Landtag per Liste: Pfau raus, Lupart rein

Neben den beiden Gewinnern der Direktmandate von der CDU wird das obere Vogtland wie bisher über einen weiteren Landtagsvertreter verfügen - allerdings wechseln die Farben. Ein Grüner scheiterte knapp.

Oelsnitz/Klingenthal.

AfD-Politiker Ulrich Lupart wird das obere Vogtland neben den beiden direkt gewählten CDU-Abgeordneten Andreas Heinz (Elstertal/Plauener Land) und Sören Voigt (Auerbach/ Klingenthal) in Dresden vertreten. Der 67-jährige Oelsnitzer zieht dank des starken Ergebnisses seiner Partei auf Listenplatz 17 sicher in den Landtag ein. Für Janina Pfau, die bei den Linken ebenfalls auf Listenplatz 17 stand, reichte es dagegen durch das schwache Abschneiden der Linken nicht. Die Partei ist nur noch mit 14 Sitzen im Landtag vertreten. Bislang waren es 27. Sowohl Lupart als auch Pfau hatten im Wahlkreis Elstertal gegen Andreas Heinz den Kürzeren gezogen.

"Wir sind die großen Wahlverlierer", sagte Janina Pfau, die am gestrigen Montagvormittag pflichtbewusst ihre Sprechstunde als Friedensrichterin in Treuen abhielt. Aufgerieben worden sei ihre Partei zwischen AfD und CDU. "Nur in dieser Größenordnung hat keiner damit gerechnet", sagte Pfau und bezeichnete das Ergebnis als "sehr bitter". Die Mechelgrünerin ist davon überzeugt, dass ihr CDU-Kontrahent Andreas Heinz auch viele linke Stimmen erhalten habe, um einen AfD-Erfolg im Wahlkreis zu verhindern. Die Linke steht damit im Vogtland vor einem Scherbenhaufen. Infrastruktur werde verloren gehen. Pfau: "Das linke Korrektiv, die vielen kleinen Nachfragen gerade im sozialen Bereich, das geht jetzt krachen." Pfau hatte einen engagierten Wahlkampf geführt, stand fast täglich auf Wochenmärkten der Region. "Meistens allein", wie sie schon vor der Wahl mit Blick auf ihre Mitbewerber feststellte.


Janina Pfau, die Verliererin - Gewinner ist hingegen Ulrich Lupart. "Es ist der Höhepunkt meiner politischen Karriere", sagte der 67-Jährige am gestrigen Montag zum Einzug via Liste in den Landtag. Er habe ein besseres Ergebnis erhalten als gedacht und sei sehr zufrieden, so Lupart - auch wenn es zum erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen mit Andreas Heinz dann doch nicht kam. Nur in vier von 17 Orten seines Wahlkreises hatte Lupart die Nase vorn - in Mühlental, Eichigt, Bösenbrunn und Theuma. Wie wird er die Vielfach-Belastung als Stadtrat, Kreisrat und jetzt Landtagsabgeordneter meistern?"Ich fühle mich fit und ich bin fit, die kommenden fünf Jahre in Dresden zu bestreiten", sagte er. Seine Mandate in Oelsnitz und im Kreistag will er auf jeden Fall behalten. Wo er allerdings möglicherweise kürzer treten könnte, sei bei der Mitarbeit in Fachausschüssen. "Ich werde mir das in den kommenden Monaten anschauen und dann gegebenenfalls entscheiden." Gefeiert hat Lupart am Sonntag in der Altdeutschen Bierstube in Oelsnitz. Die AfD-Party auf einem Elbeschiff in Dresden fand ohne ihn statt.

Die Party der Grünen in Dresden blieb Gerhard Liebscher aus Lottengrün versagt - und es hatte beinahe Symbolcharakter. Auf Listenplatz 12 der sächsischen Grünen geriet für ihn der Wahlabend zum Krimi. "Ich kam mächtig ins Schwitzen", sagte er. Auch, weil er auf dem Weg zur Wahlparty wegen eines schweren Unfalls bei Zwickau auf der Autobahn stecken blieb - viereinhalb Stunden Stau. "Mir blieb nur, die Ergebnisse übers Internet zu verfolgen", berichtete er. Zwölf Sitze holte seine Partei am Ende. Gereicht hat es für Liebscher trotzdem nicht. Ein Dresdener Direktkandidat zog an ihm vorbei. Aufgeben will Liebscher die Hoffnung auf einen Platz im Landtag nicht. "Ich habe die Stelle des ersten Nachrückers. Da kann sich noch was tun", meinte er. Dennoch stellt sich der Lottengrüner nun auf die Arbeit auf Kreisebene ein. Im Kreistag übernimmt er den Fraktionsvorsitz seiner Partei.

Raus aus dem Landtag ist auch Juliane Pfeil-Zabel (SPD.) Zehn Mandate errang die SPD, Pfeil-Zabel stand aber auf Listenplatz 13.

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

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Kommentar: Unter Dampf

Erstmals überhaupt war im oberen Vogtland ein Wahlkampf spannend. Anders als vor anderen Wahlen war der CDU-Erfolg nicht nur eine Frage der Höhe, was besonders für den Wahlkreis von Andreas Heinz galt. AfD-Mann Ulrich Lupart im Nacken, musste sich der Unionspolitiker im Wahlkampf mächtig anstrengen. Er war hochnervös, aber auch außerordentlich aktiv. Heinz, der Kümmerer, der Kämpfer, der Präsente: Zumindest öffentlich hat man ihn so bislang kaum erlebt. Dass Konkurrenz das Geschäft belebt, hat dem Wahlkreis in diesem Fall geholfen - und Heinz ein starkes Ergebnis beschert. Ob er diese Dynamik wenigstens in Teilen halten kann? Andreas Heinz hat dabei mutmaßlich auch viele Stimmen aus dem linken Lager gezogen. Von Menschen, die in erster Linie einen AfD-Erfolg verhindern wollten. Diese Strategie ging fast überall auf. Den Preis zahlen Politiker wie Janina Pfau (Linke) oder auch Juliane Pfeil-Zabel (SPD) in Plauen. Beide waren Ankerpunkte ihrer ohnehin im Vogtland eher schwachen Parteien, die jetzt auf die Bedeutungslosigkeit zusteuern.

Was sonst noch auffiel: Der Wahlkreis Klingenthal/Auerbach fuhr für die CDU das beste Listenergebnis in ganz Sachsen ein. Sören Voigt als direkt gewählter Abgeordneter erzielte das drittbeste Ergebnis eines Unions-Wahlkreisabgeordneten im Freistaat. Bei der anstehenden Verteilung von Posten wird man daher an Voigt - und damit auch am Vogtland - nicht so ohne Weiteres vorbeikommen.


Die Hochburgen der Parteien im Vogtland

CDU: Grünbachbleibt eine absolute Hochburg für die CDU. Während die Christdemokraten überall Stimmen verloren, hielt sich die Partei im Luftkurort bei knapp 50 Prozent der Zweitstimmen - absoluter Spitzenwert für das Vogtland.

AfD: Nur drei Gemeinden fielen bei der Auszählung der Listenstimmen an die AfD: Theuma, Eichigt und Mühlental, das mit 38,5 Prozent den Höchstwert erzielt. Das wird nur in Stadtteilen von Plauen übertroffen. Im Wahllokal "Neue Feuerwache", zwischen Chrieschwitz und Altchrieschwitz, setzte jeder zweite Wähler bei der AfD mit beiden Stimmen sein Kreuz.

Die Linken erzielten die höchsten Ergebnisse für Listenplätze im Vogtland ebenso in Teilen von Plauen. In Wahllokalen im Chrieschwitzer Hang (18 Prozent) und im Stadtteil Neundorf (17,5 Prozent) erreichte die Partei die meisten Wähler. Außerhalb der Stadt gelang ein Erfolg in Eichigt mit 13,4 Prozent. Auffällig ist, dass in dem Ort, in dem die AfD gewann, auch die Linke sich profilieren konnte. Zum Vergleich: In Mühlental kamen die Linken indes nicht einmal auf 5 Prozent.

Die Grünen erreichten ebenfalls die meisten Wähler in Plauen. Das Spitzenergebnis wurde auf dem Schlossberg erreicht. Im Wahllokal in den Räumen der Plauener Tafel kreuzten fast 12 Prozent die Grünen an. Auch in der Innenstadt, im Wahllokal im Vogtland-Konservatorium, schnitt die Öko-Partei nur wenig schlechter ab. Zum Vergleich: Die höchsten Werte außerhalb der Vogtlandmetropole liefen in Bad Elster und in der Gemeinde Pöhl ein - jedoch weit abgeschlagen mit Ergebnissen um 6,5 Prozent.

Die SPD konnte in Plauen nur im Wohnviertel um die August-Bebel-Straße das Ergebnis von vor fünf Jahren zumindest annähernd erreichen. Im Wahllokal in der Kita Zwergenland erreichten die Sozialdemokraten mehr als 13 Prozent der Wähler - das beste Ergebnis im Kreis.

Die FDP erzielte eines ihrer höchsten Ergebnisse in Stöckigt mit 6 Prozent. Die Fünf-Prozent-Hürde nahm die Partei noch in Heinsdorfergrund und in Limbach. Ihr schlechtester Wert: Muldenhammer (2,4 Prozent). (nij)

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