Mit Handpan und Didgeridoo tief im vogtländischen Berg

Der aus Klingenthal stammende Musiker Philipp Gerisch gab am Schneckenstein erstmals ein Untertage-Konzert.

Schneckenstein.

Es tropft von der Decke, es ist feucht und kühl. Licht fällt auf Millionen Jahre alten Fels, und erzeugt dabei unzählige fantasievolle Schatten. Ausgewaschene Mineralien zaubern bunte Farben auf das Gestein. Die Klänge von Handpan und Didgeridoo versetzen die Zuhörer in einer Zauberwelt. So mag es im Schwarzen Loch am Schneckenstein geklungen haben, in das sich der Sage nach einst Königin Mulda mit einigen ihrer Getreuen vor dem Wilden Jäger hatte retten können.

Wenn Philipp Gerisch in die Runde schaute, blickte er in mehr als drei Dutzend gelbbehelmte Gesichter, die andächtig den Melodien lauschten, die er seinen ungewöhnlichen Instrumenten entlockte. Das Untertage-Konzert am Sonntagnachmittag war für den Musiker ebenso eine Premiere, wie für die Zuhörer - und ohne Zweifel einer der Höhepunkte an dem Wochenende, an dem die Topaswelt Schneckenstein ein Besuchermagnet war.

Philipp Gerisch, der Klingenthaler, lebt seit gut einem Jahr im fränkischen Fürth, und verdient seinen Unterhalt als Straßenmusikant und auf Festivals. Bedingt durch die Coronakrise ist das derzeit nicht ganz einfach. Etliche Festivals wurden abgesagt, für Straßenmusik gibt es in jeder Stadt andere Vorgaben.

Seine neue CD "Einklang", die er mit seinem Bruder Max und dem Musiker Tom Fronza eingespielt hat, wollte Philipp Gerisch schon im April am Schneckenstein präsentieren. Da ging freilich nichts. "In dieser Zeit des Stillstands habe ich den Titel ,Geisterstadt' geschrieben. Und da die Welt scheinbar auf dem Kopf stand, spiele ich dabei auch die Handpan verkehrt herum", plauderte er zwischen den Titeln.

Neben dem Didgeridoo ist die Handpan das zweite nicht alltägliche Instrument, dem Philipp Gerisch wundervolle Töne entlockt. "Was aussieht wie ein Schildkrötenpanzer, wurde erst vor 20 Jahren entwickelt. Aber nicht in der Karibik, wie man vermuten könnte, sondern in der Schweiz." Der Handpan-Workshop, den er am Sonntagvormittag hielt, lockte fünf interessierte Akteure und dazu noch mehrere Dutzend Schaulustige an.

Damit es den Besuchern des Premierenkonzerts im Schaubergwerk nicht gar zu kalt wurde, gab es zwischendurch von Philipps Mutti Anett Tee und Glühwein. Aber nicht nur deshalb ließen die Zuhörer den jungen Musiker nicht ohne Zugabe ziehen - es hat einfach alles gepasst, so tief in der vogtländischen Erde.

Philipp Gerisch versprach ohnehin, dass es von dem Konzert eine Fortsetzung geben wird. Vom 4. bis 6. September wird er aber erst einmal auf der Kulturinsel Einsiedel bei Görlitz zu erleben sein, beim 27. Folklorum - den Turisedischen Festspielen 2020.

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