Kurzöffnung des Kapellenbergturms ärgert

Die Aussichtswarte ist nur wenige Tage auf - und selbst am Wochenende nur bis 15 Uhr. Gäste sind sauer, ein Projekt fiel durch.

Schönberg.

Sonntagnachmittag, bestes Ausflugswetter, doch die gute Laune ist im Eimer. So geschehen vor wenigen Tagen auf dem Kapellenberg, einem der schönsten Aussichtsgipfel der Region. Denn der Turm war geschlossen. "Wirklich schade", sagt die Bad Brambacherin Gudrun Weihmann. "Nach der Öffnungszeit kam eine ganze tschechische Wandergruppe, eine Familie aus Mecklenburg-Vorpommern, dazu noch einzelne Wanderer - alles innerhalb einer halben Stunde", berichtete sie jetzt in der Bürgerfragestunde des Gemeinderates. "Die Leute sind enttäuscht gewesen."

Enttäuscht darüber, weil hier an Wochenenden ab 15 Uhr zugesperrt ist. Die Öffnungszeiten unter der Woche sind ganz weggefallen - für Ausflügler, die gerade im Coronasommer 2020 gern das Naheliegende entdecken wollen, auch wenig prickelnd. "Für die Sommerzeit zu wenig", lautet Weihmanns Fazit. Es hängt am Personal, räumt Bad Brambachs Bürgermeister Maik Schüller (parteilos) ein. Manfred Mootz, über viele Jahre der gute Turmgeist, muss kürzer treten. Seit vorigem Jahr fahndet der Kurort nach einem "rüstigen Rentner", so Schüller, der mithilft - bisher Fehlanzeige. Zwar hat nach seinen Worten Wanderführer Bernd Regner nun einen Turmschlüssel, kann bestellte Gruppen auf den 1993 eingeweihten Ausguck lassen. Für Individual- und Spontanausflügler ist das keine Lösung.

Erschwerend kommt hinzu: Das Projekt, mit dem Bad Brambach laut Schüller in Kooperation mit Haslau/ Hazlov den Turm aufwerten wollte, kommt 2020 nicht. Von erhofften 30.000 Euro blieben 6000 Euro. Zu wenig für den Austausch von Turmstufen. "Für die Summe brauch ich nicht mal das Gerüst stellen", sagt Schüller. Zu wenig für das Drehkreuz, das die Personalmisere beheben soll. Das Kreuz haben Türme in der Nachbarschaft, ob auf dem Aschberg, die Bismarcksäule Markneukirchen oder der neue Turm in Remtengrün. Und der Kapellenbergturm braucht es auch, so Maik Schüller.

Baustelle 2: Die Aussicht. Vom Turmfuß fehlt sie. Von oben geht zwar der Blick in Egerbecken, nach Norden und Westen müssten ein paar Baumwipfel weg, so Schüller. Großes Problem: Es mangelt an Turm-Infos. Auf der Homepage der Gemeinde ist der Hinweis total versteckt. Hinweise an die Medien, dass der Turm seit 30. Mai offen ist - Fehlanzeige. Gudrun Weihmann fand Öffnungszeiten - auf der Seite eines Freizeittipp-Anbieters aus dem Saarland, total veraltet. Ähnliche "Qualität" bietet die Internetseite des Tourismusverbandes Vogtland. Hier ist von Öffnung dienstags bis sonntags bis 31. Oktober 2017 die Rede.


Kommentar: Unter Wertverkauft

Bad Brambach hat's schwer, so ein oft gehörter Seufzer aus der Südspitze des Vogtlandes. Das ist kein Grund, aus den Möglichkeiten vor Ort nicht das Maximale herauszuholen. Und da verkauft Bad Brambach den Kapellenbergturm völlig unter Wert. Es ist ja sehr sympathisch, dass es auf dem Gipfel noch einen Turmgeist gibt, der die Besucher empfängt. Aber nun ist eingetreten, was immer passieren kann: Auch ein Turmgeist ist nur ein Mensch. Ein Drehkreuz für den Turm ist überfällig. Genauso eine offensive Werbung. Peinlich, dass sich selbst findige Bad Brambacher für die Öffnungszeiten des Turms die Finger wund suchen müssen. So lockt der Ort jedenfalls keine Gäste.

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