Liebesbrief im Banjo: Fund inspiriert Autorin

In ihrem Büchlein hat die Berlinerin Gudrun Bernhagen die Geschichte um ein Schriftstück aufgegriffen. Rätsel bleiben.

Markneukirchen.

Als am 1. August vergangenen Jahres in der "Freien Presse" ein Beitrag unter der Überschrift "Rätselhafte Geschichte um ersteigertes Banjo" erschien, sorgte das für mächtigen Wirbel selbst in überregionalen Medien. Sie hängten sich an diese Geschichte: Regina Petrahn, eine Bekannte von Stefan Götze aus Markneukirchen, hatte für ihn bei einer Auktion in Plauen ein Banjo ersteigert. Zwar war es in einem bedauernswerten Zustand, für den Sammler jedoch rein ideell kostbar: "So ein Instrument wollte ich schon lange unbedingt haben. Mein Freund Albrecht Wunderlich erklärte sich bereit, es trotz des großen Aufwandes für mich zu restaurieren."

Albrecht Wunderlich machte sich an die Arbeit und kam ins Staunen: Statt des normalerweise vorhandenen Nachweises, welcher Meister das Instrument wann und wo gebaut hatte, fand er einen Brief: "Er war zwischen Oberreifen und Fell eingeklemmt." Die verblichene, altertümliche und winzige Schrift ließ sich kaum lesen. Albrecht Wunderlichs Lebensgefährtin entzifferte den auf den 17. November 1946 datierten Text. Geschrieben von einer Frau an ihren heimlichen Geliebten. Unter anderem: "Mein Liebling. So lebe recht wohl, habe Dank für jede schöne Stunde, die du immer bei mir warst, und nochmals Dank für die schönen Musikstunden, die du mir geschenkt hast. Ich war die Zeit, in der du kamst, sehr glücklich und ich weiß auch, da du nicht mehr kommst, dass ich daran zugrunde gehe, denn ich bin ein Mensch, an dem das Glück immer vorbeigegangen ist... Ich habe noch Tabletten. Die reichen dafür, um alles Leid zu vergessen... Nun lebe wohl und nochmal alles Gute. Es grüßt dich ein letztes Mal deine liebe kleine Anni... Bitte den Brief sofort vernichten."

Warum wurde der Wunsch nicht erfüllt? Wer war die Frau, die den Brief schrieb, und wer der Empfänger? Bis heute hat Stefan Götze darauf keine Antworten gefunden, obwohl er sich darum bemühte, Licht ins Dunkel der Rätsel zu bringen: "Es hätte mich schon interessiert, was es mit dem Brief auf sich hat. Trotz des großen Medieninteresses hat sich nach den vielen Veröffentlichungen niemand bei mir gemeldet." Mit einer Ausnahme: Gudrun Bernhagen aus Berlin. Die Lehrerin und Autorin hatte einen Artikel über diese Geschichte gelesen, war davon nicht nur berührt, sondern inspiriert, sie literarisch zu verarbeiten. Entstanden ist ein Büchlein: "Annis Liebesbrief". Unlängst trug sie im Gerber-Hans-Haus vor rund zwei Dutzend Zuhörern einige Auszüge vor: "Obwohl auch ich mich bemüht habe, Näheres zu der Frau und ihrem Brief herauszubekommen, blieb ich mit den Recherchen erfolglos. Deshalb habe ich zu Anni und ihrem unbekannten Geliebten eine fiktive Geschichte auf historischer Basis verfasst." Vielleicht ist es gut, wenn nicht alle Rätsel gelöst werden können. Lässt das doch Raum für die eigene Phantasie.

Erhältlich beziehungsweise zu bestellen ist "Annis Liebesbrief" in gut sortierten Buchhandlungen.

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