Mit Freude an der frischen Luft

Mein Traumberuf Die Jahreszeiten spüren - wunderbar. Jeden Tag dreckige Hände - kein Problem. Joana Gagalon arbeitet in der Abteilung Garten- und Landschaftsbau der Sächsischen Staatsbäder GmbH Bad Elster - als Landschaftsgärtnerin.

Bad Elster.

Falls es in diesen Tagen vorkommen sollte, dass Joana Gagalon nicht in den Schlaf findet, dann beginnt sie in Gedanken zu zählen. Allerdings nicht Schäfchen, wie man meinen könnte, sondern Blumenzwiebeln. Sie dürfte dabei nicht allzu weit kommen, denn es sind zu viele: "Allein auf der Rabatte vor dem Königlichen Kurhaus haben wir 150 Zwiebeln in die Erde gesteckt. Narzissen und andere Frühjahrsblüher." Ihre Chefin, Gartenbaumeisterin Elke Sternitzky, ergänzt: "In den Kuranlagen werden insgesamt 5000 Zwiebeln ausgebracht. Kaiserkrone, Tulpen, Hyazinthen und so weiter. Das ist aber nur die Hälfte wie in Vorjahren. Wegen der Wildschweine haben wir reduziert. Man muss sie ja nicht anlocken."

Herbst ist für Joana Gagalon fast die schönste Zeit im Jahr. Er ist zwar nur von kurzer Dauer, aber sie nimmt die Farbenpracht in sich auf und genießt sie. Dass zum Herbst auch gehört, das Laub zusammenzurechen, macht der 21-Jährigen nichts aus, denn wer das eine will, muss das andere bekanntlich mögen. Andererseits genießt sie es, immer an der frischen Luft zu sein. Für sie war dies bei der Berufswahl ein Hauptgrund: "In einem Büro zu sitzen - nee, das wäre für mich überhaupt nichts. Auch Zierpflanzengärtnerin nicht. Ich brauche die Natur und frische Luft, mag die Abwechslung, denn kein Tag ist wie der andere. Dass ich auch dreckige Hände bekomme und mir mal ein Fingernagel abbricht, macht mir aber nichts aus."

Joana Gagalon nennt es einen Glücksfall, dass sie die Lehre bei den Staatsbädern aufnehmen konnte und danach übernommen wurde. Sie stammt aus Eichigt, wo auch ihre Eltern wohnen, lebt mittlerweile in Schöneck, hat einen Freund, fühlt sich wohl in der Region und verbunden mit ihr. Auch ihre Chefin Elke Sternitzky ist froh, seit dem vorletzten Jahr mit Joana Gagalon eine so zupackende, selbstbewusste und fachkundige neue Mitarbeiterin im Team zu haben.

2017 hat Joana Gagalon die dreijährige Lehre im Garten- und Landschaftsbau abgeschlossen: "Praxis habe ich in Bad Elster gemacht, Theorie hatten wir im Berufsschulzentrum Wilkau-Haßlau. Bodenkunde, Pflanzenkunde, Fachmathematik, Wirtschaftskunde, Deutsch, Ethik, Botaniksprache - das waren nur einige der Fächer, mit denen ich mich beschäftigen musste. Aber im Gegensatz zu der normalen Schulzeit vorher hat mir das riesigen Spaß gemacht: Ich habe etwas gelernt, was ich jetzt im Beruf brauche."

Jetzt im Herbst steckt Joana Gagalon jede Menge Blumenzwiebeln und hat schon allein eine Freude daran, sich vorzustellen, wie sie im Frühjahr blühen. Im Sommer ist sie vor allem damit beschäftigt, die Anlagen im Kurpark zu pflegen: Wildkräuter entfernen, bewässern bei Bedarf, den Rasen mähen, neue Bepflanzungen. Eine Antwort darauf, was ihre persönliche Lieblingsblume ist, fällt ihr nicht leicht: "Eigentlich alle, aber besonders die Kaiserkrone." Wer denkt, dass für Joana Gagalon im Winter Schonzeit ist, der irrt. Vor Weihnachten werden die Gebäude des Staatsbades entsprechend dekoriert, wollen Pflanzen in den Innenbereichen gepflegt sein, die Gießanlagen gewartet und gereinigt werden. Wenn es dann wieder blüht und grünt und glänzt in den Anlagen, hat nicht nur Joana Gagalon Freude daran: "Wenn Kurgäste und Einwohner vorbeikommen und sagen, wie schön alles aussieht, dann ist es doch das schönste Lob für die Mühe." www.freiepresse.de/traumberuf


Fakten zum Beruf

Das Schönste am Beruf? Jeden Tag an der frischen Luft sein und abends sehen, was geschafft wurde. "Ich brauche die Natur und die Abwechslung", sagt Joana Gagalon.

Das Schwierigste an dem Beruf? Körperlich ist es manchmal ganz schön anstrengend. Vor allem beim Rasenmähen oder Heckenschneiden.

Ausbildung? Die Lehre dauert drei Jahre. Voraussetzung ist einen Abschluss der 10. Klasse. Praxiskenntnis wird im Ausbildungsbetrieb vermittelt, Theorie in Wilkau-Haßlau.

Was verdient man? Tarifgebundene Betriebe zahlen 900 Euro brutto monatlich im ersten Ausbildungsjahr. 1100 Euro sind es im dritten Lehrjahr.

Was muss man können? Es ist angebracht, nicht zwei linke Hände zu haben, kontaktfreudig zu sein und zupacken zu können.

Für wen ist das nichts? Wer keinen Faible für die Natur hat, lieber im Warmen arbeitet und außerdem gepflegte Hände haben möchte. (eso)

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