Kliniken halten wenig von Schließungs-Vorschlag

Mehr als jedes zweite Krankenhaus soll laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wegfallen. Im Vogtland findet die Idee kaum Befürworter.

Plauen.

Eine Verringerung der Anzahl der Kliniken würde zu einer besseren medizinischen Versorgung führen. Das ist das Fazit einer Studie, die jetzt von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurde und bereits heftige Diskussionen ausgelöst hat. Laut den Autoren würde eine Reduzierung von derzeit fast 1400 auf weniger als 600 Krankenhäuser in Deutschland bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern und hätte Vorteile für die Spezialisierung der Kliniken und deren technische Ausstattung. "Freie Presse" hat Verantwortliche der Krankenhäuser im Vogtland gefragt, wie sie die Empfehlung bewerten.

Helios Vogtland-Klinikum Plauen: Für die Helios-Verantwortlichen ist nicht neu, dass zu viele Klinken zu schlechterer Qualität führen können. Der Medizinische Geschäftsführer Andreas Meier-Hellmann und Ralph Junghans, neuer Geschäftsführer des Vogtland-Klinikums, weisen darauf hin, dass man Qualitätszahlen transparent veröffentliche. Seit Jahren konzentriere sich Helios darauf, komplexe operative Eingriffe an einzelnen Kliniken zu bündeln: "Übung macht den Meister." Deshalb habe man Mindestmengen für Operationen eingeführt, die das Plauener Klinikum in allen Fachbereichen erfülle - von der Orthopädie bis hin zur Viszeralchirurgie. Komplexe Operationen gehörten in Krankenhäuser mit entsprechender Expertise wie in Plauen, kleinere Einrichtungen seien für die medizinisch hochwertige Grundversorgung in der Fläche ebenfalls wichtig.

Paracelsus Klinik Reichenbach: Diese Diskussion laufe "ins Leere", meint Klinikmanager Sven Hendel. Eine solch drastische Reduzierung würde zu einer Unterversorgung mancher Landstriche führen. Als Beispiel nennt er eine ältere Dame, die 40 bis 50 Kilometer entfernt vom Wohnort operiert werden müsste, was den entsprechenden Fahrweg für die Angehörigen bedeute. Die kleinen Häuser hätten den Auftrag der wohnortnahen Grund- und Regelversorgung. Aus Hendels Sicht wird viel zu wenig über Ausbildung generell oder eine Aufwertung des Pflegeberufs gesprochen. Die Studie habe bei Mitarbeitern und Patienten der Paracelsus-Kliniken eine "unnötige Verunsicherung" erzeugt.

Krankenhaus Bethanien Plauen: "Eine Reduzierung der Krankenhäuser halten wir weder für notwendig noch für sinnvoll", so Michael Veihelmann, Theologischer Geschäftsführer der Zeisigwaldkliniken Bethanien. Auch in einem kleineren Krankenhaus, wie dem Bethanien Plauen, sei eine hochwertige und sichere Behandlung von Patienten gegeben. Nach wie vor gewinne man Ärzte und Pflegekräfte und investiere in die Gebäude. So sei ein komplett neues Bettenhaus errichtet und im letzten Jahr ein moderner OP-Anbau in Betrieb genommen.

Klinikum Obergöltzsch Rodewisch: "Wir müssen den Autoren der Studie entschieden widersprechen", so Obergöltzsch-Chefarzt Thomas Schmidt. "Es wäre das erste Mal, dass eine Steigerung der Qualität durch Verknappung der Ressourcen erreicht werden kann." Dieser Lösungsansatz sei widersinnig. Zudem unterstelle die Studie kleinen Kliniken schlechtere Qualität. Dagegen verwahre man sich. Es gebe viele kleinere Kliniken, welche über hochspezialisierte Abteilungen verfügten und hier absolute Spitzenqualität leisten. Eine Umsetzung der Studie würde die soziale Infrastruktur zerstören und Arbeitsplätze im ländlichen Raum vernichten.

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