Lärmschutz für Kirche verstärkt

Einige Anwohner sehen bei Veranstaltungen deren Dauer und Lautstärke kritisch. Was Stadt und Kirchgemeinde sagen - und der Veranstalter einer Premiere am Samstag.

Oelsnitz.

Wenn am Samstagabend der erste Oelsnitzer Rockherbst in der Katharinenkirche stattfindet, hat Veranstalter Björn Fläschendräger über das vorgeschriebene Maß hinaus für Lärmschutz und Sicherheit gesorgt. Die Haupttür bleibt zu - das sei auch bei der Kneipennacht hier im April der Fall gewesen. Zusätzliche schallhemmende Textilien werden innen angebracht. Neben eigenen Ordnern wird der Sicherheitsdienst um zwei weitere Leute aufgestockt. Sie sollen von 19 Uhr bis Konzertende vor der Kirche verhindern, dass es Krach gibt oder Besucher ihre Notdurft in Hauseingängen verrichten. Die Zusatzmaßnahmen sind ein Entgegenkommen an Anwohner, die Befürchtungen hegen, wenn am Samstag ab 20 Uhr die Oelsnitzer Bands Monkz, Logo und Raschhour spielen. Maximal 200 Leute dürfen in die Kirche.

Einige Anwohner haben in Briefen vom 20. Oktober Forderungen an Stadt und Kirchgemeinde gerichtet. "Wir haben nichts gegen Partys. Aber im Rahmen des Möglichen", so Peter Schetelich aus der Egerstraße, der auch für andere Anwohner spricht. Lange habe es keinen Anlass für Beschwerden geben, aber seit Anfang 2019 "mutiert die Kirche zum Party-Tempel". Aus Sicht einiger Anwohner seien Partys bis 2 Uhr morgens oder Rockkonzerte hier "ungeeignet" - wegen der Nähe zu Wohnhäusern. Zudem führen sie aus ihrer Sicht zu wenige Toiletten, Probleme mit Schall und Lüftung, keine geeigneten Raucherplätze und "Abnutzung" der Kirche an. Außerdem heiß es: "Auch der allgemeine Trubel, die Menschenansammlung bei solchen Veranstaltungen ist nicht akzeptabel." Die Kritik gipfelt in der Forderung, solche Veranstaltungen in der Kirche nicht mehr stattfinden zu lassen sowie Veranstaltungen in der Woche nur bis 22 Uhr, am Samstag nur bis 23 Uhr zu genehmigen. Anlass der Kritik einiger: die Kneipennacht im April, mehrere Jugendveranstaltungen, ein Hip-Hop-Konzert im September.

"Die Veranstaltungen fanden in der Kirche statt und sind damit nicht genehmigungsbedürftig. Es ist die Frage, wie viel Lärm nach außen dringt. Wenn es Befürchtungen und Beschwerden gibt, müssen wir dem nachgehen", sagt Hannes Schulz, Hauptamtsleiter im Rathaus. Er plädiert für einen Interessenausgleich statt Verboten und lobt Fläschendräger. "Der Veranstalter ist sich seiner Verantwortung bewusst."

Vermieter der Kirche ist die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde. Christoph Apitz, Chef des Kirchenvorstandes, weist Kritik der Anwohner (Apitz: "Ein Rundumschlag, der relevante Teile außen vorlässt"), als Besucher von Kneipennacht und Jugendwoche zurück. In beiden Fällen sei die Haupttür der Kirche zu gewesen. Beim Hip-Hop-Konzert teilt Apitz die Kritik. Die Kirchgemeinde öffnete "als Ausnahme" dafür die Türen, da die am Veranstaltungstag dazu vorgesehene Wetzstein-Brauerei brannte. "Das werden wir uns künftig schwer überlegen", meinte er zum aus dem Hauptportal dringenden Lärm. Apitz appelliert an die Anwohner. "Wenn ich in der Innenstadt wohne, muss ich damit rechnen, dass da die eine oder andere Veranstaltung ist. Viele freuen sich, dass die Stadt dadurch belebt wird." Das Kriterium, welche Veranstaltung hier rein dürfe, lautet "dem Ort angemessen" - und da sieht Apitz weder "Unangemessenes" noch Konflikte zwischen Kirche ("seit Langem nicht mehr gewidmet") und stattfindenden Gottesdiensten ("die dürfen wir überall abhalten").

Björn Fläschendräger hofft für den Samstag und darüber hinaus auf ein gutes Miteinander. Das trotz mehrerer Gespräche mit Anwohnern - was Peter Schetelich bestätigt - Forderungen nach Verboten laut werden, hat ihn schwer getroffen.

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