Mit 70 auf die Bestenliste

Der Neurochirurg Dr. Eduard Kraus gehört zu den profiliertesten Ärzten des Vogtlands. Warum er trotz seines Ruhestandes weiter arbeitet - und welche Ehre ihm gerade zuteil wurde.

Schöneck/Plauen.

Eigentlich könnte er alle Fünfe gerade sein lassen. Das Alter dafür hat Dr. Eduard Kraus längst erreicht. "Als ich 40 war, dachte ich, mit 50 gehst du in den Ruhestand", erzählt er schmunzelnd. "Ich habe Tag und Nacht gearbeitet, auch an den Wochenenden." Jetzt ist er 70 und immer noch tätig - wenn auch seit April dieses Jahres nicht mehr als Chefarzt der Abteilung Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie im Schönecker Paracelsus-Krankenhaus. Drei Tage in der Woche macht Dr. Eduard Kraus jetzt Sprechstunde im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Krankenhauses. Wenn er sich am Donnerstagabend ins Auto setzt, um nach Hause nach Plauen zu fahren, liegen vier freie Tage vor ihm. "Vier freie Tage!", sagt er, das Ausrufezeichen hörbar, lächelnd. Der große Druck der Chefarztverantwortung ist weg, die Berufung, die er als Arzt in sich trägt, aber immer noch da. Das entspannt.

In dieser letzten Phase seines Berufslebens wird Dr. Eduard Kraus eine besondere Ehre zuteil. Vom Magazin "Focus-Gesundheit" wurde er gerade in eine Liste der besten Ärzte Deutschlands aufgenommen. In die Beurteilung gingen beispielsweise Empfehlungen von Ärzten, die fachliche Erfahrung und die Patientenzufriedenheit ein. Über die Anerkennung freut er sich sehr. Es ist, wenn man so will, auch ein Siegel für sein Lebenswerk, das er zu einem beträchtlichen Teil im Vogtland erbrachte.


Dass er eine ärztliche Laufbahn einschlug, bezeichnet Dr. Eduard Kraus heute selbst als "kleines Wunder". Er stammt aus einer eher medizinfernen Familie aus dem bayerischen Altötting, der Vater war Glasermeister. Als der überraschend verstarb, musste Kraus sein Studium in Freiburg unterbrechen und als junger Mann in die Firma (damals Glaserei und Isolierglasherstellung) einsteigen. "Ich war Mädchen für alles, vom Lkw-Fahrer bis zum Chef. Aber ich habe dabei viel gelernt", erinnert er sich. Drei Jahre musste in dieser Zeit sein Medizinstudium ruhen, das ihn im Anschluss nach Lübeck führte. Schleswig-Holstein wurde zur ersten großen Station seines Lebens. An der Neurochirurgischen Universitätsklinik Kiel stieg er vom Vorstellungsgespräch weg direkt in Beruf und Klinikbetrieb ein, wurde Facharzt und Oberarzt.

Mit seinem Wechsel ans Plauener Vogtlandklinikum im Jahr 1996 nahm die Karriere von Dr. Eduard Kraus Fahrt auf. Er wurde Chefarzt einer neu zu gründenden Abteilung, das reizte ihn. "Ich habe damals die Neurochirurgie im Vogtland eingeführt", sagt er. Als Mediziner erarbeitete er sich hier einen Ruf - sowohl bei Patienten als auch bei Kollegen. Er selbst stand dabei nicht selten im Zentrum. Kaum ein Mediziner auf seinem Fachgebiet in der Region, den er nicht mit ausgebildet oder seine Karriere ein Stück weit begleitet hat. Mit 65 dann noch ein Wechsel: ins Krankenhaus nach Schöneck. Hier baute er ein interdisziplinäres Team für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie auf - ein Alleinstellungsmerkmal für das vergleichsweise kleine Krankenhaus im oberen Vogtland. Dass er eigentlich in Ruhestand sein könnte, kontert Dr. Kraus selbstbewusst. "Man lernt jeden Tag dazu, wird immer besser, gewinnt immer mehr Erfahrung und freut sich das weitergeben zu können."

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