leistungen unserer Feuerwehrleute. Die Diskussion hat gezeigt, dass es möglich ist, Meinungen sachlich vorzubringen. Der neue Plan gilt fünf Jahre. Wenn aber die Notwendigkeit für Änderungen besteht, werden diese erfolgen. (tm)

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